BLOGas.lt Hol Dir jetzt kostenlos Dein eigenes Blog! N�chstes Tagebuch

Berichte der Pioniere

Tom und Betsy kauerten am Bach und schrubbten das Frühstücksgeschirr mit reinem weißen Sand, als sie hörten, wie Brigham Young die Heiligen zum Hauptplatz rief. Es blieb ihnen kaum Zeit, die Teller in dem heißen Wasser nachzuspulen, das Mutter schon bereit hatte, da sammelten sich schon an die fünftausend Heilige im Lager am Sugar Creek in Iowa, um zu hören, was Brigham Young, ihr Führer, zu sagen hatte. Seine Botschaft war kurz: „Ich schlage vor, daß wir weitermarschieren. Alle, die möchten, sollen mir folgen.”Tom war außer sich vor Freude. Er nahm Betsy bei der Hand, schwang sie herum und rief: „Wir gehen nach Westen! Endlich gehen wir nach Westen!” Plötzlich hielt er inne und sagte: „Wir können gar nicht gehen – Papa ist ja nicht da!”
Toms Mutter sah die Enttäuschung in seinen Augen. „Papa dürfte morgen kommen”, meinte sie. „Er wollte heute mit seiner Arbeit in St. Joseph fertig sein, und wenn wir alles bereit haben, können wir aufbrechen, sobald er da ist.”
Da war Tom wieder froh, und als Brigham Young das Zeichen zum Abmarsch des Fünfhundertwagenzuges gab, winkten er und Betsy ihren Freunden und Nachbarn zum Abschied. Sobald der Zug außer Sicht war, rannten sie zurück zur Mutter und fragten, was sie tun sollten, um alles fertigzumachen.
„Du kannst die Butter stoßen”, sagte die Mutter zu Betsy.Während Betsy die Butter stieß, füllte Tom das Wasserfaß und zurrte es außen am Wagen fest, damit die Familie Wasser hatte, wenn sie nicht an einem Bach oder bei einer Quelle lagern konnte. Als Tom vom Bach heraufkam, sah er ein Gespann ins Lager fahren.
„Es ist Papa!” rief er, ließ den Eimer stehen und lief ihm entgegen.„Können wir jetzt nach Westen gehen, wo du hier bist?” fragte Tom. „Mehr als die Hälfte der Leute ist schon weg.”
Toms Vater lachte. „Heute nachmittag noch nicht. Ich habe in St. Joseph einen zweiten Wagen und ein Gespann Ochsen gekauft, darum bin ich schon jetzt da. Aber die Männer, mit denen ich unterwegs war, kommen erst morgen an. Im Wagen sind Mais und Weizen, und wir müssen erst eine Abdeckung machen.”
„Wer wird den neuen Wagen fahren?” fragte Tom.
„Deine Mutter wird es schon schaffen”, erwiderte der Vater.„Ich könnte es auch”, warf Tom ein.
Einen Augenblick lang sagte Toms Vater nichts, aber dann meinte er: „Du hast recht. Du darfst es mal versuchen.” Und bevor die Ochsen noch ausgespannt waren, zeigte ihm der Vater, wie er die Zügel zu halten hatte und wie man mit der Peitsche knallte, so daß die Ochsen angetrieben wurden, ohne daß man ihnen weh tat.Tom war so ungeduldig, den Wagen zu fahren, daß er den ganzen Nachmittag wie besessen arbeitete, damit sie am nächsten Tag auch wirklich früh aufbrechen konnten. Er legte die sechs Holzleisten, die der Vater aus St. Joseph mitgebracht hatte, ins Wasser, bis sie weich und biegsam waren, und dann half er dem Vater, sie an der einen Seite des Wagens zu befestigen, zu biegen und auch an der anderen Seite festzumachen. Gemeinsam zogen sie das schwere Segeltuch über die Streben und spannten es, bevor sie es zu beiden Seiten des Wagens festbanden.
Dann half Tom dem Vater eine große Proviantkiste bauen.
Dahinein kamen das Geschirr und die Lebensmittel, die sie jeden Tag brauchten. Die großen Eisenkessel hängten sie hinten an den Wagen. Als die Mutter den Teig fertig hatte, formte sie Laibe, und Betsy machte kleine Brötchen, die in einem Topf über der Glut gebacken wurden.
