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<title>Berichte der Pioniere</title>
<description>Hier werde ich aus alten Kirchenzeitschriften Berichte der Pioniere posten.</description>
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<title>Die Pionierfrau</title>
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Sie
wurden aus ihren Heimen vertrieben, hatten kaum Zeit, Lebewohl zu sagen, und
mußten vieles zurücklassen, was ihnen lieb und wert war; dennoch
taten die Pionierfrauen alles, damit sich die Familie in dem unbequemen
Planwagen heimisch fühlte.Sie hatten die meisten
Annehmlichkeiten in New York, Ohio, Missouri oder Illinois
zurückgelassen; und so mußten sie all ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten
aufwenden, um das Leben erträglich zu gestalten. Sicherlich haben sie an
die Frauen im alten Israel gedacht, die Mose nachgefolgt sind, und an die
Frauen, die mit Lehi in die Wildnis gezogen sind. Daraus konnten sie Kraft und
neue Hoffnung schöpfen, daß auch sie mit Gottes Hilfe das „gelobte Land”
finden würden, eine Heimat, die sie ihr eigen nennen konnten.„Obgleich
der Lebensmittelvorrat sich fast ausschließlich auf die Milch von den Kühen,
einen Vorrat an Mais- oder Weizenmehl und einige wenige Gewürze beschränkte”,
wie jemand schrieb, lernten sie, daraus eine Mahlzeit zusammenzustellen,
die schmackhaft und zugleich gesund war. Sie fanden heraus, daß sie
Butter erhielten, wenn sie den übriggebliebenen Rahm in einem
Gefäß seitlich an den dahinrumpelnden Planwagen hingen. Sie lernten
auch, mit Hefe zu backen. Wenn das Lager aufgeschlagen
und in einem eisernen Herd oder einer in den Abhang gegrabenen
Feuerstelle das Feuer entzündet wurde, war der gut durchgeknetete Brotteig
schon zu Laiben geformt und backbereit. Oft fanden sie auch eine fertige
Feuerstelle, die von den vorausfahrenden Wagenkolonnen zurückgelassen worden
war.Mary M. Voght Garn durchquerte die Ebenen mit ihren
sieben Kindern. Sie stellte reguläre Hefe her und dickte sie mit Maismehl zu
einem festen Teig ein. Aus dem Teig formte sie kleine Würfel, die sie in einer
kühlen Ecke des Planwagens aufbewahrte; denn sie wußte, daß die Sonne die
so sorgsam gehüteten Hefepilze abtötete. Brauchte sie neue
Hefe, dann stellte sie diese aus dem letzten Würfel her. Bevor das Lager
morgens aufbrach, knetete Mary den Brotteig und stellte ihn in den Planwagen,
damit er aufging. Unterwegs begann dann die Hefe, zu
wirken, und am Abend konnte die Familie frisch gebackenes Brot
essen.Doch nicht immer gab es genug zu essen. Hosea
Stout schrieb am 20. Juni 1846, knapp zwei Monate nach dem
Auszug aus Nauvoo, in sein Tagebuch, daß sie „nagenden Hunger” zu spüren
begannen. Er schrieb: „... meine Frau ging, um das Essen zu bereiten; man
konnte es wohl das letzte nennen. Es bestand aus ein paar Saatbohnen und einem
kleinen Stück Speck, aus denen sie eine Suppe kochte. Wir hatten genug Mehl, um
die Suppe damit zu verlängern; und so schien es, als hätten wir dieses, das
letzte Mal, einen reicher gedeckten Tisch als sonst. Ein Fremder konnte meinen,
wir hätten noch reichlich zu essen.”An diesem Abend hatte die Familie
Stout zwei Männer zu Gast beim Mahl, die nicht im mindesten ahnten,
daß die letzten Lebensmittelvorräte verbraucht waren.
Später lebte die Familie nur von gekochtem Mais.Als die
Planwagen das Büffelland erreichten, waren die Familien eifrig damit
beschäftigt, das frische Fleisch der erlegten Büffel in Streifen zu schneiden
und an der Luft zu trocknen. Die langen Fleischstreifen wurden in
kochende Salzlösung getaucht, auf eine starke Leine aufgezogen und
über Nacht über ein qualmendes Feuer gehängt. Am nächsten Morgen wurden die
aufgereihten Fleischstreifen in die Planwagenöffnungen gehängt, damit sie in
der Sonne trockneten.Als die Tage und Wochen vergingen, schlossen
sich die Frauen in den Wagenkolonnen irnmer enger aneinander an. Es war eine
Kameradschaft, die aus den gemeinsamen Schwierigkeiten und Nöten geboren wurde.
Sie pflegten einander, wenn die Cholera oder das Bergfieber sie befiel oder
wenn sie Kinder gebaren. Eliza R. Snow berichtet, daß in der ersten Nacht nach
dem Auszug aus Nauvoo neun Kinder geboren wurden.Im Verlauf der
Wanderung brachten die Frauen unter allen erdenklichen Umständen Kinder zur
Welt. Schwester Snow schreibt darüber: ,,... einige in Zelten, andere in
Planwagen, in Regen- und in Schneestürmen. Ich hörte von einer Geburt unter dem
Schutz einer primitiven Zelthütte, deren Wände aus Decken bestanden, die an in
die Erde gesteckten Pflöcken befestigt waren, mit einem Dach aus
Borke, durch das der Regen tropfte. Freundliche Schwestern standen da und
hielten Schüsseln bereit, um das herabtropfende Wasser aufzufangen.
So bewahrten sie den neuen Erdenbürger und seine Mutter vor einem kalten
Bad.&quot;In vielen Fällen schlossen sich die Frauen ebenso wie die
Männer zusammen, um die Ziele zu erreichen, die sie sich gesteckt hatten. In
einer Vereinigung wurden Entschließungen wie die folgende gefaßt, die Louisa
Barnes Pratt in ihrem Tagebuch vermerkt hat: „Beschluß: Wenn die Brüder uns zum
Gebet rufen, dann wollen wir eine Unterhaltung anfangen und vergessen, wozu sie
uns gerufen haben. Die Schwestern sollen sich an einen geeigneten Ort
zurückziehen, im stillen beten und dann wieder an ihre Arbeit gehen.” Dann fügt
Louisa Pratt hinzu: „Wenn die Männer die Frauen beherrschen wollen, sollen sie
auf der Hut sein. Wir glauben an ein gleiches Recht für alle.”Wenn
die Kinder zu Bett gebracht waren, setzten sich die Frauen oft in kleinen
Gruppen zusammen und genossen die Kühle und Stille des Abends. Louisa Pratt
schreibt: „Der Platte River ist wunderschön.” Die Frauen gingen im Mondschein
am Flußufer spazieren oder nahmen ein erfrischendes Bad im Fluß. „Unser Herz
war von Staunen und Bewunderung für die Schönheit und Erhabenheit der
Landschaft erfüllt; allein in einer großen Wildnis.”Obgleich die
Tage oftmals eintönig verliefen, gab es doch bisweilen mehr Aufregung, als den
Pionierfrauen lieb war. Das mußte Rachel Lee kurz vor dem Ziel der Wanderung
erfahren. Als sie neben dem Wagen herging und den Wind genoß, der ihr ein wenig
Kühlung zufächelte, wehte ein unerwarteter Windstoß ihren Rock in das Wagenrad.
Juanita Brooks schreibt darüber: Bevor es Rachel bewußt geworden sei, habe sich
der Rock „ganz fest um die Radnabe gewickelt. Sie schrie um Hilfe, während sie
versuchte, den Rock aus dem Rad zu zerren; doch er hatte sich in
Sekundenschnelle so fest verwickelt, daß sie nur noch zwei Speichen ergreifen
und die Füße zwischen zwei andere Speichen stellen konnte und sich einmal mit
dem Rad herumdrehte”.Schließlich brachte man den Wagen zum Stehen;
Rachel fand sich beinah quer in der Luft hängen, aber noch immer fest an das
Rad gefesselt. Alle standen um sie herum und überlegten, wie man sie befreien
solle. Sie loszuschneiden wurde nicht in Betracht gezogen; denn sie hätte dann
ein Kleidungsstück weniger besessen, das sie bitter nötig hatte.Man
beschloß, den Rock aufzuhaken und den Unterrock loszuknöpfen und sie dann
vorsichtig herauszuziehen. Man band ihr auch die Schuhe auf. Eine Frau hielt
schützend eine Decke vor sie, und dann streifte man ihr Rock, Unterrock und
Schuhe ab, „so glatt wie bei einem Hühnerbein”. Später wickelte man die
Kleidungsstücke ohne Schwierigkeit von dem Rad ab; und im Innern ihres
Planwagens schüttelte Rachel sie aus, glättete sie und zog sie wieder an.
Danach ging sie wieder neben dem Wagen her, doch hielt sie sich wohlweislich
von den Rädern fern.Da sie am Tag weitverstreut den Weg
entlangzogen, freuten sich die Familien ganz besonders auf die gemeinsamen
Abende. Dann hatten auch alle Außenarbeiter — Pfadfinder, Fährleute, Brücken-
und Straßenbauer, Herdenwachen oder mit dem Heuen Beschäftigte — ihre Arbeit
beendet und konnten in das Lager kommen und sich ausruhen. Wenn der Rauch der
Lagerfeuer gegen den geröteten Abendhimmel stieg, kündigten die Herdenglocken
die Rückkehr der müden Arbeiter an. Viele Frauen gingen ihnen schon ein Stück
entgegen. Später saßen sie dann mit den Kindern auf dem Schoß oder neben sich
und sprachen über die Ereignisse des Tages.Thomas L. Kane schreibt:
„Jeder Tag aber endete so, wie er begann: mit einem Gebet um göttlichen
Beistand; denn ohne das schien sich kein Mormone zur Ruhe begeben zu wollen.
Mit dem ersten Sternenschimmer verstummte alles Lachen und jedes laute
Gespräch; der Nachbar ging seiner Wege; ein letztes Lied wurde gesungen; und
dann hörte man tausendstimmig die gedämpften Worte eines Gebets. Es klang wie
das Murmeln eines Baches, der den Hügel hinabfließt.”Als sie an
ihrem Bestimmungsort anlangten, stellten die Frauen fest, daß es noch immer
Schwierigkeiten zu überwinden galt, die sich wie Berge vor ihnen auftürmten.
Sie mußten in der Wildnis des Großen Beckens ein Zuhause aufbauen. M. Isabella
Horne, die am 6. Oktober 1847 im Salzseetal ankam, schreibt über die
Schwierigkeiten, denen sie und die anderen Frauen sich gegenübersahen:„Mein Mann baute noch im gleichen Herbst ein Blockhaus mit zwei kleinen
Kammern für uns und unsere vier Kinder sowie für Bruder und Schwester Holmes,
die mit uns gezogen waren. Als wir das Haus bezogen, gab es weder Türen noch
Fenster, auch der Fußboden fehlte.”Sie erzählt dann weiter, wie sie
sich Möbel zimmerten; denn sie hatten nur einen Stuhl mitgebracht. Sie bohrten
Löcher in die Wände und steckten waagerechte Stangen hinein, diese wurden am
anderen Ende von Pfählen gehalten, die sie in den Boden gerammt hatten.
