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Berichte der Pioniere

Alma Elisabeth kommt nach Amerika

Die sechsjährige Alma Elisabeth Mineer sah sich im dunklen Innern des riesigen Segelschiffes um, wo eine flackernde Öllampe etwas Licht spendete. In dem düsteren Licht konnte sie von den Passagieren, die in ihren Schlafkojen lagen, kaum jemanden sehen.
Sie lauschte den Geräuschen der Nacht gerne. Das Schiff schaukelte sanft von einer Seite zur anderen, und die großen Holzbalken knarrten und ächzten. Einige Mütter sangen ihre Kinder leise in den Schlaf. Alma konnte zwar nicht alle Worte verstehen, aber sie bemerkte, daß englische, deutsche, schwedische, norwegische und dänische Kleinkinder beim Weinen die gleiche laute Sprache haben! Manchmal war Alma vor dem Einschlafen .traurig, wenn sie an ihr Zuhause, die Freunde und den Ort in Schweden dachte, den sie verlassen hatte.
Während des Tages stieg Alma Elisabeth gerne die Stufen hinauf und ging an Deck. Wenn sie vorne auf dem Schiff stand, versuchte sie. Amerika zu finden, und sie schaute und schaute. Aber Tag für Tag konnte sie in jeder Richtung nur den Atlantischen Ozean sehen.
Alma Elisabeth beobachtete auch gerne, wenn die großen Segel von Wind aufgeblasen wurden. Sie hätte sich auch gefreut, wenn sie wie die Matrosen an den Seilen hätte hinaufklettern können. Ihre neuen Freunde und Freundinnen luden sie oft ein, bei einem Spiel mitzumachen. Gelegentlich probierte sie neue englische Wörter aus. Sie wußte, daß sie in Utah Englisch und nicht mehr Schwedisch sprechen würde.
Manchmal schlich sie in den Teil des Schiffes, wo die Matrosen wohnten. Mit dem Koch freundete sie sich besonders an. Er gab ihr oft besondere Leckerbissen, und sie freute sich darüber, denn die Mahlzeiten ihrer Familie waren nicht allzu schmackhaft. Sie konnten in der Woche nur fünf Mahlzeiten kochen. Und der Schiffszwieback war so hart, daß sie mit den Schuhen darauftreten mußte, um ein Stück davon abzubrechen.
Fünf Wochen lang — im Mai und Juni 1861 -- segelte das Schiff, Monarch of the Sea genannt. über den Atlantischen Ozean. Als es endlich im Hafen von New York anlegte, wurden die einwandernden Heiligen in kleinen Booten an Land gebracht. Sie verbrachten die Nacht in einem riesigen Gebäude, dem Castle Gardens.
Als die Kinder sich an dem Abend auf dem Boden des Gebäudes schlafen legten, entdeckte Alma Elisabeths Bruder August gleich neben sich ein paar Säcke mit braunem Zucker. In einem war ein kleines Loch, und der Zucker rieselte heraus. Alma Elisabeth und August hatten auf ihrer Fahrt über den Ozean keinen Zucker und keine Süßigkeiten gegessen. August fand auch einen Löffel. Bald hielten sie einen großen Festschmaus. Aber am nächsten Morgen war ihnen schlecht!
Alma Elisabeth machte dann mit ihrer Familie und den anderen Heiligen die weite Reise nach Iowa mit dem Zug. Dort schlossen sie sich dem Wagenzug nach Utah an. Sie ging den ganzen Weg zu Fuß und stieg nur dann in den Wagen, als sie einen tiefen Fluß überquerten.
Alma Elisabeths Vater fiel das Gehen schwer. Er war in Schweden Konzertgeiger und der Dirigent eines Orchesters gewesen. Dann wurde er durch Rheumatismus zum Krüppel. Erst langsam lernte er, Hände und Füße wieder zu gebrauchen, aber dies war ein schwieriger und schmerzhafter Vorgang.
Elisabeths Vater konnte mit dem Wagenzug nicht Schritt halten, bestand aber darauf, daß seine Familie beim Wagenzug blieb. Er versprach, daß er sie später einholen werde.
Er mühte sich vorwärts, bis er ein Licht sah. Es war das Lager von Soldaten, die in den Bürgerkrieg zogen. Ein Soldat sprach Schwedisch. Als sie herausfanden, daß Alma Elisabeths Vater Musiker war, trieben sie eine Geige auf, und er spielte für sie. In der Frühe setzten sie ihn aufs Pferd, und sie holten den Wagenzug ein.
Als Alma Elisabeth mit ihrer Familie in Utah ankam, ließen sie sich in Mount Pleasant nieder. Da sie ein Pionierkind war, arbeitete sie schwer. Sie lernte, wie man Wolle kämmt und spinnt, Teppiche webt, Kühe melkt, strickt und häkelt, aus Wildleder Handschuhe macht, aus geflochtenem Stroh Hüte anfertigt, Heu aufschobert und Weizen in Bündel zusammenbindet.
Einmal sammelte sie Weizen, der nach der Ernte auf den Feldern liegengeblieben war, und sie verkaufte ihn für 10 Dollar. Mit einem Teil des Geldes kaufte sie neun Meter Stoff für ihr erstes Partykleid.
An ihrem achten Geburtstag sah sie, wie einige Älteste in einem nahegelegenen Flüßchen etliche Leute tauften. Ihre Eltern wußten nichts von diesem Taufgottesdienst, deshalb lief sie nach Hause und sagte es ihnen. Sie gaben ihr die Erlaubnis, und so wurde sie ebenfalls in  dem Flüßchen getauft. Danach ging sie zur Konfirmation in das Gemeindehaus. Danach aber war sie so müde, daß sie in der Kirche auf einer Bank einschlief, die selten benutzt wurde und wo die Leute sie nicht sehen konnten. Nach der Versammlung gingen alle nach Hause. Alma Elisabeths Familie machte sich nun schon Sorgen, weil sie so lange fort war, und sie schickten ihre größere Schwester Helen, um sie zu suchen. Sie fand Alma Elisabeth, die in dem nun leeren Gemeindehaus noch immer schlief.
An einem sehr warmen Tag im Juli, als Alma Elisabeth zehn Jahre alt war, ging sie zu einer Versammlung der Gemeinde. Die Leute waren sehr mutlos, da sie für ihre Saat Regen brauchten. Präsident Brigham Young kam zur Versammlung, und sie hörte aufmerksam zu, als er aufstand und sprach. Er versprach ihnen, wenn sie auf seine Worte hörten, daß der Herr die Himmel öffnen und Regen senden würde.
Kaum waren die Worte von des Propheten Lippen gekommen, als Alma Elisabeth auch schon bemerkte, wie sich Wolken zusammenbrauten. Schnell bedeckten sie den Himmel, und es regnete in Strömen. An diesem Tag bekam sie ein großes Zeugnis vom Evangelium, und sie vergaß es ihr Leben lang nicht.William G. Hartley, der Freund, Juli 1981

22:48 - 22.4.2008


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