Am nächsten Morgen stand Tom schon ganz früh auf. Er war zu aufgeregt, um zu schlafen, und dachte nur daran, daß er den Wagen lenken würde. Endlich waren die Fuhrwerke fertig, und er kletterte neben seine Mutter auf den Bock und wartete auf das Abmarschzeichen für den kleinen Zug von zweiunddreißig Wagen.Endlich kam das Zeichen, und Toms Wagen setzte sich mit einem Schnalzen der Zügel und einem Peitschenknall in Bewegung. Es war das erste Mal, daß er einen Wagen lenkte, und er war so angespannt, daß er gar nicht merkte, wie hell die Sonne schien und wie warm es schon wurde. Er hatte nicht einmal gemerkt, daß die Mutter ihren warmen Wintermantel ausgezogen und sich ein Schultertuch umgelegt hatte. Er wußte nur, daß er öfter mit der Peitsche knallen mußte, damit die Ochsen anzogen. Doch plötzlich merkte er, warum es so langsam voranging: Der Boden taute auf, und die Räder sanken immer tiefer in die weiche Erde. Die Ochsen mußten sich immer mehr plagen, das Fuhrwerk zu ziehen.
Tom hatte schon Angst, daß sie den Wagenzug, mit dem sie Sugar Creek verlassen hatten, bis zum Abend nicht mehr einholen würden. Doch am späten Nachmittag war er erleichtert und erstaunt, als er plötzlich Stimmen hörte und wußte, daß das Lager nicht mehr weit sein konnte. Mit leiser Stimme redete er den Ochsen gut zu: „Hüh”, sagte er. „Hüh weiter!” Und die Tiere zogen, als verständen sie jedes Wort. Sie legten sich so ins Zeug, daß die Räder wieder leichter rollten, und kurz darauf war Tom im Lager, umringt von bewundernden Freunden.
„Bist du wirklich den ganzen Weg von Sugar Creek hierher gefahren?” fragte einer.
„Du hast's gut!” rief ein anderer. „Wenn nur mein Vater mich auch fahren ließe!”
Plötzlich fing es an zu regnen. Zuerst war es nur ein leichtes Nieseln, das Tom nichts ausmachte, als er die Kuh molk und seinem Vater mit den Ochsen half, aber später, als sie das Zelt aufstellten, goß es in Strömen, und der eisige Regen schnitt in die Haut wie tausend Klingen, während der Wind ihnen die Zeltplane aus den Händen riß.
 „Wir müssen ohne Zelt auskommen”, entschied Toms Vater schließlich.
„Aber du und Mama - wo werdet ihr schlafen?” fragte Tom. „Mein Wagen ist so beladen, daß darin kein Platz ist.”
„Du kannst mit Betsy und Mama im anderen Wagen schlafen”, erwiderte der Vater. „Ich lege mich unter den Wagen.”
„Unter dem Wagen schlafe ich”, sagte Tom leise.
Der Vater antwortete nicht gleich, doch Tom spürte am Druck seiner Hand, daß er stolz auf ihn war.
Schließlich sagte der Vater: „Ich helfe dir Reisig suchen, damit du eine Unterlage hast und nicht im Morast liegst.”
Tom war froh, als sie endlich genug Reisig hatten, denn es war schwierig, die Äste im peitschenden Regen von den Bäumen zu schneiden. Auf das Reisig legten sie die Zeltplane, und zwar so, daß Tom die Enden noch über den Schlafsack schlagen konnte, damit er nicht naß wurde.
Als das Nachtlager fertig war, schlüpfte Tom hinein. Im ersten Moment war es furchterregend, so allein im Sturm zu sein. Noch nie hatte er so lauten Donner gehört, und die Blitze schlugen so nah ein, daß er in den getroffenen Baumkronen kleine Flammen züngeln sah. Er wußte zwar, daß der heftige Regen das Feuer gleich löschte, aber er fürchtete sich trotzdem. „Was ist, wenn der Blitz den Wagen traf, in dem die anderen schliefen”, dachte er. Am liebsten hätte er den Vater gerufen, doch schämte er sich zu sehr, seine Angst zu zeigen.