Zwischen die waagerechten Stangen spannten sie dann Stricke oder ungegerbte
Lederstreifen, so erhielten sie ein Bett. Als Schrank diente eine große
Packkiste. Sie wurde auf zwei kurze Stangen gestellt, die ebenfalls aus der
Hauswand herausragten. Die Vorderseite wurde mit Kattunvorhängen verhängt,
damit kein Schmutz hineinkam. Baumstümpfe dienten als Sitzplatz und Kisten als
Tisch, bis man Nutzholz fand, aus dem man Tische und Stühle bauen konnte.Im März 1848 durchtränkte ein zehn Tage anhaltendes schweres Unwetter das
grasbedeckte Dach, und es regnete durch. Bruder Horne spannte Wagenplanen von
der Decke zum Fußende des Bettes, so daß das Wasser ablief und sie trocken
schlafen konnten. Der Tisch wurde mit Wachstuch abgedeckt; und beim Kochen und
bei der Hausarbeit trugen sie Schirm und Umhang. Als es zu regnen aufhörte,
tropfte im Innern der Hütte noch eine ganze Weile das Wasser von der
Decke.Dann kamen Schlangen und Mäuse. Die Schlangen waren bald
verjagt oder getötet; doch die Mäuse waren eine schlimmere Plage. Man fand sie
in Kisten und Kästen, im Bett und selbst in Mantelärmeln. Man erfand eine
Mausefalle. Sie bestand aus einem zurechtgeschnitzten runden Holzstab, der über
einen Eimer mit Wasser gelegt wurde. Der Stab war in der Mitte abgeflacht, und
die Kanten bestrich man mit Fett. Wenn nun eine Maus über den Stab
lief, um an das Fett zu gelangen, kippte der Stab um, und
die Maus fiel ins Wasser. Nachdem Schwester Haight die Jungen ihrer Katze an
die Nachbarn verteilte, wurden die Mäuse stark dezimiert.Da das
Vieh sehr abgearbeitet und abgemagert war, war das Fleisch sehr schlecht. Es
war so zäh, daß man es einen ganzen Tag kochen mußte. Außer einigen Zwiebeln
der Mormonentulpe und Pastinakwurzeln, welche die Kinder ausgruben, gab es kein
Gemüse. Isabella Horne berichtet, daß die frischgekochten Zwiebeln der Mormonentulpe
ganz gut schmeckten; doch sobald sie abkühlten, wurden sie hart und zäh.Schwester Leonora Taylor besaß das einzige Sieb im ganzen Tal. Sie hatte
ein Stück Siebtuch mitgebracht und ließ sich von einem Bruder einen Rahmen
anfertigen, an dem sie das Tuch befestigte. Wenn eine Schwester Kekse aus
Weizenmehl backen wollte, so lieh sie sich das Sieb aus.Die Frauen
halfen sich auch anderweitig. Isabella Horne hörte von einer Nachbarin, die
Mennige und Lampenruß mit entrahmter Milch vermischt und damit die Wände ihres
Blockhauses gestrichen hatte. Sie borgte sich die übriggebliebene „Farbe”, nahm
einen Lappen und strich die Türen und Türrahmen ihrer Hütte an.Die
Pionierfrauen gaben ihren Geschlechtsgenossinnen der heutigen Zeit ein
Beispiel; sie waren erfinderisch und stellten sich die benötigten
Haushaltsgeräte und -gegenstände selbst her. Aus Baumwollgarn fertigten sie
Fischnetze. Mit Mehl bestäubte und eingefettete Lappen wurden zu primitiven
Kerzen gedreht, mit denen sie die Hütten erhellten. Aus Asche stellten sie
Seife her. Maissirup wurde mit Kürbis eingedickt.Das erste Jahr war
eine geschäftige Zeit, und es gab nur wenig Zerstreuung. Doch die
Pioniere fühlten sich frei und glücklich, denn sie
brauchten sich nicht mehr vor dem Pöbel zu fürchten. Sie legten Gärten
an, die blühten und gediehen; und sie pflanzten Blumen, die die einfache
Umgebung verschönten. Die ersten Obstbäume gediehen. Und im zweiten Jahr hatten
sie schon Zeit für gesellige Zusammenkünfte, Tanzfeste und andere Art von
Unterhaltung.Der Weg von Nauvoo war hart und beschwerlich gewesen,
doch der Lohn wog bei weitem die Mühen auf. Sie hatten sich ein Zuhause geschaffen,
die ersten Früchte im eigenen Garten geerntet und sie als Wintervorrat
aufbewahrt. Sie hatten Zeit, liebe Freunde zu besuchen. Die Pionierfrauen
hatten wieder einen Haushalt, für den sie sorgten; und sie gingen wieder
daran, den Ihren das Leben schön und angenehm zu gestalten. Sie
hatten auf der Wanderung gelernt zu dienen; ihr Glaube war gewachsen und
auch ihre Liebe; und sie hatten mehr Kraft und Stärke
erlangt. Diese Eigenschaften sollten ihnen auch weiterhin helfen, das Reich
Gottes auf Erden aufzubauen.Kenneth W. Godrey,&amp;nbsp; September 1969


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<link>http://www.diarius.de/Mormonen/11464/</link>
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<item>
<title>Das darbende Lager</title>
<description>

Jeden
Donnerstag versammelten sich die Leute von Winter-Quarters in dem kleinen
Blockhaus, das als Postamt benutzt wurde. Ihr unabhängiger Postdienst war von
Brigham Young eingerichtet worden, um den in Nauvoo, Garden Grove, Mt. Pisgah,
Council Bluffs und Winter-Quarters lebenden Heiligen zu dienen. Einmal in der
Woche brachte ein Mann diese Post auf einer eigenen Route nach Winter-Quarters.Es war wieder einmal Donnerstag, und Tommy, Betsy, ihre Mutter, Eliza und
Elija warteten zusammen mit den andern auf die Post. Als Bruder Clayton die
Namen derjenigen vorlas, die einen Brief bekommen hatten, hörte Tommy seinen
Namen. Er wollte seinen Ohren nicht trauen. Es war das erste Mal in seinem
Leben, daß er Post erhielt. Mit zitternden Händen riß er den Umschlag auf. Er
war so aufgeregt, daß per den Brief kaum lesen konnte. Er kam von seinem Freund
Joseph, der sich noch immer in Nauvoo befand.Lieber
Tommy!Endlich können wir aufbrechen. Wir konnten unser Haus und
unser Land endlich für so viel Geld verkaufen, daß wir dafür einen Wagen und
einige Vorräte bekamen. Wir wollen morgen den Mississippi überqueren.Seitdem Ihr weg seid, ist es in Nauvoo nicht mehr schön. Einige Brüder
überschritten die Stadtgrenzen, um ihr Getreide zu ernten. Sie wurden vom Pöbel
gefangen und mit Stachelstöcken aus Walnußholz geschlagen. Niemand ist mehr
sicher!Die meisten haben bis jetzt den Fluß überquert; aber sie
lagern noch immer in der Niederung, weil sie nicht nach Winter-Quarters
weiterziehen können. Viele davon sind ältere oder kranke Menschen. Einige von
ihnen haben keinen Proviant. Mutter hat gesagt, sie hoffe, daß Hilfe für sie
kommen werde.Ich freue mich sehr, Dich in ein paar Wochen
wiederzusehen. Wir haben vor, uns sofort nach Winter-Quarters aufzumachen,
nachdem wir den Fluß überquert haben. Mutter sagt, daß wir vielleicht dort zur
Schule gehen können. Ich wäre froh, wenn wir das könnten.Dein
Freund JosephAls Elija und Tommy an jenem Abend die
üblichen Arbeiten verrichtet hatten, setzten sie sich hin, um mit Tommys Mutter
zu sprechen. „Ich habe an die Leute gedacht, die von Nauvoo über den Fluß
getrieben wurden. Ich würde gern etwas tun, um ihnen zu helfen”, sagte Tommy.„Brigham Young wird sicher einen Weg finden, um ihnen zu helfen”,
antwortete seine Mutter. „Doch jetzt ist es Zeit für euch, ins Bett zu gehen.”Als am nächsten Tag Tommy und Elija das Vieh hüteten, sahen sie Betsy und
Eliza auf sich zugelaufen kommen. „Ist etwas passiert?” rief Tommy.„Nein&quot;',
antwortete Eliza. „Wir haben eine Nachricht für euch von Brigham Young. Er
wünscht euch beide gleich in seiner Hütte zu sehen.”„Warum will er
uns sprechen?” fragte Elija.„Ich weiß es nicht”, antwortete Eliza,
„aber Betsy und ich werden solange auf das Vieh aufpassen.”Als
Tommy und Elija in Brigham Youngs Hütte ankamen, wartete Tommys Mutter dort auf
sie. Brigham Young sprach sie an, als sie eintraten. „Jungen”, sagte er, „ich
möchte, daß jeder von euch mit einem Wagen zu dem notleidenden Lager fährt, das
gegenüber Nauvoo auf dieser Seite des Flusses liegt. Einige von den Heiligen
dort sind von ihrer Heimstätte vertrieben worden und brauchen dringend Nahrung,
Kleidung und Obdach. Holt sie nach Winter-Quarters. Ihr seid sehr jung für so
eine große Aufgabe; aber ich weiß, daß ihr es gut machen werdet. Der Wagenzug
steht unter Obhut von Bruder Allen, und ihr seid seiner Führung unterstellt. Es
werden etwa 20 Wagen sein. Morgen in der Früh brecht ihr auf.”Tommys
Mutter schaute auf die beiden Jungen. „Die Mädchen und ich werden hier schon
allein fertig.” Sie lächelte.Die lange Reise nach Nauvoo brachte
den Jungen Spaß. Als sie sich dem Fluß näherten, sah Tommy, daß sich der Himmel
verdunkelt hatte, auch hörte er schnelle Flügelschläge. Dann sahen sie Tausende
von Wachteln über sich fliegen. Viele der Vögel ließen sich auf dem Verdeck und
den Sitzen der Wagen nieder, auch auf Kopf und Armen der Fahrer.Als
sie mit den Wagen im Lager eintrafen, fanden sie dort Wachteln auf dem Boden,
in der Luft, in den Zelten und auf den Menschen. Die Vögel bewegten sich nicht,
wenn man nach ihnen griff. Sogar die Kranken konnten ihre Hand ausstrecken und
eine Wachtel fangen, ohne daß sie irgendwelchen Widerstand zeigte. Die Freude
der Menschen kannte nun keine Grenzen.„Es ist ein Segen vom
Himmel”, sagte einer der Männer aus dem Lager. „Wir waren dem Verhungern nahe;
und der Herr hat uns Speise gesandt.”Plötzlich fiel Tommy ein, daß
er gehört hatte, wie der Herr den Kindern Israel, als sie vor vielen Jahren in
der Wildnis wanderten, auch Wachteln geschickt hatte.Dann kam
Joseph angelaufen. Er und Tommy umarmten sich zur Begrüßung. Es war gut, wieder
zusammen zu sein, und es war gut, zu wissen, daß all die Menschen hier etwas zu
essen hatten. „Es ist ein Wunder!” rief Joseph aus, und Tommy nickte
zustimmend.November 1972


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<link>http://www.diarius.de/Mormonen/11448/</link>
</item>

<item>
<title>Auszug aus dem Tagebuch der Jane Grove</title>
<description>Eines Morgens machten wir uns bereit, um Himbeeren
sammeln zu gehen. Der alte Vater Tanner spannte zwei Pferde vor einen leichten
Wagen, und die beiden Schwestern Lyman, seine kleine Enkelin und ich kletterten
auf den Wagen, und los ging die Fahrt. Als wir am Wald angekommen waren,
machten wir Bruder Tanner den Vorschlag, sich etwas auszuruhen, während wir
Beeren pflücken würden.Nach kurzer Zeit hatten das kleine Mädchen und ich mich von den anderen ein wenig entfernt.
