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„Ich kann bestätigen, daß der Herr sein Volk zu Lande und zu Wasser durch seine Macht bewahrt hat", schrieb Elizabeth Francis Yates am 12. März 1905. „Ich habe mehrfach erlebt, daß es viel Gottvertrauen bedurfte, um nicht daran zu glauben, daß unsere Feinde den Sieg über uns davontragen würden..., und ich kann mich den Worten anschließen, die jemand in alter Zeit gesagt hat: Ach bin jung gewesen und alt geworden und habe noch nie den Gerechten verlassen gesehen.“ Elizabeth Francis Yates war zu diesem Zeitpunkt 72 Jahre alt und hatte noch 5 Jahre zu leben, bis sie in Salt Lake City sterben würde. Ihre Geduld und ihr einfacher Glaube waren jedoch keine Begleiterscheinung ihres Alters, sondern hatten ein Zeugnis zur Grundlage, das in tiefem Seelenschmerz geprüft und in schwerem Leid geläutert worden war. Sie wuchs in einer gebildeten Familie in South Molton, Devonshire, auf. Ihre Familie gehörte der angelikanischen Kirche an. Als junges Mädchen beunruhigte sie der Widerspruch zwischen den Lehren der Bibel über die Taufe und dem, was in ihrer Kirche gesagt wurde. Von nun an hatte sie keine Freude mehr daran, zur Kirche zu gehen. Mit 15 Jahren heiratete sie William Williams, und nachdem ihre erste Tochter zur Welt gekommen war, hörte sie zum erstenmal etwas über die Mormonen. Anfangs zeigte sie kein Interesse. Obwohl sie mit ihrer Kirche nicht zufrieden war, war sie der Meinung, daß diese zumindest Achtung verdiente. Sie war jedoch zu höflich, um das ihr angebotene Traktat zurückzuweisen, und an einem regnerischen Nachmittag fing sie an, es zu lesen. Bald war sie tief in die Schilderung einer Debatte versunken, die John Tavlor mit einigen Geistlichen in Frankreich geführt hatte. .,Nachdem ich alles gelesen hatte, sagte ich laut: „Gelobt sei der Herr. Endlich habe ich den richtigen Weg gefunden."' Sie besuchte eine Versammlung, wo die Sendung Joseph Smith' erklärt wurde. „Wenn ich sage, daß ich vor Freude erschauerte, so drücke ich meine damaligen Gefühle nur undeutlich aus. Ich sah keinen anderen Weg als den, für meine Sünden Buße zu tun und mich taufen zu lassen. Ich wußte, daß meine Familie dieser Entscheidung ablehnend gegenüberstehen würde und daß mich meine früheren Freunde frostig behandeln würden. Es kam jedoch viel schlimmer, als ich geahnt hatte." Dieser eine Satz: „Es kam schlimmer, als ich geahnt hatte” birgt tiefstes Herzeleid in sich, denn er besagte, daß ihre Mutter ihr den Zutritt zu dem Haus verweigerte, in dem sie aufgewachsen war. Ihr Mann stellte sie vor die Wahl, sich entweder für ihre Familie oder für ihren Glauben zu entscheiden. Weinend vor Seelenschmerz, lehnte sie es ab, ihr Zeugnis zu verleugnen, worauf ihr Mann sie und ihre vier kleinen Töchter verließ. Sie fand Arbeit in einer Wollspinnerei. Neben ihrem Wehstuhl lag das Baby in einem Korb. Es gelang ihr, die Kinder durchzubringen. Als ihr Mann sah, daß sie sich nicht geschlagen gab, kam er zurück, nahm ihr alle vier Kinder weg und zog nach London. Das Gesetz gab ihr keine Möglichkeit, ihn daran zu hindern oder die Kinder zurückzufordern. Dennoch ließ sie sich nicht wankend machen. Zuletzt hatte sie unmittelbar vor ihrer Taufe gezögert, als sie um Mitternacht in den dunklen Fluß hinabschaute – man schrieb den 4. Dezember 1851 —und das Gefühl hatte, als könnte sie einfach nicht ins Wasser hinabgehen. ..Eine Stimme schien mir jedoch zu sagen: „Es gibt keinen anderen Weg“ So vollzog sie gläubig diesen Schritt. „Danach schien es, als hätte sich alles geändert. Die Schuppen waren mir von den Augen gefallen, und ich sah den Evangeliumsplan in seiner Herrlichkeit vor mir. Ich gelobte dem Vater im Himmel, daß ich ihm mit seiner Hilfe dienen würde, auch wenn sich drohende Wolken auftürmten und Freunde sich in Feinde verwandelten. In meiner Schwachheit habe ich versucht, dieses Versprechen einzulösen. Oft sind mir Fehler unterlaufen, und ich habe Dinge gesagt und getan, die ich später bereut habe. Gleichwohl habe ich niemals daran gezweifelt, daß das Evangelium wahr ist, oder anderen einen Stein des Anstoßes bereitet." Die nächsten sechs Jahre verbrachte sie in Bath, wo sie bei der Familie eines Missionars, Thomas Yates, wohnte. Ihre geringen Einkünfte verwendete sie für die ergebnislose Suche nach ihren Kindern. „Nach kummervollen Jahren des Fastens und Betens bereitete mir der Herr einen Weg, nach Zion zu gelangen.” Sie sollte mit der Familie Yates und deren Sohn Thomas reisen, der gerade von einer sechseinhalbjährigen Missionszeit zurückgekehrt war. Wir wissen nicht, wie schwer es ihr fiel, England zu verlassen. Sie hat dazu lediglich bemerkt: „Ich betete aufrichtig zu Gott, er möge mir bei der langen, beschwerlichen Reise helfen, so daß ich unterwegs nicht murrte oder mich beklagte, falls mir ein Löwe den Weg versperren sollte. Er erhörte mein Beten, denn ich fand keinen Grund zur Klage. Während der ganzen Reise war mein Herz von Dankbarkeit erfüllt.