BLOGas.lt Hol Dir jetzt kostenlos Dein eigenes Blog! N�chstes Tagebuch

Berichte der Pioniere

Die Pionierfrau

Posted in Unspecified
Sie wurden aus ihren Heimen vertrieben, hatten kaum Zeit, Lebewohl zu sagen, und mußten vieles zurücklassen, was ihnen lieb und wert war; dennoch taten die Pionierfrauen alles, damit sich die Familie in dem unbequemen Planwagen heimisch fühlte.
Sie hatten die meisten Annehmlichkeiten in New York, Ohio, Missouri oder Illinois zurückgelassen; und so mußten sie all ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten aufwenden, um das Leben erträglich zu gestalten. Sicherlich haben sie an die Frauen im alten Israel gedacht, die Mose nachgefolgt sind, und an die Frauen, die mit Lehi in die Wildnis gezogen sind. Daraus konnten sie Kraft und neue Hoffnung schöpfen, daß auch sie mit Gottes Hilfe das „gelobte Land” finden würden, eine Heimat, die sie ihr eigen nennen konnten.
„Obgleich der Lebensmittelvorrat sich fast ausschließlich auf die Milch von den Kühen, einen Vorrat an Mais- oder Weizenmehl und einige wenige Gewürze beschränkte”, wie jemand schrieb, lernten sie, daraus eine Mahlzeit zusammenzustellen, die schmackhaft und zugleich gesund war. Sie fanden heraus, daß sie Butter erhielten, wenn sie den übriggebliebenen Rahm in einem Gefäß seitlich an den dahinrumpelnden Planwagen hingen. Sie lernten auch, mit Hefe zu backen. Wenn das Lager aufgeschlagen und in einem eisernen Herd oder einer in den Abhang gegrabenen Feuerstelle das Feuer entzündet wurde, war der gut durchgeknetete Brotteig schon zu Laiben geformt und backbereit. Oft fanden sie auch eine fertige Feuerstelle, die von den vorausfahrenden Wagenkolonnen zurückgelassen worden war.
Mary M. Voght Garn durchquerte die Ebenen mit ihren sieben Kindern. Sie stellte reguläre Hefe her und dickte sie mit Maismehl zu einem festen Teig ein. Aus dem Teig formte sie kleine Würfel, die sie in einer kühlen Ecke des Planwagens aufbewahrte; denn sie wußte, daß die Sonne die so sorgsam gehüteten Hefepilze abtötete. Brauchte sie neue Hefe, dann stellte sie diese aus dem letzten Würfel her. Bevor das Lager morgens aufbrach, knetete Mary den Brotteig und stellte ihn in den Planwagen, damit er aufging. Unterwegs begann dann die Hefe, zu wirken, und am Abend konnte die Familie frisch gebackenes Brot essen.
Doch nicht immer gab es genug zu essen. Hosea Stout schrieb am 20. Juni 1846, knapp zwei Monate nach dem Auszug aus Nauvoo, in sein Tagebuch, daß sie „nagenden Hunger” zu spüren begannen. Er schrieb: „... meine Frau ging, um das Essen zu bereiten; man konnte es wohl das letzte nennen. Es bestand aus ein paar Saatbohnen und einem kleinen Stück Speck, aus denen sie eine Suppe kochte. Wir hatten genug Mehl, um die Suppe damit zu verlängern; und so schien es, als hätten wir dieses, das letzte Mal, einen reicher gedeckten Tisch als sonst. Ein Fremder konnte meinen, wir hätten noch reichlich zu essen.”
An diesem Abend hatte die Familie Stout zwei Männer zu Gast beim Mahl, die nicht im mindesten ahnten, daß die letzten Lebensmittelvorräte verbraucht waren. Später lebte die Familie nur von gekochtem Mais.
Als die Planwagen das Büffelland erreichten, waren die Familien eifrig damit beschäftigt, das frische Fleisch der erlegten Büffel in Streifen zu schneiden und an der Luft zu trocknen. Die langen Fleischstreifen wurden in kochende Salzlösung getaucht, auf eine starke Leine aufgezogen und über Nacht über ein qualmendes Feuer gehängt. Am nächsten Morgen wurden die aufgereihten Fleischstreifen in die Planwagenöffnungen gehängt, damit sie in der Sonne trockneten.