Plötzlich
hörten wir laute Rufe. Rasch eilten wir zu Vater Tanner, um zu sehen, was los
sei. Einige Indianer hatten sich
mit lautem Schreien zusammengerottet, während sich noch andere hinzugesellten. So stiegen wir schnell in den Wagen,
um fortzufahren, aber vier Indianer hatten bereits den Wagen ergriffen, und
zwei andere hielten die Pferde am Zaumzeug fest. Ein Indianer kam in den Wagen,
um mich herauszuholen. Nun begann ich mich zu fürchten und fragte Vater Tanner,
ob ich laufen und Hilfe holen sollte. Er sagte: „Nein, mein armes Kind, es ist
zu spät.”Vater Tanners Gesicht war weiß wie Schnee! Die Indianer
hatten damit begonnen, seine Uhr und sein Taschentuch wegzunehmen, während ein
anderer versuchte, mich aus dem Wagen zu ziehen.Als ich mich
verzweifelt wehrte, sprach ich ein stilles Gebet und flehte um Hilfe. Da fiel
der Geist des Allmächtigen auf mich, und ich erhob mich mit großer Macht und
sprach zu den Indianern in ihrer eigenen Sprache. Sie ließen den Wagen und die
Pferde los und standen vor mir, während ich mit der Macht Gottes zu ihnen
redete. Sie beugten ihren Kopf und sagten ja auf eine Weise, die mich wissen
ließ, was sie meinten. Vater Tanner und das kleine Mädchen schauten in
sprachloser Verwunderung zu.Ich erkannte unsere Situation. Die
Indianer hatten vor, Vater Tanner umzubringen, den Wagen zu verbrennen und uns Frauen als Gefangene mitzunehmen. Als ich aufgehört hatte, zu ihnen zu reden,
schüttelten sie uns alle die Hand. Sie gaben alles zurück, was sie Vater Tanner
weggenommen hatten. Vater Tanner schenkte ihnen dann sein Taschentuch. Gerade
zu dieser Zeit kamen die anderen beiden Frauen zurück, und wir fuhren so
schnell es ging nach Hause.Der Herr hatte mir folgende Worte in den
Mund gelegt: „Ich vermute, Krieger, ihr wollt uns töten. Wißt ihr nicht, daß
der Große Geist euch beobachtet und alles weiß, was ihr in eurem Herzen denkt?
Wir sind hierher gekommen, um einige der Früchte des Vaters zu sammeln. Wir
sind nicht gekommen, um euch zu schädigen; und wenn ihr uns verletzt oder auch
nur ein Haar unseres Hauptes krümmt, wird der Große Geist euch zu Boden schlagen,
auf daß ihr kläglich umkommt. Wir sind wie ihr von unseren Heimen vertrieben
worden und sind hierher gekommen, um euch Gutes zu tun, und nicht, euch zu
schädigen. Wir sind das Volk des Herrn, und ihr seid es. Aber ihr müßt davon
ablassen, zu morden und böse zu sein. Der Herr hat kein Gefallen daran, und er
wird euch nicht segnen, wenn ihr damit fortfahrt. Ihr glaubt, dieses Land
gehöre euch, das Holz, das Wasser und all die Pferde. Euch gehört nichts auf
dieser Erde, nicht einmal die Luft, die ihr atmet. Dies alles gehört dem Großen
Geist.”:Jane Grover, Juli 1973
</description>
<link>http://www.diarius.de/Mormonen/11394/</link>
</item>

<item>
<title>Ein Eimer voll Milch</title>
<description>In
Sugar Creek hatten die Pioniere ihr erstes Lager aufgeschlagen, nachdem sie ihr
warmes, behagliches Zuhause in Nauvoo verlassen hatten. Innerhalb von zwei Wochen hatten sich 5.000 Menschen . dort versammelt, die darauf warteten, daß Brigham
Young das Signal für ihre Weiterreise nach „dem Westen” gab.Tommy
und Betsy kam es vor, als ob sie in einer Stadt lebten; denn die Zelte und
Wagen waren entlang der Straße aufgestellt wie die Häuser in Nauvoo. Die Zwischenräume
waren mit Reisig überdacht, um vor dem Wetter zu schützen. Hier wurden die
Mahlzeiten zubereitet, und die Kinder spielten da.In der Mitte des
Lagers war ein großer Platz, der etwas einem Park glich. An einer Seite dieses
Platzes wohnten Tommy und Betsy in einem Planwagen. Zu jeder Tages- oder
Nachtzeit konnten sie auf den Platz schauen, wo die Lagerfeuer brannten und
Leute die Nähe des Feuers
suchten, um sich zu wärmen.Eines Morgens, sehr früh, sah Tommy Brigham Young auf dem Kutschbock eines
Wagens in der Mitte des Platzes stehen. Einen Moment später dröhnte seine
Stimme durch das Lager wie eine Kanone: „Achtung, Lager Israel!” Und Tommy
wußte, daß innerhalb einiger Minuten jeder aus dem Lager zu dem Platz kommen
würde, um zu hören, was Brigham Young zu sagen hatte.Hoffentlich
sagt er uns, daß es Zeit ist, nach dem Westen weiterzuziehen&quot;, sagte
Tommy.„Das hoffe ich auch”, sagte die Mutter.Aber
Brigham Young sagte nichts über eine Weiterfahrt nach dem Westen. Statt dessen
sagte er ihnen, daß in den letzten paar Tagen 800 Menschen in Sugar Creek
angekommen seien, deren Lebensmittelvorräte nicht einmal für eine Woche mehr
reichen würden. Und er bat diejenigen, die Nahrungsmittel hatten, mit den
Bedürftigen zu
teilen. Er versprach den Heiligen, daß, wenn sie dies tun würden, der Herr sie mit all der benötigten
Nahrung segnen würde.Präsident
Young forderte die Männer auf, in die nördlich und südlich gelegenen Städte zu
gehen, um beim Straßen- und Brückenbau oder beim Aufstellen von Zäunen Arbeit
zu finden; er machte auch den Vorschlag, sich mit Nahrungsmitteln bezahlen zu
lassen. Er berichtete, daß Federbetten, Uhren, Geschirr, Umhängetücher, Silberwaren
und Möbel gegen Mais und Weizen eingetauscht werden könnten.Tommy und Betsy spitzten ihre Ohren, als er den
Kindern sagte, daß sie dadurch helfen könnten, daß sie Weidenruten am Flußbett
sammelten. Aus diesen Weiden könnte man Körbe in der Größe eines Scheffels und
eines halben Scheffels flechten und sie gegen Nahrungsmittel eintauschen.Sofort nachdem Brigharn Young „Amen” gesagt hatte und ehe noch die Leute
zu sprechen oder sich zu bewegen anfingen, hörten sie in weiter Ferne eine
Glocke läuten.„Es ist die Glocke vom Tempelturm in Nauvoo”,
flüsterte Tommy Betsy zu, und ihm war es, als hätte der Herr sein eigenes
„Amen” zu den Worten seines Propheten gegeben. In seinem Innern versprach sich
Tommy, daß er versuchen wollte, alles zu tun, was Brigham Young wünschte.Als die Versammlung zu Ende war, rief Tommys Vater seine Familie zu sich
und sagte: „Wir stehen vor einer langen Reise. Wir sind uns noch nicht einmal
sicher, wo sie enden wird. Wir wissen nur, daß der Herr uns dorthin führen
wird. Wir wissen auch, daß wir nur das haben werden, was wir mit uns nehmen.
Die Frage ist jetzt, ob wir von unserer Nahrung den Bedürftigen geben sollen
oder ob wir sie für uns selbst aufheben sollen damit sie ausreicht.&quot;Tommy dachte an das stille Versprechen, das er sich gegeben hatte.
„Präsident Young hat uns gebeten zu teilen”, sagte er, „und ich glaube, daß es
das ist, was der Herr von uns wünscht.”„Ich weiß, daß der Herr uns
helfen wird, mehr zu bekommen, wenn wir es brauchen”, fügte Betsy hinzu.Tommys Vater lächelte. „Ich bin froh, daß ihr so denkt”, sagte er. „Wir
können es den Heiligen nicht übelnehmen, daß sie ohne genügend Nahrung
hierhergekommen sind. Keiner war richtig vorbereitet, jetzt Nauvoo zu
verlassen; denn alle rechneten damit, erst im Frühling zu gehen. Einige hatten
Geld, um Nahrung und Ausrüstung kaufen zu können, aber die meisten hatten es
nicht; so mußten sie ihre Farmen und Häuser für das eintauschen, was sie dafür
bekommen konnten. Bruder Johnson zum Beispiel bekam für sein Haus im Tausch nur
einen Planwagen und ein Ochsengespann. Sie hatten kein Geld, um Lebensmittel zu
kaufen; so brachten sie nur das mit, was sie im Haus hatten, und ich bin
sicher, daß es in ein paar Tagen verbraucht ist.”„Er will sich in
einer nahegelegenen Stadt Arbeit suchen, um Nahrungsmittel kaufen zu können”,
sagte Mutter.„Gehst du auch, Vater?” fragte Tommy.„Ja,
Bruder Johnson und ich gehen zusammen”, antwortete der Vater. „Wir gehen schon
morgen früh los.”„Ihr könnt meine Silberlöffel mitnehmen”, bot die
Mutter an. „Wahrscheinlich könnt ihr sie gegen eine Wagenladung Mais eintauschen.
So können wir unsere Tiere am Leben und bei Kräften erhalten, bis das Gras zu
wachsen anfängt.”„Nehmt unser Federbett mit”, sagte Betsy. „Ich
kann mir gut vorstellen, daß es jemand haben will.”„Ich will Weiden
vom Flußbett sammeln und Körbe daraus flechten, wie Präsident Young uns gebeten
hat”, sagte Tommy.Sie alle hörten einander so interessiert zu, daß
keiner Schwester Johnson sah, die am Planwagen gestanden hatte. Sie waren überrascht,
als sie anfing zu sprechen. „Sie können mein Umhängetuch mitnehmen”, sagte sie
leise, „und die kleine Zuckerschale, die mir meine Großmutter geschenkt hat.”Als sie die Sachen in den Wagen brachte, wankte sie, als ob sie nahe am
Umfallen war. Tommys Vater sprang vom Wagen, um ihr zu helfen. „Sind Sie
krank?” fragte er.„Nein”, antwortete sie, „aber ich bin hungrig.