“ Von ihrem Sohn wissen wir, was sie uns in ihrer Glaubensgeduld nicht mitgeteilt hat. Sie starb nämlich fast an der Seekrankheit, die während der ganzen Reise andauerte. Am 22. Juli 1863 wurde sie in Florence, Nebraska, mit Thomas Yates getraut. Am Nachmittag desselben Tages traten sie den langen Marsch nach Westen an. Als sie merkte, daß im Wagen nicht genug Platz für sie und ihre Truhe war, dachte sie an ihr sorgfältig verpacktes Porzellan, das Kostbarste, was sie besaß, und ging die ganze Strecke zu Fuß, während, wie sie berichtet hat, ihr Herz von Dankbarkeit erfüllt war. „Viele vergossen Tränen der Freude, als sie zum erstenmal die Stadt erblickten, die Mitglieder der Kirche erbaut hatten”, erzählt sie weiter. Gewiß hat auch sie solche Freudentränen vergossen, obwohl sie es nicht ausdrücklich erwähnt. Diese Geduld und diese Dankbarkeit vertieften auch die Liebe in ihrer Ehe. Eine Tochter, Louise, die später die siebte Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung wurde, berichtet, sie habe ihre Mutter nur ein einziges Mal weinen sehen, nämlich als eine Katze das Regal in der Hütte herabriß, wobei das wertvolle Porzellan in Scherben ging. Sobald Porzellan in das Territorium eingeführt wurde, ersetzte ihr Mann den Verlust — fürwahr eine Tat der Liebe, denn sie bestritten in Scipio, Utah, wo er als Bischof und sie als FHV-Leiterin amtierte, nur mit großer Mühe ihren Lebensunterhalt. Eine Zeitlang arbeitete Thomas Yates an der Eisenbahnstrecke im Echo Canyon, um das Darlehen zu tilgen, das er vom Ständigen Auswandererfonds erhalten hatte. Während dieser Zeit schrieb er seiner Frau einen Brief, der auf eine tiefe Liebe zwischen den beiden Eheleuten schließen läßt. Wir wissen nicht, was für Sorgen sie in einem an ihn gerichteten Brief geäußert hatte: jedenfalls antwortete er ihr mit liebevollen, beruhigenden Worten.
„Mich bekümmert noch etwas, Liebling: Mir scheint, Du denkst, daß ich hier draußen bleibe, weil Du Dich vielleicht darüber beklagt hättest, daß ich nicht so gut für Dich sorge, wie Du es Dir wünschen könntest. Glaube mir, Liebling, diese Sorge ist ganz unbegründet, Ich kann mich nicht erinnern, daß Du jemals etwas gesagt hättest, was man als solchen Vorwurf auffassen könnte ... Liebling, ich hänge sehr an unserem bescheidenen Heim, und ich liebe Dich, meine liebe Frau, und unsere lieben kleinen Kinder. Keinen Menschen auf Erden habe ich lieber in meiner Nähe als Dich, und ich kann mir nicht vorstellen, daß ich auf dieser Welt in der Gegenwart anderer Menschen so froh und glücklich sein könnte wie bei Dir.“ Die Liebe, die diese beiden Menschen füreinander und für ihre fünf Kinder empfanden, vermochte jedoch nicht die Wunden zu heilen, die die früheren Erlebnisse im Herzen der Frau gerissen hatten, Ihr einziger Sohn, Thomas, hat später berichtet, daß er sie nachts schluchzen hörte. Wenn er sie fragte, warum, antwortete sie einfach :..Ich habe an ein paar kleine Mädchen gedacht, die ich vor vielen Jahren in England zurücklassen mußte... Aber auch die Kinder hatten ihre Mutter nicht vergessen. Susan, die hei der Trennung erst sieben Jahre alt gewesen war, lief mit elf Jahren fort und suchte bei einer Mormonenfanmilie Zuflucht in der Hoffnung, eine Spur zu ihrer Mutter zu finden, die Mormonin geworden war. Das Baby war bereits tot, und eine andere Tochter sollte wenige Jahre später sterben. Doch um 1870 begegnete Susie Williams einem Missionar, der die Familie Yates in Scipio auf sie aufmerksam machte. Dieser vage Hinweis genügte, Mutter und Tochter in Utah wieder miteinander zu vereinen. Susan hörte nicht auf, nach ihrer Schwester zu forschen. William Williams war freilich fest entschlossen, dafür zu sorgen, daß die letzte Tochter ihre Mutter niemals wiedersehen würde, und führte sie aus England fort ironischerweise gerade nach Amerika, wo Susan sie in Michigan durch eine Zeitungsanzeige fand. So konnte auch sie sich der Familie in Utah anschließen. Alle vier Töchter werden an Thomas und Elizaheth Yates gesiegelt. Es ist, als ob Elizaheth Yates die Worte wiederholte: „Ich habe noch nie den Gerechten verlassen gesehen...“ Januar 1979
22:21 - 22.4.2008
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Hier werde ich aus alten Kirchenzeitschriften Berichte der Pioniere posten.
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