Als die Tage und Wochen vergingen, schlossen sich die Frauen in den Wagenkolonnen irnmer enger aneinander an. Es war eine Kameradschaft, die aus den gemeinsamen Schwierigkeiten und Nöten geboren wurde. Sie pflegten einander, wenn die Cholera oder das Bergfieber sie befiel oder wenn sie Kinder gebaren. Eliza R. Snow berichtet, daß in der ersten Nacht nach dem Auszug aus Nauvoo neun Kinder geboren wurden.
Im Verlauf der Wanderung brachten die Frauen unter allen erdenklichen Umständen Kinder zur Welt. Schwester Snow schreibt darüber: ,,... einige in Zelten, andere in Planwagen, in Regen- und in Schneestürmen. Ich hörte von einer Geburt unter dem Schutz einer primitiven Zelthütte, deren Wände aus Decken bestanden, die an in die Erde gesteckten Pflöcken befestigt waren, mit einem Dach aus Borke, durch das der Regen tropfte. Freundliche Schwestern standen da und hielten Schüsseln bereit, um das herabtropfende Wasser aufzufangen. So bewahrten sie den neuen Erdenbürger und seine Mutter vor einem kalten Bad."
In vielen Fällen schlossen sich die Frauen ebenso wie die Männer zusammen, um die Ziele zu erreichen, die sie sich gesteckt hatten. In einer Vereinigung wurden Entschließungen wie die folgende gefaßt, die Louisa Barnes Pratt in ihrem Tagebuch vermerkt hat: „Beschluß: Wenn die Brüder uns zum Gebet rufen, dann wollen wir eine Unterhaltung anfangen und vergessen, wozu sie uns gerufen haben. Die Schwestern sollen sich an einen geeigneten Ort zurückziehen, im stillen beten und dann wieder an ihre Arbeit gehen.” Dann fügt Louisa Pratt hinzu: „Wenn die Männer die Frauen beherrschen wollen, sollen sie auf der Hut sein. Wir glauben an ein gleiches Recht für alle.”
Wenn die Kinder zu Bett gebracht waren, setzten sich die Frauen oft in kleinen Gruppen zusammen und genossen die Kühle und Stille des Abends. Louisa Pratt schreibt: „Der Platte River ist wunderschön.” Die Frauen gingen im Mondschein am Flußufer spazieren oder nahmen ein erfrischendes Bad im Fluß. „Unser Herz war von Staunen und Bewunderung für die Schönheit und Erhabenheit der Landschaft erfüllt; allein in einer großen Wildnis.”
Obgleich die Tage oftmals eintönig verliefen, gab es doch bisweilen mehr Aufregung, als den Pionierfrauen lieb war. Das mußte Rachel Lee kurz vor dem Ziel der Wanderung erfahren. Als sie neben dem Wagen herging und den Wind genoß, der ihr ein wenig Kühlung zufächelte, wehte ein unerwarteter Windstoß ihren Rock in das Wagenrad. Juanita Brooks schreibt darüber: Bevor es Rachel bewußt geworden sei, habe sich der Rock „ganz fest um die Radnabe gewickelt. Sie schrie um Hilfe, während sie versuchte, den Rock aus dem Rad zu zerren; doch er hatte sich in Sekundenschnelle so fest verwickelt, daß sie nur noch zwei Speichen ergreifen und die Füße zwischen zwei andere Speichen stellen konnte und sich einmal mit dem Rad herumdrehte”.
Schließlich brachte man den Wagen zum Stehen; Rachel fand sich beinah quer in der Luft hängen, aber noch immer fest an das Rad gefesselt. Alle standen um sie herum und überlegten, wie man sie befreien solle. Sie loszuschneiden wurde nicht in Betracht gezogen; denn sie hätte dann ein Kleidungsstück weniger besessen, das sie bitter nötig hatte.
Man beschloß, den Rock aufzuhaken und den Unterrock loszuknöpfen und sie dann vorsichtig herauszuziehen. Man band ihr auch die Schuhe auf. Eine Frau hielt schützend eine Decke vor sie, und dann streifte man ihr Rock, Unterrock und Schuhe ab, „so glatt wie bei einem Hühnerbein”. Später wickelte man die Kleidungsstücke ohne Schwierigkeit von dem Rad ab; und im Innern ihres Planwagens schüttelte Rachel sie aus, glättete sie und zog sie wieder an. Danach ging sie wieder neben dem Wagen her, doch hielt sie sich wohlweislich von den Rädern fern.
