| Berichte der Pioniere |
Mary Ann Angell Young, die Unbezwingbare Mary Ann Angell Young wußte mit Schwierigkeiten umzugehen und ertrug die Prüfungen ihrer Zeit voller Kraft und Glauben.
Mary Ann Angell Young, eine Pionierin der Kirche, ist ein gutes Beispiel dafür, daß der Glaube an Gott und sein Evangelium Grund genug sind, um Schwierigkeiten mit Würde, Geduld und unerschütterlicher Hoffnung zu ertragen. Ihre Hingabe an das Evangelium war so groß und ihr Vertrauen auf den Herrn so fest, daß keine noch so schwere Verfolgung, Plage, Krankheit oder Trennung von ihren Lieben - hier auf der Erde oder durch den Tod - ihren Glauben erschütterte. Einen Gottesmann heiraten Mary Ann wurde 1803 in Seneca im Kreis Ontario in New York geboren. Ihre Eltern waren gottesfürchtige Menschen. Als die Familie nach Providence, Rhode Island, gezogen war, schloß sich Mary Ann der Freien Baptistengemeinde an und entwickelte brennendes Interesse für die Bibel. „Das Studium der heiligen Schrift, vor allem der Prophezeiungen, erweiterte ihr den Sinn so sehr, daß sie vertrauensvoll nach deren Erfüllung suchte, was zu dem Entschluß führte, nicht eher zu heiraten, bis sie ‚einen Gottesmann' kennenlernte. Diese Segnung wurde ihr nach vielen Jahren zuteil, nämlich kurz nach ihrer Bekehrung zum wiederhergestellten Evangelium. Mary Ann hörte zum ersten Mal vom Buch Mormon, als Thomas B. Marsh 1830 in Providence von der Wiederherstellung predigte. Sie bat ihn um ein Exemplar dieses heiligen Buches, in dem sie gebeterfüllt las. Sie glaubte. „Sie hat oft bezeugt, daß der Geist ihr Zeugnis gab, als sie das Buch Mormon in die Hand nahm, und ihr die Wahrheit seiner Herkunft so eindringlich bestätigte, daß sie nie wieder daran zweifeln konnte", schrieb Einmeline B. Wells, ihre Biographin. Zwei Jahre später reiste Mary Ann nach New York, um sich dort mit der neuen Religion auseinanderzusetzen. Ihre Eltern, die Freunde in der Nähe von Palmyra besuchten, hatten ihr in ihren Briefen nicht genug über den neuen Glauben geschrieben, als daß sie zufriedengestellt gewesen wäre. Deshalb suchte sie ihre Eltern auf, und gemeinsam hörten sie das wiederhergestellte Evangelium, nahmen es an und ließen sich von John P. Greene, dem Schwager Brigham Youngs, taufen. Weil ihre Eltern sich 1833 nicht den Mitgliedern in Ohio anschließen wollten, machte sie sich allein auf den Weg nach Kirtland. Dort lernte sie im Alter von 30 Jahren den langersehnten „Gottesmann” kennen. Als sie Brigham Young sprechen hörte, fühlte sie sich „instinktiv zu ihm hingezogen und ... bewunderte ihn so sehr, daß sie, als ... er sie bat, seine Frau zu werden, ohne Zögern einwilligte, denn sie war sich sicher, daß er für sie bestimmt war”. Nach kurzer Verlobungszeit heirateten die beiden am 18. Februar 1834, zwei Jahre nach dem Tod von Miriam Works, Brigham Youngs erster Frau, die ihn mit zwei kleinen Töchtern zurückgelassen hatte. Brigham Young schrieb in sein Tagebuch, Mary Ann habe „sich um meine Kinder gekümmert, mein Haus in Ordnung gehalten und voller Glauben zum Besten meiner Familie und des Gottesreiches gewirkt". Im Feuerofen der Bedrängnis Obwohl die beiden Jungverheirateten mit Schwierigkeiten vertraut waren, mußten sie bald noch gefährlichere Zeiten durchstehen. Mary Ann hatte kaum Zeit, Ihr Zuhause zu ordnen, ehe Brigham Young loszog, um den Propheten auf dem Marsch des Zionslagers zu begleiten, und ehe die Verfolgung durch den Pöbel in Ohio und Missouri eskalierte. Im Dezember 1837 schloß Joseph Smith etwa 40 Abtrünnige aus der Kirche aus, „wie man Äste von einem Baum schneidet". Das hatte zur Folge, daß Brigham Young, der nachdrücklich vor den Abtrünnigen gewarnt und den Propheten verteidigt hatte, mit Verfolgung, Haß und der Androhung körperlicher Gewalt und sogar des Todes zu kämpfen hatte. Weil er sein Leben in Gefahr sah, floh er am 22. Dezember aus Kirtland. Kurz danach verließen auch Joseph Smith und weitere glaubenstreue