Wir haben in den letzten beiden Tagen nicht viel zu essen gehabt.”Tommys
Mutter eilte herbei, um Schwester Johnson beim Hinlegen zu helfen. „Nehmen Sie
diesen Zwieback”, drängte sie, „in der Zwischenzeit mache ich Ihnen etwas
heißen Maisbrei fertig.”Später gingen Tommy, Betsy
und ihr Vater mit Schwester Johnson zu ihrem Wagen zurück. Tommy trug ein paar
Kartoffeln, sein Vater etwas Mehl und Betsy einen Eimer voll Milch.Als
Betsy so die Milch trug, mußte sie an ihr Kätzchen denken, das sie in Nauvoo
zurückgelassen hatte. Im Geist hörte sie wieder die Frage ihrer Mutter: „Du
möchtest sicher nicht, daß irgend jemand hungern muß, nur damit du dein
Kätzchen mitnehmen kannst?” Betsy lächelte und sagte ganz leise zu sich selbst
„Nein!” Und diesmal meinte sie es ganz ernst.Mary Pratt Parrish, Mai 1972
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<link>http://www.diarius.de/Mormonen/11391/</link>
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<item>
<title>Green Flake, der schwarze Pionier</title>
<description>Viele Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage waren vom Gesindel verfolgt und gezwungen worden, ihr Zuhause in Nauvoo zu verlassen und sich im Westen Amerikas eine neue Heimat zu suchen. 1847, ein Jahr nach dem Auszug, zogen sie unter der Führung von Präsident Brigham Young in das Tal des Großen Salzsees in Utah. Die erste Pionierkolonie, die sich in dem Tal niederließ, zählte 143 Männer, Frauen und Kinder. Unter diesen ersten Siedlern war auch Green Flake, der ehemalige Sklave eines Plantagenbesitzers in North Carolina, der sich zur Kirche bekehrt hatte.Green wurde 1825 in Anson County in North Carolina geboren. Beim Tod seines Besitzers erbte ihn dessen Sohn Madison Flake. Wie es damals üblich war, nahm Green den Familiennamen seines Herrn an. Als Madison Flake sich der Kirche anschloß, bot er Green die Freilassung an. Green zog es jedoch vor, bei seinem früheren Herrn zu bleiben, und zog mit den Flakes nach Utah. In Nauvoo diente er kurze Zeit als einer der Leibwächter des Propheten Joseph Smith.Madison Flake bat den ehemaligen Sklaven, mit dem ersten Planwagenzug der Heiligen nach Salt Lake City zu ziehen, um die spätere Ankunft der Flakes vorzubereiten. Die Pioniere hatten alle kein leichtes Leben. Green erwies sich als kräftig und verläßlich. Die kleine Abteilung richtete Winter Quarters in Nebraska ein, zog im Frühjahr den Platte River entlang bis Fort Laramie in Wyoming und bahnte sich einen Weg durch die Rocky Mountains.Als sie den Echo Canon erreichten, der in ungefähr 80 Kilometern Entfernung vom Großen Salzsee den Ostabhang des Wasatchgebirges teilt, erkrankte Präsident Young mit hohem Fieber. Er sandte Orson Pratt mit einem Trupp von 48 Männern voraus. Sie hatten den Auftrag, unterwegs Brücken zu bauen und Fahrwege anzulegen. Zu dieser Gruppe, die das Salzseetal am 21. Juli 1847 erreichte, gehörte auch Green Flake. Er fuhr im ersten Wagen, der durch den Emigration Canon in das Wüstental rollte, das Brigham Young später als das „Land der Verheißung” bezeichnete.Orson Pratt weihte das Land unverzüglich dem Herrn und segnete das Saatgut, das sie 1600 Kilometer weit mitgebracht hatten. Dann befahl er die erste Aussaat. Green Flake pflügte den Boden und säte seinen Anteil, bevor er sich an den Bau eines Blockhauses für die Flakes machte. Er suchte einen Bauplatz in der Nähe der anderen Heiligen aus den Südstaaten aus, die mit der Mississippi-Abteilung in den Westen gezogen waren.Als Madison Flake ein Jahr später eintraf, fand er ein schönes Haus vor, das für seine Familie bereitstand. Green war damals erst zweiundzwanzig. Er heiratete wenig später Martha Crosby, und sie hatten zwei Kinder. Als seine Frau 1885 starb, zog er in die Nähe seines Sohnes und seiner Tochter in Gray's Lake in Idaho. 1897 kehrte er nach Salt Lake City zurück, um an den Pionierjubiläumsfeiern teilzunehmen. Als einer der ersten Pioniere, die das Tal betreten hatten, erhielt er eine besondere Urkunde. Green Flake starb sechs Jahre später im Alter von 78 Jahren in Gray's Lake.Jane McBride Choate, Kinderstern Juni 1989
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<title>Die Wolke</title>
<description>Johanna lief neben dem Planwagenzug her, der auf der staubigen Route
westwärts kroch. „Die ganze Strecke muß ich
zu Fuß laufen – warum nur!” ärgerte sie sich. Freilich wußte sie, warum:
Die Fuhrwerke waren mit wertvollen Vorräten beladen, mit deren Hilfe die
Heiligen im Westen Amerikas ein neues Leben beginnen wollten. Für Passagiere
gab es einfach keinen Platz.Der Sack, den sich Johanna um die
Hüften gebunden hatte, schleifte auf der Erde, und sie band ihn höher. Bis zum
Abend würde er voll sein mit trockenem Büffeldung und kleinen Ästen für ein
warmes Feuer auf der kalten Prärie. Die Spätsommersonne
schien ihr warm auf den Rücken und beschwichtigte ein wenig ihren Ärger.Johanna summte eine kleine Melodie, da hörte sie hinter sich jemanden
dasselbe Lied singen. Schon wieder dieser
Barney Bieland! Immer muß er mich
nachäffen/Johanna wandte sich um und streckte ihm die Zunge heraus. Noch ärgerlicher als zuvor, gab
sie nicht acht, wohin sie trat, und stolperte. Sie schlug mit Knien und
Ellbogen auf den harten Boden auf und begann zu weinen.Barney
beugte sich über sie und half ihr hoch.„Laß mich!” fuhr Johanna ihn
an und riß sich Ios.„Hab doch nur helfen wollen!”Johanna rappelte sich auf. Sie
blickte auf die staubende Kolonne von Ochsen und Planwagen, die über die
ausgedörrte Prärie rollte. Der Anblick erinnerte sie an die Worte von Captain
Rice vor zehn Tagen in Council Bluffs, Iowa:„Wir müssen täglich
dreißig Kilometer zurücklegen, damit wir es bis zur Oktoberkonferenz, vor
Wintereinbruch, ins Salzseetal schaffen.” Johanna setzte sich wieder in
Bewegung.Als die Sonne am Horizont verschwand, wurden die Wagen für
die Nacht im Kreis aufgestellt. Die jüngeren Männer, darunter auch Barney,
wurden beauftragt, die Rinder zu hüten. Die drei Kühe der Abteilung wurden
gemolken, und die kostbare Milch wurde an die Kranken und an die kleinen Kinder
verteilt. Eine der Kühe gehörte Johannas Familie.Johanna leerte den
Inhalt ihres Sacks neben dem Lagerfeuer aus. Ihre Mutter hatte schon das Pökelfleisch
bereit. Johanna half beim Teigrühren. Dann klopfte sie den Teig zu kleinen
Fladen und legte sie auf die heißen Steine
um das Feuer. Als sie gebacken waren, sammelte sie sie ein und wischte
die Asche ab. Sie schmeckten nicht nach viel, aber sie waren zumindest warm.Johanna dachte an das heimelige Bauernhaus, das ihre Familie in Dänemark
zurückgelassen hatte. Zu Mittag hatte immer
ein gutes Essen auf dem Tisch gestanden – in der Mitte ein großer Laib
frisch-gebackenes Brot. Beinahe konnte sie die zerlaufende Butter und den Honig
schmecken, der von so einer warmen Brotschnitte troff – beinahe, nicht ganz.
Während sie nun den dünnen, warmen Fladen kaute, tat sie sich selbst sehr leid.Johanna reute es dennoch nicht, daß die Missionare ihrer Familie das
Evangelium gebracht hatten. Es tat ihr auch nicht leid, daß ihre Eltern sich
entschlossen hatten, mit anderen Heiligen der Letzten Tage in die Gebirgstäler
des amerikanischen Westens zu ziehen. Die Reise zu dem neuen Zuhause war ein
Abenteuer. Aber den staubigen Weg und das fade Essen mochte sie nicht.
Besonders unangenehm war ihr das viele Gehen – 1600 Kilometer, Schritt für
Schritt, Tag für Tag.Bald war es Zeit für das Abendlied und das
Gebet. Captain Rice las eine Schriftstelle vor: „Der Herr zog vor ihnen her,
bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer
Feuersäule, um ihnen zu leuchten.” Exodus 13:21.) Die Israeliten hatten wenigstens eine
Wolke, von der sie geführt wurden, dachte Johanna. Erschöpft sank sie auf ihr Lager
hinten im Planwagen.Sie schlief schon fest, als sie plötzlich von
lautem Geschrei geweckt wurde: „Feuer! Es brennt!” Hastig streifte sie sich
etwas über und blickte aus dem Wagen. Es war ein Steppenbrand, der sich rasch
über die Prärie bewegte und Gras, Gestrüpp und alles verbrannte, was ihm in die
Quere kam. Am westlichen Horizont hingen Rauchwolken. „Laß die Bettsachen, ich
mach das schon”, rief ihre Mutter. „Hilf dem Vater die Ochsen und die Kuh
holen.”Das Vieh hatte weiter vom Lager entfernt als sonst geweidet,
und die Männer hatten große Mühe, die verschreckten Tiere zu den Wagen
zurückzubringen.Johanna rannte Ios, um ihren
Vater zu suchen. In der Ferne erblickte sie ihn. Er trieb die Ochsen vor sich
her. Sie rannte auf ihn zu, und er rief: „Johanna, bring die Ochsen ins Lager.