Da sie am Tag weitverstreut den Weg entlangzogen, freuten sich die Familien ganz besonders auf die gemeinsamen Abende. Dann hatten auch alle Außenarbeiter — Pfadfinder, Fährleute, Brücken- und Straßenbauer, Herdenwachen oder mit dem Heuen Beschäftigte — ihre Arbeit beendet und konnten in das Lager kommen und sich ausruhen. Wenn der Rauch der Lagerfeuer gegen den geröteten Abendhimmel stieg, kündigten die Herdenglocken die Rückkehr der müden Arbeiter an. Viele Frauen gingen ihnen schon ein Stück entgegen. Später saßen sie dann mit den Kindern auf dem Schoß oder neben sich und sprachen über die Ereignisse des Tages.
Thomas L. Kane schreibt: „Jeder Tag aber endete so, wie er begann: mit einem Gebet um göttlichen Beistand; denn ohne das schien sich kein Mormone zur Ruhe begeben zu wollen. Mit dem ersten Sternenschimmer verstummte alles Lachen und jedes laute Gespräch; der Nachbar ging seiner Wege; ein letztes Lied wurde gesungen; und dann hörte man tausendstimmig die gedämpften Worte eines Gebets. Es klang wie das Murmeln eines Baches, der den Hügel hinabfließt.”
Als sie an ihrem Bestimmungsort anlangten, stellten die Frauen fest, daß es noch immer Schwierigkeiten zu überwinden galt, die sich wie Berge vor ihnen auftürmten. Sie mußten in der Wildnis des Großen Beckens ein Zuhause aufbauen. M. Isabella Horne, die am 6. Oktober 1847 im Salzseetal ankam, schreibt über die Schwierigkeiten, denen sie und die anderen Frauen sich gegenübersahen:
„Mein Mann baute noch im gleichen Herbst ein Blockhaus mit zwei kleinen Kammern für uns und unsere vier Kinder sowie für Bruder und Schwester Holmes, die mit uns gezogen waren. Als wir das Haus bezogen, gab es weder Türen noch Fenster, auch der Fußboden fehlte.”
Sie erzählt dann weiter, wie sie sich Möbel zimmerten; denn sie hatten nur einen Stuhl mitgebracht. Sie bohrten Löcher in die Wände und steckten waagerechte Stangen hinein, diese wurden am anderen Ende von Pfählen gehalten, die sie in den Boden gerammt hatten. Zwischen die waagerechten Stangen spannten sie dann Stricke oder ungegerbte Lederstreifen, so erhielten sie ein Bett. Als Schrank diente eine große Packkiste. Sie wurde auf zwei kurze Stangen gestellt, die ebenfalls aus der Hauswand herausragten. Die Vorderseite wurde mit Kattunvorhängen verhängt, damit kein Schmutz hineinkam. Baumstümpfe dienten als Sitzplatz und Kisten als Tisch, bis man Nutzholz fand, aus dem man Tische und Stühle bauen konnte.
Im März 1848 durchtränkte ein zehn Tage anhaltendes schweres Unwetter das grasbedeckte Dach, und es regnete durch. Bruder Horne spannte Wagenplanen von der Decke zum Fußende des Bettes, so daß das Wasser ablief und sie trocken schlafen konnten. Der Tisch wurde mit Wachstuch abgedeckt; und beim Kochen und bei der Hausarbeit trugen sie Schirm und Umhang. Als es zu regnen aufhörte, tropfte im Innern der Hütte noch eine ganze Weile das Wasser von der Decke.
Dann kamen Schlangen und Mäuse. Die Schlangen waren bald verjagt oder getötet; doch die Mäuse waren eine schlimmere Plage. Man fand sie in Kisten und Kästen, im Bett und selbst in Mantelärmeln. Man erfand eine Mausefalle. Sie bestand aus einem zurechtgeschnitzten runden Holzstab, der über einen Eimer mit Wasser gelegt wurde. Der Stab war in der Mitte abgeflacht, und die Kanten bestrich man mit Fett. Wenn nun eine Maus über den Stab lief, um an das Fett zu gelangen, kippte der Stab um, und die Maus fiel ins Wasser. Nachdem Schwester Haight die Jungen ihrer Katze an die Nachbarn verteilte, wurden die Mäuse stark dezimiert.
Da das Vieh sehr abgearbeitet und abgemagert war, war das Fleisch sehr schlecht. Es war so zäh, daß man es einen ganzen Tag kochen mußte. Außer einigen Zwiebeln der Mormonentulpe und Pastinakwurzeln, welche die Kinder ausgruben, gab es kein Gemüse. Isabella Horne berichtet, daß die frischgekochten Zwiebeln der Mormonentulpe ganz gut schmeckten; doch sobald sie abkühlten, wurden sie hart und zäh.