Mitglieder die Stadt. Während des Winters mußte Mary Ann selbst für sich und ihre fünf Kinder sorgen, während die Abgefallenen sie terrorisierten und mit der vorgeschobenen Begründung in ihr Haus eindrangen, Brigham Young verstecke sich dort. Ihre Peiniger bedrohten und beschimpften sie so sehr, daß sie in große seelische Not geriet und krank wurde. Später sagte sie ihrer Biographin, dies sei „zweifellos die schwierigste Prüfung meines Lebens gewesen." Im Februar 1838 nahm Mary Ann, die inzwischen an Tuberkulose erkrankt war, ihre Kinder und die wenigen Habseligkeiten, die der Pöbel ihr gelassen hatte, und machte sich auf die lange, beschwerliche Reise von Kirtland in Ohio nach Richmond in Missouri, wo sich ihr Mann aufhielt. „Er war so ... erschrocken wegen der Veränderung, die mit ihr vorgegangen war, daß er ausrief: ,Du siehst ja fast aus, als hätte man dich begraben."` Jetzt konnte Brigham Young seine Frau wieder gesundpflegen. Auch der Herr wußte, wie dringend sie Hilfe und Fürsorge brauchte. Am 17. April 1838 empfing Joseph Smith daher eine Offenbarung, die Brigham Young vorübergehend von seinen zahlreichen Aufgaben in der Kirche freistellte und es ihm damit ermöglichte, sich vornehmlich um seine Kinder und seine kranke Frau zu kümmern.' Doch diese dringend notwendige Pause war nur von kurzer Dauer. Die Spannungen und Feindseligkeiten zwischen den Mitgliedern und den Bewohnern Missouris nahmen immer mehr zu, bis die Mitglieder im Oktober 1838 erneut vertrieben wurden. Im Februar 1839 mußten die Youngs und mehr als 800 weitere Mitglieder dann den Staat Missouri verlassen; sie trotzten der bitteren Kälte und suchten Zuflucht in Illinois. Weil ihre Wagen und ihr Vieh beschlagnahmt worden waren, gingen die meisten der mittelosen Mitglieder zu Fuß. Während des beschwerlichen Trecks führte Brigham Young seine Familie voran, suchte eine Unterkunft für sie und ging dann zurück, um die schwachen oder die verwaisten Mitglieder zu begleiten. Mary Ann und die Kinder wohnten während dieser schlimmen drei Monate in elf verschiedenen Unterkünften. Flußüberquerung im Winter Zehn Tage nach der Geburt ihrer Tochter Emma Alice am 4. September 1839 in Montrose im Territorium Iowa mußte Mary Ann ihren Mann wieder ziehen lassen — er war nach England auf Mission berufen worden. Brigham Young war so krank, daß er nicht ohne Hilfe laufen konnte; seine ganze Familie war ebenfalls krank. Als Mary Ann und ihr Mann sich voneinander verabschiedeten, sagte sie zu ihm: „Geh und erfüll deine Mission, und der Herr wird dich segnen. Ich werde nach besten Kräften für mich und die Kinder sorgen.“ Sie vertraute auf Gott und freute sich, daß sie die Kraft hatte, ihren Mann auf die Reise zu schicken. Der Mississippi ist zwischen Nauvoo und Montrose etwa 1,6 Kilometer breit. Mary Ann mußte oft in einem kleinen Ruderboot die gefährliche Überfahrt wagen, um Nahrungsmittel zu besorgen. Ende November 1839 erkrankte Mark Ann an Malaria, und ihre hungrigen Kinder schrien nach Brot. Mary Ann warf eine zerlumpte Decke in das Boot und wickelte sich und das Baby in eine weitere Decke. inzwischen hatte der Himmel sich zugezogen, und ein steifer Nordwestwind blies ihr entgegen. Mary Ann, die nur ein dünnes Baumwolllkleid und ein Tuch trug, ruderte gegen die aufgepeitschten Wellen an, die sie und das Baby vollkommen durchnäßten. Schließlich erreichte Mary Ann Nauvoo und suchte eine Freundin auf, die ihr etwas zu essen gab. Diese schrieb später: „Schwester Young kann in mein Haus.... Sie hatte die kleine Alice auf dem Arm und wurde vor Kälte und Hunger fast ohnmächtig. Außerdem war sie tropfnaß. Ich versuchte, sie zum Bleiben zu überreden, aber sie wollte nicht bleiben, sondern sagte nur: ‚Die Kinder zu Hause haben auch Hunger.' Ich werde niemals vergessen, wie sie aussah — in ihrem dünnen Kleid und zitternd vor Kälte.... Sie verließ das Zehntenbüro mit ein paar Kartoffeln und etwas Mehl, wofür