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Berichte der Pioniere

Rosa Clara -- Pionier aus Australien

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Die elfjährige Rosa Clara Friedlander stammte von einer der britischen Inseln im Ärmelkanal, und als sie im März 1849 im australischen Sydney an Land ging, hatte sie den halben Erdball umrundet. Noch ahnte sie aber nicht, daß sie nur sieben Jahre später den Pazifischen Ozean überqueren und im gerade besiedelten Utah wiederum eine neue Heimat finden sollte. In diesen sieben Jahren lernte sie das wiederhergestellte Evangelium kennen, half beim Aufbau der Gemeinde der Kirche in Sydney mit und machte sich mit den Aufgaben des Erwachsenseins vertraut.
Rosa Clara war 1837 auf der Insel Guernsey zwischen Frankreich und England zur Welt gekommen. Nach dem Tod ihres Vaters kam sie zunächst nach England und dann nach New South Wales in Australien. Im Jahre 1849, als Rosa Clara, ihre Mutter, Eliza Friedlander, und James, ihr jüngerer Bruder, nach Australien kamen, war Sydney eine große, blühende Stadt. Zwei Jahre später heiratete die Mutter George W. Watson.
Sechs Wochen nach der Hochzeit kamen die Missionare John Murdock und Charles W. Wandell an und eröffneten die australische Mission der Kirche. Bis Weihnachten hatten sie zwölf Menschen getauft, und am ersten Sonntag des Jahres 1852 gründete Elder Wandell den Zweig Sydney.
Eliza Watson, ihr Mann und ihre Kinder nahmen das Evangelium an und ließen sich binnen weniger Wochen nach Gründung des Zweiges taufen. George Watson wurde zum Priester ordiniert, und die ganze Familie war in dem neuen Zweig aktiv. Daheim hielten sie oft Hausversammlungen ab, bei denen Nichtmitglieder mit dem Evangelium bekanntgemacht wurden. Als die Missionare jemanden brauchten, der nach Melbourne ziehen und dort als Teilzeit-Missionar tätig sein konnte, meldete sich George Watson.
Die fünfzehnjährige Rosa Clara war niedergeschmettert. Sie hatte viel Freude daran, in der kleinen Gemeinde zu arbeiten. Mit Mary Clines, einem jungen Mädchen aus der Kirche, hatte sie enge Freundschaft geschlossen. Rosa Clara hatte ihre Mutter lieb, aber mit dem Stiefvater kam sie wohl nicht gut aus. Als die Familie nach Melbourne zog, blieb sie mit Erlaubnis ihrer Eltern und unter Aufsicht des jeweiligen Missionspräsidenten in Sydney zurück.
Rosa Clara wohnte bei Mary, die kurz zuvor geheiratet hatte, und deren Mann, Robert Evans, in Kissing Point am Fluß Parramatta. Jeden Sonntag ging sie zwanzig Kilometer bis in die Stadt zur Kirche. Die Versammlungen fanden in den Old Assembly Rooms (Alte Versammlungsräume) statt, gegenüber dem Gerichtshof in der King Street. Diese Räume im oberen Stockwerk einer Schule waren einige Jahre zuvor von den Presbyterianern als provisorische Kapelle genutzt worden. Jetzt hatten die Missionare sie für den Zweig Sydney gemietet.
Donnerstagabends ging Rosa Clara zur Gesangsübung, und sonntags sang sie im Chor. Sie verteilte Schriften der Kirche und tat auch sonst alles, was sie konnte, um die Missionsarbeit in Sydney zu fördern.

Rosa Clara verteilte Schriften der Kirche und tat auch sonst alles,
 was sie konnte, um die Missionsarbeit in Sydney zu fördern.