Schwester Leonora Taylor besaß das einzige Sieb im ganzen Tal. Sie hatte ein Stück Siebtuch mitgebracht und ließ sich von einem Bruder einen Rahmen anfertigen, an dem sie das Tuch befestigte. Wenn eine Schwester Kekse aus Weizenmehl backen wollte, so lieh sie sich das Sieb aus.
Die Frauen halfen sich auch anderweitig. Isabella Horne hörte von einer Nachbarin, die Mennige und Lampenruß mit entrahmter Milch vermischt und damit die Wände ihres Blockhauses gestrichen hatte. Sie borgte sich die übriggebliebene „Farbe”, nahm einen Lappen und strich die Türen und Türrahmen ihrer Hütte an.
Die Pionierfrauen gaben ihren Geschlechtsgenossinnen der heutigen Zeit ein Beispiel; sie waren erfinderisch und stellten sich die benötigten Haushaltsgeräte und -gegenstände selbst her. Aus Baumwollgarn fertigten sie Fischnetze. Mit Mehl bestäubte und eingefettete Lappen wurden zu primitiven Kerzen gedreht, mit denen sie die Hütten erhellten. Aus Asche stellten sie Seife her. Maissirup wurde mit Kürbis eingedickt.
Das erste Jahr war eine geschäftige Zeit, und es gab nur wenig Zerstreuung. Doch die Pioniere fühlten sich frei und glücklich, denn sie brauchten sich nicht mehr vor dem Pöbel zu fürchten. Sie legten Gärten an, die blühten und gediehen; und sie pflanzten Blumen, die die einfache Umgebung verschönten. Die ersten Obstbäume gediehen. Und im zweiten Jahr hatten sie schon Zeit für gesellige Zusammenkünfte, Tanzfeste und andere Art von Unterhaltung.
Der Weg von Nauvoo war hart und beschwerlich gewesen, doch der Lohn wog bei weitem die Mühen auf. Sie hatten sich ein Zuhause geschaffen, die ersten Früchte im eigenen Garten geerntet und sie als Wintervorrat aufbewahrt. Sie hatten Zeit, liebe Freunde zu besuchen. Die Pionierfrauen hatten wieder einen Haushalt, für den sie sorgten; und sie gingen wieder daran, den Ihren das Leben schön und angenehm zu gestalten. Sie hatten auf der Wanderung gelernt zu dienen; ihr Glaube war gewachsen und auch ihre Liebe; und sie hatten mehr Kraft und Stärke erlangt. Diese Eigenschaften sollten ihnen auch weiterhin helfen, das Reich Gottes auf Erden aufzubauen.
Kenneth W. Godrey,  September 1969

02:33 - 30.5.2008


Last Page Next Page
Description
Hier werde ich aus alten Kirchenzeitschriften Berichte der Pioniere posten.
Home
User Profile
Archives
Links
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
Mormonwiki
FairWiki
FAIR
Jesus
Das Buch Mormon überzeugt
mehr zum Buch Mormon
Bekehrungsgeschichten
besondere Erlebnisse
HLTs in aller Welt
Abenteuer der Mormonen
Geschichte der Mormonen
Propheten
Joseph Smith
Offenbarungen
Der Geist des Elija
Genealogie
Tempel und Tempelarbeit
Missionsarbeit
Die Gebote
Gedenke des Sabbats
Gesetz der Keuschheit
der Zehnte
Wort der Weisheit
Fasten
Kontroversen
Recent Entries
- Die Pionierfrau
- Das darbende Lager
- Auszug aus dem Tagebuch der Jane Grove
- Ein Eimer voll Milch
- Green Flake, der schwarze Pionier
- Die Wolke
- Der Duft des Flieders
- Rosa Clara -- Pionier aus Australien
- Sarah Matilda Farr
- Helden und Heldinnen
- Ein guter Handel
- Untitled
- Mary Ann Angell Young, die Unbezwingbare
- Im Winter mit Handkarren durch die Rocky Mountains
- Alma Elisabeth kommt nach Amerika
- Blühen wie eine Lilie
- Michaels Familie
- Meerrettich zu Weihnachten
- Cathrines Glaube
- Häuptling Washakie
- Ein Halfpenny und eine Perle
- Der rote Mantel
- Christians Bekehrung
- Die Glaubensprüfung eines Mitglieds der Kirche
- Die Handkarren-Pionierin
- Die Abenteuer der Margaret Judd Clawson
- Barfuß über 900 Meilen Prärie