sie sehr dankbar schien, und ... dann machte sie sich, von Schüttelftrost und Fieber geschwächt, auf den Weg zurück zum Flußufer, um wieder nach Hause zu rudern. Engel der Barmherzigkeit Nach seiner Rückkehr aus England erkrankte Brigham Young, vermutlich an Scharlach. Es war Winter, und die Familie wohnte in einem Blockhaus, dem eine Decke als Tür diente. Brigham Young schrieb: „Als das Fieber am 18. Tag zurückging, war ich ... dem Tode so nah, daß ich die Augen nicht schließen konnte.... Ich hörte auf zu atmen.... Mary Ann goß mir kaltes Wasser ins Gesicht; und als das nichts half, legte sie mir starken Kamper auf Gesicht und Augen, was ich nicht im mindesten spürte. ... Dann hielt sie mir die Nase zu, ... legte ihren Mund direkt auf meinen und blies ihren Atem in meine Lungen, bis diese sich füllten. Dadurch begannen Sie wieder zu arbeiten, und ich fing wieder an zu atmen." Diese inspirierte Behandlung, heute eine weitverbreitete Wiederbelebungsmethode, war vor dem 20. Jahrhundert nicht bekannt. Brigham Young baute für seine Familie später ein neues Haus in Nauvoo, wo die wachsende Stadt ein gewisses Maß an Frieden und Wohlstand erlebte. Doch es dauerte nicht lange, bis sich Widerstand gegen die Mitglieder erhob und diese wieder einmal mitten im Winter aus ihren Häusern vertrieben wurden. Auf dem Treck nach Westen bekam Mary Ann oft Gelegenheit, ihre heilenden Fähigkeiten anzuwenden. Sie pflegte Thomas L. Kane wieder gesund, der sich danach der Aufgabe verschrieb, den Mitgliedern und anderen Unterdrückten zu helfen. Sie trug auch zur Gesundung von Eliza R. Snow bei. In Winter Quarters in Nebraska „leistete Schwester Young hervorragende Arbeit. Fast in jedem Blockhaus der Siedlung war jemand krank. Es gab kaum Proviant und nicht die geringste Bequemlichkeit........ Mary Ann erkundigte sich, wo Hilfe gebraucht wurde, und versorgte die Kranken, wo immer möglich, mit Medikamenten und Aufmerksamkeit. Sie war wirklich ein Engel der Barmherzigkeit.." Mary Ann machte sich im Frühjahr 1847 nicht mit ihrem Mann auf den Weg ins Tal des großen Salzsees, sondern blieb zurück und sorgte für die Kinder und andere. Drei Wochen nach seiner Ankunft im Salzseetal kehrte Brigham Young zurück, um seine Familie zu holen. Gemeinsam kamen sie am 20. September 1848 in ihrer neuen Heimat in Utah an. Im Vergleich zu den Entbehrungen und Prüfungen der Vergangenheit lebte die Familie viele Jahre in relativem Frieden und Wohlstand. Doch der Wohlstand änderte Mary Arms Verhalten gegenüber ihren Mitmenschen nicht. „Sie kümmerte sich vor allem um die .Armen, und niemand wurde mit leeren Händen fortgeschickt." Mary Ann brachte sechs Kinder zur Welt und sorgte außerdem für zwei Adoptivtöchter; ihr Sohn Brigham Young jun. wurde später Apostel. Mary Ann überlebte ihren Mann um fünf Jahre. Zwei Jahre vor ihrem Tod am 27. Juni 1882 war sie sehr gebrechlich geworden und litt ‚starke Schmerzen, die sie mit großer Geduld und vollkommener Unterwerfung unter den Willen des himmlischen Vaters ertrug." Trotz aller Schwierigkeiten zeigte Mary Ann immer wieder, daß ihr Vertrauen auf den Herrn durch nichts zu erschüttern war. „Immer fröhlich und heiter" überstand sie zahllose Schwierigkeiten mit ungewöhnlicher Standhaftigkeit und Bereitwilligkeit und „schaute immer nach oben, von wo sie Hilfe erwartete" Die wichtigste Grundlage ihrer Kraft war ihr Zeugnis. Sie gab oft Zeugnis, daß sie wisse, Joseph Smith sei ein Prophet Gottes und Brigham Young sein rechtmäßiger Nachfolger. Sie hatte miterlebt, wie die Prophezeiungen, die die beiden ausgesprochen hatten, in Erfüllung gegangen waren. „Ich weiß”, so sagte sie, „und ich gehe aller Welt Zeugnis, daß dies das immerwährende Evangelium ist, das durch die Macht der Inspiration Gottes und durch das Erscheinen von Engeln in der Evangeliumszeit der Fülle offenbart wurde." Rex G. Jensen 22:59 - 22.4.2008
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