Am 21. Mai 1853 schloß die nun sechzehnjährige Rosa Clara Friedlander die Ehe mit Charles Joseph Gordon Logie, der sich kurz zuvor hatte taufen lassen. Die Hochzeit fand in der Schottenkirche statt. Der Pastor James Fullerton führte die Zeremonie durch, weil die Ältesten der Kirche Jesu Christi damals in Australien keine Eheschließungen durchführen durften. Allerdings fungierten der neue Missionspräsident, Augustus Farnharn, und Rosa Claras Freundin Mary Ann Gingell als Trauzeugen. Präsident Farnham schrieb in sein Tagebuch: „Ich nahm an der Hochzeit von Bruder Logie und Schwester Rose Friedlander bei Pastor Fullerton teil. Wir kehrten zu Bruder Gingell nach Hause zurück, und ich verheiratete die beiden noch einmal. Wir verbrachten den Abend sehr glücklich, ... in guter Stimmung, in Frieden und Harmonie.”
Rosa Clara und Charles Logie gründeten ihren Hausstand und setzten die Arbeit im Zweig fort. John Hyde, einer der neuen Missionare, erkrankte an Mundkrebs. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich, und er mußte zur Pflege in eine öffentliche Einrichtung gebracht werden. Rosa Clara Logie sorgte sich um den einsamen, kranken und schmerzgeplagten Missionar. Schließlich sorgten sie und Charles dafür, daß Elder Hyde aus dieser Einrichtung zu den Logies nach Hause kam. Dort pflegte die mutige Sechzehnjährige ihn bis zu seinem Tod.
Am 27. Juni 1854 brachte Rosa Clara ihr erstes Kind zur Welt, ein Mädchen, das nach Präsident Farnham Annie Augusta genannt wurde. Als die kleine Annie Augusta vierzehn Monate alt war, reiste die Familie in Gesellschaft anderer Heiliger per Schiff von Sydney nach Kalifornien ab. Vier Wochen später brach ein Unglück über sie herein.
Am Abend des 3. Oktober 1855 brachte Rosa Clara das Kind zu Bett; auf dem Oberdeck sangen einige Mitglieder Kirchenlieder. Plötzlich lief das Schiff auf ein Korallenriff. Kurze Zeit herrschte Verwirrung. Dann schaffte es einer von der Schiffsbesatzung, zum Riff zu schwimmen und dort ein Seil zu befestigen. Mit einer Schlinge wollte der Kapitän die Frauen und Kinder einzeln aufs Riff bringen.
Niemand wußte, was draußen in der pechschwarzen Nacht auf sie wartete. Die Frauen hatten Angst. Schließlich meldete sich Rosa Clara, die noch nicht einmal achtzehn Jahre alt war, als erste. Hastig half sie, Charles die kleine Annie  mit einem braunen Wollschal fest auf den Rücken zu binden, dann machte sie sich selbst bereit für den Transport zum Riff. Da, vor ihren entsetzten Augen, spülten die mächtigen Wellen ihren Mann und das Baby über Bord. Ein Seemann rettete die beiden unversehrt.
Dann nahm Rosa Clara ihren ganzen Mut zusammen, ließ ihre Familie auf dem Wrack zurück, klammerte sich am Kapitän fest und wurde Hand über Hand aufs Riff gezogen. Dort ließ der Kapitän sie stehen, barfuß auf den scharfen Korallen, bis zur Brust im Wasser; am Riff brachen sich die Wellen. Allein stand sie in der Dunkelheit, während der Kapitän die anderen Frauen holte. Nach und nach kamen die meisten anderen heil herüber, auch Charles und das Baby. Doch nicht alle hatten solches Glück. Zwei kleine Mädchen wurden von Deck gespült und verschwanden, zwei Frauen und ein Säugling ertranken in ihrer  Kabine.
Als der Tag anbrach, baute die Mannschaft aus den Wrackteilen ein Floß aus Holz und Nägeln. Es gelang, die Passagiere vom Riff auf eine kleine Insel zu bringen, wo sie die nächsten acht Wochen verbringen mussten.
Die Schiffbrüchigen lebten von einem Faß Schiffszwieback und einem Kasten Tee aus dem Schiff sowie Kokosnüssen, Fisch, Schildkrötenfleisch und Eiern. Aus Kokosschalen machten sie Trinkgefäße. Aus einem großen Seidenrock, der auch aus dem Wrack kam, machte Charles Logie ein Zelt für die kranke Rosa Clara. Die kleine Annie krabbelte und spielte fröhlich im Sand. Nachdem das Beiboot des Schiffes repariert war, ruderten einige von der Mannschaft über dreihundert Kilometer weit zu den zu Tahiti gehörenden Gesellschafts-Inseln und holten Hilfe.
Zwei Monate nach dem Unglück wurden Familie Logie und die anderen von der Insel abgeholt; schließlich gelangten sie nach San Francisco. Dort überreichte Elder George Q. Cannon Rosa Clara eine Teekanne aus Zinn in Anerkennung des Mutes, als erste auf das Riff zu gehen. Diese Teekanne ist auch heute noch ein Erbstück im Besitz der Familie, zusammen mit einem geschnitzten Trinkgefäß aus einer Kokosnußschale und einem handgemachten Nagel vom Schiff, der Julia Ann.
Charles und Rosa Clara Logie ließen sich in American Fork in Utah endgültig nieder. Dort zog Rosa Clara zwölf Kinder auf. Sie diente ihr Leben lang dem Herrn, aber das, was sie als junges Mädchen im ersten Zweig der Kirche in Sydney geleistet hat, ist nicht vergessen worden. „Es gibt einige große und blühende Kolonien (in Australien), und jede hat viele tausend britische Einwohner”, schrieb Charles Wandell 1852 an Franklin D. Richards, „und der kleine Zweig in Sydney ist der Kern des Reiches, das sich unter ihnen allen verbreiten muß“
Heute gibt es über siebzigtausend australische Mitglieder in achtzehn Pfählen und fünf Missionen, und das ist eine bleibende Erinnerung an den Pioniergeist von Missionaren wie Charles W. Wandell und tüchtigen Mitgliedern wie Rosa Clara Friedlander Logie. (siehe HLTs in aller Welt, Australien)
Marjorie B. Newton, Juli 1991
Marjorie Newton gehört zur Gemeinde Bankstown im Pfahl Sydney Australia Mortdale; sie hat eine umfassende Geschichte der Kirche in Australien verfaßt.

20:17 - 3.5.2008


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