Ich muß die Kuh suchen – die dürfen wir auf keinen Fall verlieren.”Johanna
suchte sich einen Stock und trieb die Ochsen zur Eile. Der Rauch wurde immer
beißender. Als eine dichte Rauchwolke dahertrieb, blieben die verschreckten
Ochsen stehen und rührten sich keinen Schritt von der Stelle, obwohl Johanna
den Stock gebrauchte. Verzweifelt sah sie sich um Hilfe um. Nun hörte sie auch
das Feuer knistern.Hinter ihr kam Barney nach, der ebenfalls ein
Gespann führte. „Zieh den Leitochsen am Strick!” rief er.Johanna bückte sich, um den Strick aufzuheben, da wurde sie zur Erde gerissen. Der Ochse war auf
ihr Kleid getreten!„Halt still!” befahl Barney und kam
herzugerannt. „Gib auf den Ochsen acht. Wenn ich ihn antreibe, rollst du dich
zur Seite.” Johanna wartete ängstlich, während Barney das Tier beruhigte und
dann vorwärtstrieb, so daß es von ihrem Kleid stieg.„Schnell
jetzt!” rief Barney. Die Ochsen trabten auf das
Lager zu, und er
rannte zu seinem eigenen Gespann.Bald war
auch ihr Vater mit der Kuh da. Sein Lächeln
tröstete sie. Als sie das Lager erreicht hatten, wurde zum Gebet gerufen. Sie standen im Kreis, und Johanna langte nach
der Hand ihrer Mutter.Captain Rice sagte: „Mit den Ochsen entkommen
wir diesem schnellen Steppenbrand unmöglich. Wir müssen den Herrn um Hilfe
bitten.”Alle stimmten aus tiefstem Herzen in das Amen ein. Captain
Rice stand auf einem Wagen und deutete zum
Himmel. „Brüder und Schwestern, wir sind nicht
bis hierhergekommen, um zugrunde zu gehen. Die kleine Wolke da oben wird unsere
Rettung sein.”Johanna blickte auf zum rauchbedeckten Himmel und
sah, wie die kleine Wolke rasch größer wurde. Der Brand wanderte über die
Prärie, die Hitze stieg zu den Wolken auf, und die Wolke wurde immergrößer und regenschwer. Blitze, viel heller als die Flammen, erleuchteten den Himmel. Immer lauter hörte Johanna den Feuersturm toben, und der ferne Donner
klang wie ein Echo.Die einzelne Wolke löste sich plötzlich in viele
kleine Wolken auf, und schon regnete es in Strömen. Die heiße Erde zischte.
Dampfwolken quollen zum Himmel. Der Regen wusch ihr den Staub und die Tränen
vom Gesicht.Und ebenso plötzlich, wie die Wolken aufgetaucht waren,
waren sie wieder verschwunden. Der Brand war gelöscht. Über dem Wagenzug lag
der blaue Präriehimmel. Die dankbare Pioniergruppe kniete erneut in der
Wagenrunde und dankte dem Vater im Himmel.Am Morgen sprang Johanna
mit den anderen Kindern dem Wagenzug voraus. Sie blickte auf ihre lehmigen
Füße, die auf den nassen Prärieboden klatschten. Norma/erweise würde ich mich über diesen Morast ärgern, dachte sie. Nun aber lächelte sie und summte ein Lied.Plötzlich war
Barney neben ihr. „Bei guter Laune heute?” fragte er.„Danke für
deine Hilfe gestern mit den Ochsen”, sagte Johanna ein wenig verlegen.Ob auch die Kinder der Israeliten manchmal so schmutzige Füße hatten?
Jedenfalls waren sie genauso dankbar für ihre Wolke, wie Johanna für die Wolke
dankbar war, die der Vater im Himmel ihnen heute gesandt hatte. Christy
Monson, Kinderstern Juni 1989
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<title>Der Duft des Flieders</title>
<description> &amp;nbsp;„Ich habe Hunger”, murmelte Becky, die hinter dem Wagen hertrottete.„Ich auch”, stimmte Jonathan ein. „Glaubst du, Papa hätte etwas dagegen, wenn wir kurz anhalten und uns ein paar Beeren pflücken?”Becky schüttelte den Kopf. „Das lassen wir wohl besser. Papa sagt, wenn wir nicht mit den anderen Wagen Schritt halten, schaffen wir es nicht den Berg hinauf.”„Wenn Mama nur hier wäre.” Jonathans Augen füllten sich mit Tränen. „Sie würde für uns etwas zu essen auftreiben.”Vorne im Wagen erklang Musik, und Jonathans Miene hellte sich ein bißchen auf. „Jacob hat auch Hunger”, sagte er. „Er spielt immer auf der Mundharmonika, wenn sein Magen knurrt.”Lachend liefen sie weiter. Ja wirklich, Jacob Brewster klopfte mit den Füßen den Takt und blies dazu so angestrengt auf der Mundharmonika, wie er nur konnte. Mit der einen Hand lenkte er das Ochsengespann, mit der anderen spielte er ein Lied.Jacob Brewster war siebzehn Jahre alt. Er war Waise und hatte sich dem Wagenzug in North Platte angeschlossen. Papa hatte die ihm die Mahlzeiten und einen Platz in ihrem Wagen angeboten, wenn er sich dafür mit um die Ochsen kümmerte.Bald ertönte das Signal zur Mittagsrast. Becky machte aus einer Handvoll Maismehl eine Mehlsuppe und süßte sie mit ein paar Tropfen der sorgfältig gehüteten Melasse. Papa schnitt jedem ein Stück hartes Brötchen ab, das sie dann in die Mehlsuppe tunkten.„Bruder Snow sagt, wir sind fast da”, meinte Papa.„Er glaubt, daß wir spätestens übermorgen ankommen.”Jonathan sprang vor Aufregung hin und her. „Wirklich, Papa? Hat er das wirklich gesagt?” Papa lächelte nur und nickte.Als die Mahlzeit beendet war, luden Becky und Jacob alles schnell wieder auf den Wagen und traten das Lagerfeuer aus.Kurz nachdem die Familie Omaha im US-Bundesstaat Nebraska aufgebrochen waren, war Beckys Mutter vom Wagen gefallen und hatte sich dabei schwer verletzt. Sie war innerhalb einer Woche gestorben. Jetzt musste die fünfzehnjährige Becky die Mahlzeiten zubereiten, sich um den Wagen kümmern und Jonathan helfen, den Tod der Mutter zu verwinden. Das war nicht einfach, wo sie ihre Mutter selbst noch so schmerzlich vermißte.Während eines kurzen Aufenthalts beeilte Becky sich, die Wasserkanister am Bach zu füllen. Liebevoll goß sie die kleinen Fliederpflanzen hinten im Wagen. Mutter hatte sie so sorgfältig gepflegt. Becky hörte im Geist die Stimme ihrer Mutter, wie sie zu Papa sagte: „Ohne Flieder vor der Tür wäre das neue Zuhause kein Zuhause. Mach dir keine Sorgen; Becky und ich kümmern uns schon darum.”„Wir müssen weiter, Becky.” Papas Stimme schreckte sie aus ihren Gedanken auf.„Ich bin so weit, Papa. Jonathan, möchtest du nicht eine Weile im Wagen mitfahren?” Sie half ihrem siebenjährigen Bruder hinten auf den Wagen und wußte dabei genau, daß er innerhalb von ein paar Minuten einschlafen würde. Der Weg über den Berg wurde immer steiler, und die Wagen kamen immer langsamer voran. Ängstlich beobachtete Becky, wie sich der Himmel verdunkelte. Hoffentlich gibt es heute nicht noch ein Gewitter, dachte sie.Die riesigen Wolken wurden immer dunkler. Ein leichter Wind erhob sich, der immer stärker wurde und sich schließlich zum Sturm entwickelte. Im Norden sah man schon die ersten Blitze zucken.„Becky! Wir müssen den Wagen leichter machen, damit wir den Berg hinaufkommen.” Der Sturm riß Papa die Worte vom Mund. „Weck Jonathan und lad alles aus, was wir nicht unbedingt brauchen.”„Ja, Papa.” Becky beeilte sich, Papas Aufforderung zu befolgen.Becky warf die zusätzliche Waschschüssel und die kleine Kiste mit den Leintüchern aus dem Wagen, die Mutter ihr als Aussteuer zusammengestellt hatte.Jonathan trennte sich unter Tränen von seiner kostbaren Steinsammlung, und Becky warf resolut auch alle zusätzlichen Kopfkissen und Töpfe hinaus.„Was ist hiermit?” fragte Jonathan.Becky drehte sich um und sah, daß Jonathan den Eimer mit dem Flieder in der Hand hielt. „Nein, nein, den Flieder nicht!” schrie sie. „Ich habe Mama versprochen, daß wir ihn vor unser neues Haus pflanzen.”Papa legte den Arm um Beckys schmale Schultern und drückte sie fest an sich. „Ja”, sagte er. „Den Flieder behalten wir.”Der Himmel war mittlerweile pechschwarz geworden, und in den Bergen grollte der Donner.„Wir müssen anhalten, Bruder Webster”, rief Jacob. „Der Weg wird sofort matschig und glitschig, wenn es anfängt zu regnen.”Jacob sah sich um und entdeckte eine Lichtung links neben dem Weg. Dorthin lenkte er den Wagen. Die anderen folgten.Dann, wie auf ein Zeichen, begann es zu regnen. Große, schwere Tropfen klatschten zur Erde — zuerst noch vereinzelt, aber dann immer heftiger. Der Nordwind blies, der Donner grollte, und über den Himmel zuckten unaufhörlich Blitze.Die vier im Wagen zitterten vor dem Gewitter. Jonathans Augen waren vor Angst ganz groß, und Becky hielt ihn fest an sich gepreßt. Sie hörten, wie die Blitze Bäume spalteten und der Sturm die Wagen quietschen ließ.Plötzlich zerriß der Strick, mit dem die Ochsen angebunden waren, und die Tiere stürmten davon. Papa und Jacob sprangen aus dem Wagen. „Jonathan, du bleibst hier bei Becky!” rief Papa. „Jacob, du steigst geradewegs nach unten, und ich treibe dir die Tiere&amp;nbsp; zu.”Die beiden verschwanden im Regen. Becky und Jonathan warteten ängstlich. Schließlich wurde der Regen leiser, und der Donner entfernte sich immer mehr. Becky spähte suchend aus dem Wagen; sie sah Baumstümpfe, die wie Kienspäne ausahen, und Bäume, die der Sturm vollständig entwurzelt hatte. Die meisten anderen Wagen hatten das Gewitter ohne großen Schaden überstanden; nur den kleineren hatte der Sturm die Plane fortgeweht. Aber Papa und Jacob waren nirgendwo zu sehen.Es wurde dunkel, und Jonathan hatte Hunger. „Wann kommt Papa wieder, Becky?”„Er ist bald wieder da. Hab keine Angst.” Becky versuchte, ruhig zu klingen, aber&amp;nbsp; innerlich zitterte sie bei dem Gedanken, die Nacht allein verbringen zu müssen. Die anderen Wagen waren zwar in der Nähe, aber jeder hatte seine eigenen Sorgen, und Becky wußte, daß Papa es lieber sah, wenn sie dort blieb, wo sie war.Sie gab Jonathan ein bißchen getrocknetes Fleisch und versuchte, ihn hinzulegen, damit er schlief. Es war&amp;nbsp; kalt im Wagen, und das Verdeck war feucht. Becky wünschte sich, sie hätte die weggeworfenen Kopfkissen noch. Schließlich schlief Jonathan ein.Gegen Mitternacht kam Jacob mit dem einem Ochsen zurück. „Ich bin kaum den Berg hinaufgekommen, weil der ganze Boden aufgeweicht ist”, sagte er müde. „Wo ist dein Vater?”