„Ich werde den himmlischen Vater bitten, daß er mir hilft”, sagte er sich. Und das tat er auch. Fast hoffte er, das Gewitter würde durch sein Beten sogleich aufhören, doch er wurde erhört, indem auf einmal seine Angst verflog.
Und dann begann ihm das Gewitter sogar zu gefallen. Es war wie ein riesiges Feuerwerk. Statt zu schlafen wollte er wach bleiben, damit er nichts versäumte. Da der Sturm aber die ganze Nacht andauerte, fielen ihm schließlich doch die Augen zu, und er schlug sie erst wieder auf, als er merkte, daß seine Füße im Wasser lagen. Der kleine Bach, neben dem sie lagerten, hatte sich über Nacht in einen reißenden Fluß verwandelt.
Aufgeregt rief er den Vater: „Der Bach geht über, und die Hinterräder stehen schon im Wasser!”
Toms Vater sprang aus dem Wagen, sah, was los war und half Tom den Schlafsack mit der Zeltplane bergen. Dann spannten sie alle vier Ochsen an und zogen den Wagen aus dem Wasser. Der Boden war so glitschig, daß die Tiere kaum Halt fanden.
„Wir müssen Baumstämme auf den Boden legen”, sagte der Vater. Sie fällten etliche Bäume, schnitten alle Aste ab und legten sie, einen neben den anderen, vor den Wagen. Dann banden sie sie mit Weidenruten aneinander fest, damit sie nicht wegrollten. Als das geschehen war, bedeckten sie die Stämme mit Piniennadeln und Präriegras, damit die Ochsen nicht mit den Hufen in die Spalten zwischen den Stämmen glitten.
Endlich konnten sie die verängstigten Tiere auf den nunmehr befestigten Weg treiben und den Wagen erneut anhängen. Beruhigend redete der Vater auf das Gespann ein: „Hüh, hüh weiter!”
Die Ochsen zogen, die schweren Wagenräder rollten aus dem Morast, über die Stämme und hinauf zum Weg, auf dem das Israelslager am Morgen weiterziehen wollte.
Tom rief „Hurra!”, und er sah am Blick seiner Mutter, daß sie auf ihre beiden Männer stolz war.
Mary Pratt Parrish, Juni1985

22:20 - 23.4.2008


Last Page Next Page
Description
Hier werde ich aus alten Kirchenzeitschriften Berichte der Pioniere posten.
Home
User Profile
Archives
Links
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Mormonwiki
FairWiki
FAIR
Jesus
Das Buch Mormon überzeugt
mehr zum Buch Mormon
Bekehrungsgeschichten
besondere Erlebnisse
HLTs in aller Welt
Abenteuer der Mormonen
Geschichte der Mormonen
Propheten
Joseph Smith
Offenbarungen
Der Geist des Elija
Genealogie
Tempel und Tempelarbeit
Missionsarbeit
Die Gebote
Gedenke des Sabbats
Gesetz der Keuschheit
der Zehnte
Wort der Weisheit
Fasten
Kontroversen
Recent Entries
- Die Pionierfrau
- Das darbende Lager
- Auszug aus dem Tagebuch der Jane Grove
- Ein Eimer voll Milch
- Green Flake, der schwarze Pionier
- Die Wolke
- Der Duft des Flieders
- Rosa Clara -- Pionier aus Australien
- Sarah Matilda Farr
- Helden und Heldinnen
- Ein guter Handel
- Untitled
- Mary Ann Angell Young, die Unbezwingbare
- Im Winter mit Handkarren durch die Rocky Mountains
- Alma Elisabeth kommt nach Amerika
- Blühen wie eine Lilie
- Michaels Familie
- Meerrettich zu Weihnachten
- Cathrines Glaube
- Häuptling Washakie
- Ein Halfpenny und eine Perle
- Der rote Mantel
- Christians Bekehrung
- Die Glaubensprüfung eines Mitglieds der Kirche
- Die Handkarren-Pionierin
- Die Abenteuer der Margaret Judd Clawson
- Barfuß über 900 Meilen Prärie