„Er ist noch nicht wieder da. Hoffentlich ist ihm nichts passiert!”Jacob sah Becky an, wie sehr sie sich sorgte. „Wahrscheinlich wartet er bis zum Morgen”, sagte er tröstend. Während er sich erschöpft auf den Boden sinken ließ, murmelte er: „Weck mich auf, wenn er kommt.”Aber auch am Morgen war nichts von Papa zu sehen. Man stellte eilig mehrere Suchtrupps zusammen; der größte wurde von Jacob angeführt. „Wir werden ihn schon finden,” tröstete er Becky und klopfte ihr leicht auf den Arm. Dann umarmte er Jonathan, und fort war er.Kurz vor Mittag sah Jonathan die ersten Suchtrupps zurückkehren. „Da sind sie, Becky. Kannst du Papa sehen?”Becky blickte in das helle Sonnenlicht hinaus und sah sich jeden Mann genau an. Alle sahen niederdrückt aus und gingen schweren Schrittes. Plötzlich sah sie Jacob, der Bruder Snows braunes Pferd am Zügel führte. Quer über den Sattel hing der Körper eines Mannes. Er sah aus wie eine riesige Stoffpuppe.„Nein! 0 nein!” schrie sie und rannte los, Jonathan dicht hinter ihr.„Papa, Papa!” schrie Becky. „O Jacob, wie ist das nur passiert!“Jacobs Augen waren rot vom Weinen. „Es war ein Blitz.” Er nahm Becky in die Arme. „Wenigstens hat er nicht gelitten.“Becky sah den steifen Körper an; dann brach sie in Tränen aus und sank zu Boden.Papa wurde am Rand der kleinen Lichtung begraben. Becky pflanzte zwei der kostbaren Fliederpflanzen neben den rohbehauenen Grabstein, so wie sie vor ein paar Wochen zwei Fliederpflanzen auf Mamas Grab gepflanzt hatten.Die Sonne schien, als die schlichte Beerdigung stattfand. Becky stand bei Jacob und Jonathan. Die Tränen strömten ihr die Wangen hinab, und hielt Jonathans Hand. Jacob hatte die Hand unter ihren Ellbogen geschoben und stützte sie. „O Jacob”, murmelte sie. „Was soll ich nur tun? Wie sollen wir nur ohne Papa zurechtkommen?“„Mach dir keine Sorgen, Becky. Ich werde für euch beide sorgen.“Am Nachmittag wurden die Schäden behoben, die das Gewitter angerichtet hätte. Die Räder wurden repariert und die Verdecke neu befestigt. Kopfkissen lagen zum Trocknen in der Sonne.&amp;nbsp; Als es dämmerte, brachte einer der Führer den anderen Ochsen. „Ich habe ihn gut drei Meilen weiter oben gefunden”, sagte er. Dankbar schirrte Jacob auch den zweiten Ochsen an. Die Frauen aus den anderen Wagen bereiteten für die drei aus ihren kostbaren Vorräten ein Abendessen zu. Als Becky Jonathan ins Bett brachte, sah sie, wie Jacob Feuerholz aufschichtete und den Wagen untersuchte. Übermorgen kommen wir im Tal an, dachte sie. Sie wußte nicht, was die Zukunft bringen würde, aber sie hatte keine Angst. Sie glaubte daran, daß der himmlische Vater über sie und Jonathan wachen würde. Während sie liebevoll die restlichen Fliederpflanzen goß, dachte sie: Bald haben wir ein Zuhause, und der Flieder wird uns an Mama und Papa erinnern. Sie zog den Schal enger um ihre schmalen Schultern und setzte sich neben Jacob an das auflodernde Lagerfeuer.Donna Cartwright, Kinderstern Juni 1990
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<title>Rosa Clara  --  Pionier aus Australien</title>
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Die
elfjährige Rosa Clara Friedlander stammte von einer der britischen Inseln
im Ärmelkanal, und als sie im März 1849 im australischen
Sydney an Land ging, hatte sie den halben Erdball umrundet. Noch ahnte sie aber
nicht, daß sie nur sieben Jahre später den Pazifischen Ozean überqueren und im gerade besiedelten Utah wiederum eine neue Heimat finden sollte. In diesen
sieben Jahren lernte sie das
wiederhergestellte Evangelium kennen, half beim Aufbau der Gemeinde der Kirche
in Sydney mit und machte sich mit den Aufgaben des Erwachsenseins vertraut.Rosa Clara war 1837 auf der Insel Guernsey zwischen Frankreich und England zur Welt gekommen. Nach dem
Tod ihres Vaters kam sie zunächst nach
England und dann nach New South Wales in Australien. Im Jahre 1849, als Rosa Clara, ihre Mutter, Eliza Friedlander, und James, ihr jüngerer Bruder, nach Australien kamen, war Sydney eine
große, blühende Stadt. Zwei Jahre später heiratete die Mutter George W. Watson.Sechs Wochen nach der Hochzeit
kamen die Missionare John Murdock und Charles W. Wandell an und eröffneten die
australische Mission der Kirche. Bis Weihnachten hatten sie zwölf Menschen getauft, und am ersten Sonntag des Jahres 1852 gründete Elder Wandell den Zweig Sydney.Eliza Watson, ihr
Mann und ihre Kinder nahmen das Evangelium an und ließen sich binnen weniger Wochen nach Gründung des Zweiges taufen.
George Watson wurde zum Priester ordiniert, und die ganze Familie war in dem
neuen Zweig aktiv. Daheim hielten sie
oft Hausversammlungen ab, bei denen
Nichtmitglieder mit dem Evangelium bekanntgemacht wurden. Als die Missionare
jemanden brauchten, der nach Melbourne ziehen und dort als
Teilzeit-Missionar tätig sein konnte, meldete
sich George Watson.Die fünfzehnjährige Rosa Clara war
niedergeschmettert. Sie hatte viel Freude daran, in der kleinen Gemeinde zu
arbeiten. Mit Mary Clines, einem jungen Mädchen aus der Kirche, hatte sie enge
Freundschaft geschlossen. Rosa Clara hatte ihre Mutter lieb, aber mit
dem Stiefvater kam sie wohl nicht gut aus.
Als die Familie nach Melbourne zog, blieb
sie mit Erlaubnis ihrer Eltern und
unter Aufsicht des jeweiligen Missionspräsidenten in Sydney zurück.Rosa
Clara wohnte bei Mary, die kurz zuvor
geheiratet hatte, und deren Mann, Robert Evans, in Kissing Point am Fluß
Parramatta. Jeden Sonntag ging sie zwanzig Kilometer bis in die Stadt zur Kirche.
Die Versammlungen fanden in den Old Assembly
Rooms (Alte Versammlungsräume) statt, gegenüber dem Gerichtshof in der King
Street. Diese Räume im oberen Stockwerk einer Schule waren einige Jahre
zuvor von den Presbyterianern als provisorische Kapelle
genutzt worden. Jetzt hatten die Missionare sie für den Zweig Sydney gemietet.Donnerstagabends ging Rosa Clara zur Gesangsübung, und sonntags sang sie
im Chor. Sie verteilte Schriften der Kirche und tat auch sonst alles, was sie
konnte, um die Missionsarbeit in Sydney zu fördern.Rosa Clara verteilte Schriften der Kirche und tat auch sonst alles,&amp;nbsp;was sie konnte, um die Missionsarbeit in Sydney zu fördern.Am 21. Mai 1853
schloß die nun sechzehnjährige Rosa Clara Friedlander die Ehe mit Charles
Joseph Gordon Logie, der sich kurz zuvor hatte taufen lassen. Die Hochzeit fand
in der Schottenkirche statt. Der Pastor James Fullerton führte die Zeremonie
durch, weil die Ältesten der Kirche Jesu Christi damals in Australien keine
Eheschließungen durchführen durften. Allerdings fungierten der neue
Missionspräsident, Augustus Farnharn, und Rosa Claras Freundin Mary Ann Gingell
als Trauzeugen. Präsident Farnham schrieb in sein Tagebuch: „Ich nahm an der
Hochzeit von Bruder Logie und Schwester Rose Friedlander bei Pastor Fullerton
teil. Wir kehrten zu Bruder Gingell nach Hause zurück, und ich verheiratete die
beiden noch einmal. Wir verbrachten den Abend sehr glücklich, ... in guter
Stimmung, in Frieden und Harmonie.”Rosa Clara und Charles Logie
gründeten ihren Hausstand und setzten die Arbeit im Zweig fort. John Hyde,
einer der neuen Missionare, erkrankte an Mundkrebs. Sein Gesundheitszustand verschlechterte
sich, und er mußte zur Pflege in eine öffentliche Einrichtung gebracht
werden. Rosa Clara Logie sorgte sich um den einsamen, kranken und
schmerzgeplagten Missionar. Schließlich sorgten sie und Charles dafür, daß
Elder Hyde aus dieser Einrichtung zu den Logies nach Hause kam. Dort pflegte
die mutige Sechzehnjährige ihn bis zu seinem Tod.Am 27. Juni 1854
brachte Rosa Clara ihr erstes Kind zur Welt, ein Mädchen, das nach Präsident
Farnham Annie Augusta genannt wurde. Als die kleine Annie Augusta vierzehn
Monate alt war, reiste die Familie in Gesellschaft anderer Heiliger per Schiff
von Sydney nach Kalifornien ab. Vier Wochen später brach ein Unglück über sie
herein.Am Abend des 3. Oktober 1855 brachte Rosa Clara das Kind zu
Bett; auf dem Oberdeck sangen einige Mitglieder Kirchenlieder. Plötzlich lief
das Schiff auf ein Korallenriff. Kurze Zeit herrschte Verwirrung. Dann schaffte
es einer von der Schiffsbesatzung, zum Riff zu schwimmen und dort ein Seil
zu befestigen. Mit einer Schlinge wollte der Kapitän die Frauen und Kinder
einzeln aufs Riff bringen.Niemand wußte, was draußen in der
pechschwarzen Nacht auf sie wartete. Die Frauen hatten Angst. Schließlich
meldete sich Rosa Clara, die noch nicht einmal achtzehn
Jahre alt war, als erste. Hastig half sie, Charles die kleine
Annie&amp;nbsp; mit einem braunen Wollschal fest
auf den Rücken zu binden, dann machte sie sich selbst bereit für den
Transport zum Riff. Da, vor ihren entsetzten Augen, spülten die mächtigen
Wellen ihren Mann und das Baby über Bord. Ein Seemann
rettete die beiden unversehrt.Dann nahm Rosa Clara ihren ganzen Mut
zusammen, ließ ihre Familie auf dem Wrack zurück, klammerte sich am Kapitän
fest und wurde Hand über Hand aufs Riff gezogen. Dort ließ der Kapitän sie
stehen, barfuß auf den scharfen Korallen, bis zur Brust im
Wasser; am Riff brachen sich die Wellen. Allein stand sie in der
Dunkelheit, während der Kapitän die anderen Frauen holte. Nach und nach kamen
die meisten anderen heil herüber, auch Charles und das Baby. Doch nicht alle
hatten solches Glück. Zwei kleine Mädchen wurden von Deck gespült und
verschwanden, zwei Frauen und ein Säugling ertranken in ihrer&amp;nbsp; Kabine.Als der
Tag anbrach, baute die Mannschaft aus den Wrackteilen ein Floß aus Holz und
Nägeln. Es gelang, die Passagiere vom Riff auf eine
kleine Insel zu bringen, wo sie die nächsten acht Wochen verbringen
mussten.Die Schiffbrüchigen lebten von einem Faß Schiffszwieback
und einem Kasten Tee aus dem Schiff sowie Kokosnüssen, Fisch,
Schildkrötenfleisch und Eiern. Aus Kokosschalen machten sie Trinkgefäße. Aus
einem großen Seidenrock, der auch aus dem Wrack kam, machte Charles Logie ein
Zelt für die kranke Rosa Clara. Die kleine Annie krabbelte und spielte fröhlich
im Sand. Nachdem das Beiboot des Schiffes repariert war,
ruderten einige von der Mannschaft über dreihundert Kilometer
weit zu den zu Tahiti gehörenden Gesellschafts-Inseln und holten Hilfe.Zwei Monate nach dem Unglück wurden Familie Logie und die anderen von der
Insel abgeholt; schließlich gelangten sie nach San
Francisco. Dort überreichte Elder George Q. Cannon Rosa Clara eine
Teekanne aus Zinn in Anerkennung des Mutes, als erste auf das Riff zu gehen.
Diese Teekanne ist auch heute noch ein Erbstück im Besitz der Familie, zusammen
mit einem geschnitzten Trinkgefäß aus einer Kokosnußschale und einem
handgemachten Nagel vom Schiff, der Julia Ann.Charles
und Rosa Clara Logie ließen sich in American Fork in Utah
endgültig nieder. Dort zog Rosa Clara zwölf Kinder auf. Sie diente ihr Leben
lang dem Herrn, aber das, was sie als junges Mädchen im
ersten Zweig der Kirche in Sydney geleistet hat, ist nicht vergessen worden.
„Es gibt einige große und blühende Kolonien (in Australien), und
jede hat viele tausend britische Einwohner”, schrieb Charles Wandell
1852 an Franklin D. Richards, „und der kleine Zweig in Sydney ist
der Kern des Reiches, das sich unter ihnen allen verbreiten muß“Heute gibt es über siebzigtausend australische Mitglieder
in achtzehn Pfählen und fünf Missionen, und das ist eine bleibende Erinnerung
an den Pioniergeist von Missionaren wie Charles W. Wandell und tüchtigen
Mitgliedern wie Rosa Clara Friedlander Logie. (siehe HLTs in aller Welt, Australien)Marjorie B. Newton, Juli 1991Marjorie Newton
gehört zur Gemeinde Bankstown im Pfahl Sydney Australia Mortdale; sie hat eine
umfassende Geschichte der Kirche in Australien verfaßt.


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<link>http://www.diarius.de/Mormonen/11328/</link>
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<title>Sarah Matilda Farr</title>
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  Begebenheit aus dem Leben meiner Vorfahren, die zu den Pionieren gehörten vonJoy Johnsen Heaton, Kinderstern Juni 1994Ich mußte immer wieder zurückschauen. Meine Füße gingen in die eine Richtung und meine Gedanken in die andere. Durch die Tränen hindurch sah ich Mama noch immer auf der Veranda stehen. Mit jedem Schritt, den ich ging, wurde sie kleiner.Immer wieder hatte ich sie gefragt: „Muß ich wirklich gehen, Mama? Ich bin doch erst elf Jahre alt. Bist du sicher, daß ich es allein schaffe?” Und jedes Mal hatte sie mir Mut gemacht. Ja, ich sollte gehen. Und ja, der himmlische Vater wollte, daß ich auf diese Weise nach Zion kam. Ich wußte, ich brauchte nicht zu zweifeln, wenn Mama für mich betete.Papa war gestorben, als ich acht Jahre alt war. Es war nicht leicht ohne ihn. Meine großen Geschwister halfen zwar viel mit, aber es waren trotzdem acht Kinder, für die Mama sorgen mußte. Sie arbeitete stundenlang mit uns im Maisfeld. Manchmal ging sie, wenn wir beim Abendessen saßen, nach draußen, um Mais zu enthülsen. In dieser Zeit fastete und betete sie, aber das wußten wir damals nicht. Sie wollte nicht, daß meine älteren Brüder erfuhren, daß sie fastete, weil sie sich über ihren Glauben lustig machten.Eines Tages, als Mama draußen saß und Mais enthülste und dabei nachdachte, hatte sie das Gefühl, sie solle einen älteren Witwer besuchen, der in derselben Straße wohnte wie wir. Dort lernte sie zwei Missionare kennen, die ihr vom Evangelium erzählten. Was sie ihr von der Auferstehung erzählten, tröstete sie ein wenig über den Tod meines Vaters hinweg. Begeistert kam sie nach Hause.Als meine Brüder davon hörten, regten sie sich auf und lachten sie aus. Und als Papas Verwandte es erfuhren, wurden sie bitterböse. Ich konnte gar nicht verstehen, warum sie sich so aufregten.Weil in unserer Familie deswegen so sehr gestritten wurde, beschloß Mama, eine Weile nicht mehr über diese neue Religion zu sprechen. Schließlich wollte sie keinen Streit.Aber Mama hatte sich doch verändert. Sie konnte die herrliche Wahrheit, von der sie gehört hatte, nicht leugnen. Sie bemühte sich sehr, auch meine Brüder davon zu überzeugen, aber sie wollten nicht zuhören. Ich hörte ihr zu. Und ich hatte ein warmes Gefühl in mir, als ich mich am selben Tag taufen ließ wie Mama.Mama wollte mit den Heiligen nach Westen ziehen. Sie hatte kein Geld für ein so großes Unterfangen, aber sie hatte großen Glauben und wußte, daß ihre Gebete erhört werden würden.Dann fand sie eine Möglichkeit, wie ich nach Zion gelangen konnte. Eine ältere blinde Frau brauchte eine Begleiterin, die mit ihr die vielen, vielen gefährlichen Meilen bis in die Berge Utahs ging. Und so kam es, daß ich meine Mutter und meine Geschwister verließ und ohne sie den weiten Weg antrat.Als ich aufbrach, liefen mir die Tränen über das Gesicht. Ich nahm all meinen Mut zusammen und ergriff die Hand der alten Frau und ging los.Meine Augen wurden ihre Augen. Ich führte sie durch das, was ich sah, und sie führte mich mir der Weisheit ihres langen Lebens. Wir gingen jeden Schritt durch den Staub und Schmutz des schwierigen Wegs gemeinsam. Nach vielen langen, anstrengenden Tagen und Wochen und Monaten kamen wir endlich an!Aber ich fühlte mich einsam! Ich war in Zion, dem Ort des Friedens und der Ruhe für die Heiligen. Eigentlich hätte ich glücklich sein müssen, aber ich vermißte meine Familie.Die blinde Frau behielt mich bei sich, und ich führte ihr den Haushalt. Ich bemühte mich sehr, alles gut in Ordnung zu halten, aber sie war kein Ersatz für meine Familie. Ich mußte immer an Mama denken.Ich wußte, sie würde kommen. Irgendwie würde sie es schaffen, nach Zion zu gelangen.Immer wenn ich hörte, daß ein Wagenzug ins Salzseetal kam, hielt ich Ausschau nach der Staubwolke am Horizont, die die Wagen ankündigte. Dann lief ich zum Zaun und kletterte so hoch hinauf, wie ich konnte. Erst ganz allmählich konnte ich in der Staubwolke die Wagen und die Tiere und die Menschen ausmachen.Ich sah die Frauen, die vorübergingen, genau an. Mannas Haare haben die gleiche Farbe, aber das ist nicht Mama. Da hinten ist eine Frau, die so geht wie Mama, aber auch sie ist nicht meine Mama. Konnte die Frau, die das Gespann lenkte, Mama sein? Nein, nein, nein. Immer wenn eine Gruppe ankam, dachte ich: Jetzt muß Mama mit meinen jüngeren Geschwistern dabeisein.Ich suchte und suchte, und Zweifel befielen mich. Niemand lächelte mir zu. Niemand kam auf mich zugelaufen, um mich in die Arme zu schließen. Die Wagen rollten vorüber, und das Herz war mir schwer. Immer wieder wurde ich enttäuscht, und mir liefen die Tränen über das Gesicht, bis ich keine Tränen mehr hatte.Zwei lange, schwere Jahre vergingen, bis Mama endlich kam. Als sie kam, traute ich meinen Augen kaum. Sie war völlig erschöpft und von Staub bedeckt. Fast hätte ich sie nicht erkannt. Aber sie erkannte mich, obwohl ich ganz schön gewachsen war.Ich lief auf sie zu, so schnell ich konnte. Ich umschlang sie mit den Armen und weinte – aber diesmal vor Freude. Endlich war sie in Zion. Ich war nicht mehr allein. Zusammen waren wir zu Hause. Endlich hatte ich das Gefühl, daß ich wirklich in Zion war.   
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<title>Helden und Heldinnen</title>
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Ellen Pucell UnthankDie zehnjährige Ellen Pucell weigerte sich, noch einen einzigen Schritt weiterzugehen. Über endlose Tage und endlose Kilometer hinweg hatte sie sich über die schneebedeckte, kalte Erde geschleppt. Die unbarmherzige Kälte drang durch ihre zerlumpte Kleidung hindurch, und die Schmerzen in ihren Füßen waren unerträglich geworden. Jetzt setzte Ellen, die von allen Nellie gerufen wurde, sich zitternd hin und konnte nicht mehr weiter. Ihre ältere Schwester Maggie redete ihr zu, doch wieder aufzustehen. Doch während ihre Freunde sich erschöpft weiterschleppten und ihre Handkarren mühsam durch den Schnee zogen, bliebNellie weiter sitzen, unfähig, die steifen Beine zu bewegen.Maggie flehte ihre jüngere Schwester an, doch mit ihr weiterzugehen, damit sie nicht hinter den anderen zurückblieben. Als ihre Hoffnung, die anderen noch einzuholen, schon fast geschwunden war, kam ein Pferdewagen auf sie zu. Der Fahrer, einer der Anführer, der das Glück hatte, einen Wagen zu besitzen, hielt an, um die Mädchen zu fragen, was los war. Maggie erklärte die Lage, und Nellie wurde hinten auf den Wagen gehoben, wo ihre Füße über den Rand hingen. Dann eilten sie den anderen nach.Nellie war im Mai 1856 mit ihrer Familie mit einer großen Gruppe Heiliger der Letzten Tage aus Liverpool abgereist. Nach der sicher verlaufenen Seereise mit dem Schiff Horizon waren sie in Boston angekommen und von dort mit dem Zug nach Iowa weitergereist. Von dort aus war Nellie mit ihren Eltern und ihrer Schwester Maggie und fünfhundert weiteren Pionieren zum Salzseetal aufgebrochen, wo sie sich Frieden und eine neue Heimat erhofften. Da die meisten zu arm waren, um sich einen Pferdewagen zu leisten, hatten sie sich kleine, zweirädrige Karren gebaut, die sie selbst zogen, Sie konnten nur das Allernotwendigste mitnehmen, Extra Bettzeug, Kleidung, Haushaltsgüter und sogar extra Lebensmittel mußten zurückbleiben.In den ersten Wochen hatte die Handkarrenabteilung noch gutes Wetter gehabt, aber im Oktober hatten frühe Schneestürme und die bittere Kälte ihnen das Fortkommen erschwert.Nellies Familie litt genauso wie die anderen. Ihre Mutter wurde krank und mußte einige Zeit im Handkarren gezogen werden. Nellies Vater fiel in einen der Flüsse, die sie überqueren mußten, und weil er keine trockene Kleidung hatte und sich auch nirgends aufwärmen konnte, zog er sich eine schwere Erkältung zu. Die Familie hatte immer weniger zu essen, und der Schnee deckte alles zu, womit sie ein Feuer hätten anzünden können.Nellies Vater starb am 22. Oktober 1856 vor Hunger und Kälte. Fünf Tage später starb auch ihre Mutter. Sie mußten im Schnee begraben werden, da der Boden fest gefroren war. Nellie und Maggie gingen erschöpft und traurig allein weiter. Sie sahen zu, wie immer mehr von ihrer Abteilung starben und das Wetter immer unbarmherziger wurde.Eines Tages, als Nellie und ihre Schwester gerade den Anfang ihrer Abteilung bildeten, tauchten zwei Männer auf und winkten ihnen näherzukommen. Erst weigerten die Mädchen sich, hatten dann aber den Eindruck, daß die Männer ihnen nichts Übles wollten. Sie gaben Nellie etwas Geld und sagten ihr, sie solle sich am Trapper-Handelsposten, zu dem sie bald kommen mußten, etwas zum Anziehen für ihre Füße kaufen. Nellie nahm das Geld dankbar an und freute sich, daß sie ihre bloßen Füße, die vor Kälte schon lange völlig empfindungslos waren, wieder bedecken konnte.In Salt Lake City hatte Präsident Brigham Young um Freiwillige gebeten, die der Handkarrenabteilung entgegenfuhren. Als die Freiwilligen endlich bei Laramie in Wyoming auf die Abteilung stießen, fanden sie die Bmitleidenswerten fast unter dem Schnee begraben. Neue hatte schwere Erfrierungen an den Füßen, Die Rettungsgruppe nahm sie und die übrigen von ihrer Gruppe im Wagen mit; sie kamen am 30. November in Salt Lake City an. Fast jeder in der Handkarrenabteilung hatte schwere Erfrierungen an Füßen, Händen und Ohren, und fast allen waren Angehörige oder Freunde gestorben.Der Arzt mußte Nellies Füße amputieren. Es war keine Haut da, mit der der Knochen hätte bedeckt werden können, und so blieben ihr schmerzhafte Wunden, die nie ganz verheilten.Nellie und ihre Schwester zogen später nach Cedar City südlich vom Salzseetal. Hier heiratete Nellie William Unthank, und hier zog sie auch ihre sechs Kinder auf. Nellie kroch auf einer Lederschürze, die sie sich unter die Beine legte, durch ihr kleines Haus, um es sauberzuhalten.Nellie nahm bereitwillig alle möglichen Arbeiten an, um zum Familienunterhalt beizutragen. Unter anderem wusch sie bei sich zu Hause für andere Leute die Wäsche und fertigte Gegenstände an, die sie verkaufte. Wenn ihr jemand Lebensmittel oder Hilfe anbot, bestand sie immer darauf, eine Gegenleistung zu erbringen. Zum Zeichen ihrer Dankbarkeit ging sie einmal im Jahr mit allen ihren Kindern das Gemeindehaus putzen. Während die Jungen das Wasser herantrugen, putzten die Mädchen die Fenster, und Nellie schrubbte die Fußböden.William schnitzte seiner Nellie hölzerne „Füße”, aber sie schmerzten nur an ihren Stümpfen, die nicht heilten. Später bekam Nellie Holzbeine geschenkt, aber sie trug sie nur zu besonderen Anlässen, da sie die Schmerzen, die sie sowieso ständig hatte, nur verschlimmerten.Trotz Armut und Schmerzen beklagte Nellie sich nur selten. Sie hatte in allem Leid den himmlischen Vater kennengelernt. Nellie wußte, daß sie sich auf den Herrn verlassen konnte, hatte sie doch für ihre bloßen Füße Schuhe geschenkt bekommen; als sie nicht mehr weiterkonnte, war ein Wagen gekommen, und ihr Leben lang hatte ihr in aller Bedrängnis immer wieder jemand geholfen.Sharon Bigelow, der Kinderstern Oktober 1986 
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<title>Ein guter Handel</title>
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Es war Frühling. Die roten sandigen Berge rund um den Ort Kanab in Utah leuchteten im warmen Sonnenschein. Die Knaben freuten sich, daß sie ihr Vater mit einem Auftrag in das mehrere Kilometer vom Fort entfernte Indianerlager geschickt hatte. Es machte Spaß, mit den Ponys durch den grüngrauen Beifuß zu reiten, anstatt den Gemüsegarten zu jäten, was sie hätten tun müssen, wenn sie zu Hause geblieben wären.Sie führten ein Pferd zum Tausch zu den Indianern und sprachen während des Rittes wenig; beide freuten sich an diesem milden Frühlingsmorgen an der Schönheit der Welt rundum. Es war schön zu leben!Ein alter Navajohäuptling, genannt Frank, kam heraus und begrüßte die Knaben, als sie in das Lager ritten. Am Vortag hatte er ihrem Vater gesagt, er wolle ein gutes Pferd, und so hatte er erwartet, daß jemand damit kommen würde. Häuptling Frank half den Knaben von ihren Ponys, schaute kurz das Pferd an, das sie ihm zum Tausch gebracht hatten und zeigte dann auf eine Anzahl Decken in einiger Entfernung.Die Farben und Muster der Decken waren besonders schön, aber der 10-jährige Jakob hatte seinen kleinen Bruder Walter darauf aufmerksam gemacht, daß sie wie Erwachsene auftreten und sich überzeugen müßten, daß ihr Handel gut sei. Sie schüttelten den Kopf und Jakob erklärte dem Häuptling, er müsse mehr haben für das Pferd, das er ihm gebracht hatte.Der alte Indianer zögerte nur einen Augenblick und brachte dann zwei Büffelkleider und mehr Decken. Die Knaben staunten mit weitoffenen Augen über die Schönheit und die Anzahl der Decken, die sie erhalten hatten. Sie rollten sie zusammen, legten die Rollen über ihre Ponys und ritten heim, sehr stolz über den guten Handel, den sie gemacht hatten.Vater wartete, als sie in den Hof kamen. Er machte große Augen, als er die schweren Lasten von den Ponys hob und die Decken entrollte, aber er sagte nichts. Er besichtigte die Decken und Kleider sorgfältig, während er sie in zwei Haufen teilte. Sie erwarteten, daß er sprechen würde, aber er arbeitete schweigend. Als er fertig war, rollte er die Decken des einen Haufens sorgfältig zusammen und sagte den Knaben, sie müßten einen Teil ihres Handels wieder zurückbringen.Der Tag schien für Jakob und Walter dunkel, als sie zum Indianerlager zurückritten. Sie fragten sich, wie sie überhaupt erklären könnten, warum sie dort waren. Aber Häuptling Frank begrüßte sie mit einem warmen Lächeln. Er hob seine alten Arme, um die Deckenrolle entgegenzunehmen, und sagte dann, bevor die Knaben irgendetwas erklären konnten: „Ich wußte, daß euer Vater nicht so viele behalten würde. Er sorgt sich um uns. Er ist auch für uns ein Vater.”Plötzlich schien der Frühlingstag wieder strahlend und schöner denn je, als die Knaben zu begreifen anfingen, was für ein weiser und geliebter Mann ihr Vater Jakob Hamblin (bekannt als der Apostel der Indianer, 1819- 1886) wirklich war.(Eine wahre Geschichte, nacherzählt von Lucile C. Reading), Oktober 1970
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Tom und Betsy kauerten am Bach und schrubbten das Frühstücksgeschirr mit reinem weißen Sand, als sie hörten, wie Brigham Young die Heiligen zum Hauptplatz rief. Es blieb ihnen kaum Zeit, die Teller in dem heißen Wasser nachzuspulen, das Mutter schon bereit hatte, da sammelten sich schon an die fünftausend Heilige im Lager am Sugar Creek in Iowa, um zu hören, was Brigham Young, ihr Führer, zu sagen hatte. Seine Botschaft war kurz: „Ich schlage vor, daß wir weitermarschieren. Alle, die möchten, sollen mir folgen.”Tom war außer sich vor Freude. Er nahm Betsy bei der Hand, schwang sie herum und rief: „Wir gehen nach Westen! Endlich gehen wir nach Westen!” Plötzlich hielt er inne und sagte: „Wir können gar nicht gehen – Papa ist ja nicht da!”Toms Mutter sah die Enttäuschung in seinen Augen. „Papa dürfte morgen kommen”, meinte sie. „Er wollte heute mit seiner Arbeit in St. Joseph fertig sein, und wenn wir alles bereit haben, können wir aufbrechen, sobald er da ist.”Da war Tom wieder froh, und als Brigham Young das Zeichen zum Abmarsch des Fünfhundertwagenzuges gab, winkten er und Betsy ihren Freunden und Nachbarn zum Abschied. Sobald der Zug außer Sicht war, rannten sie zurück zur Mutter und fragten, was sie tun sollten, um alles fertigzumachen.„Du kannst die Butter stoßen”, sagte die Mutter zu Betsy.Während Betsy die Butter stieß, füllte Tom das Wasserfaß und zurrte es außen am Wagen fest, damit die Familie Wasser hatte, wenn sie nicht an einem Bach oder bei einer Quelle lagern konnte. Als Tom vom Bach heraufkam, sah er ein Gespann ins Lager fahren.„Es ist Papa!” rief er, ließ den Eimer stehen und lief ihm entgegen.„Können wir jetzt nach Westen gehen, wo du hier bist?” fragte Tom. „Mehr als die Hälfte der Leute ist schon weg.”Toms Vater lachte. „Heute nachmittag noch nicht. Ich habe in St. Joseph einen zweiten Wagen und ein Gespann Ochsen gekauft, darum bin ich schon jetzt da. Aber die Männer, mit denen ich unterwegs war, kommen erst morgen an. Im Wagen sind Mais und Weizen, und wir müssen erst eine Abdeckung machen.”„Wer wird den neuen Wagen fahren?” fragte Tom.„Deine Mutter wird es schon schaffen”, erwiderte der Vater.„Ich könnte es auch”, warf Tom ein.Einen Augenblick lang sagte Toms Vater nichts, aber dann meinte er: „Du hast recht. Du darfst es mal versuchen.” Und bevor die Ochsen noch ausgespannt waren, zeigte ihm der Vater, wie er die Zügel zu halten hatte und wie man mit der Peitsche knallte, so daß die Ochsen angetrieben wurden, ohne daß man ihnen weh tat.Tom war so ungeduldig, den Wagen zu fahren, daß er den ganzen Nachmittag wie besessen arbeitete, damit sie am nächsten Tag auch wirklich früh aufbrechen konnten. Er legte die sechs Holzleisten, die der Vater aus St. Joseph mitgebracht hatte, ins Wasser, bis sie weich und biegsam waren, und dann half er dem Vater, sie an der einen Seite des Wagens zu befestigen, zu biegen und auch an der anderen Seite festzumachen. Gemeinsam zogen sie das schwere Segeltuch über die Streben und spannten es, bevor sie es zu beiden Seiten des Wagens festbanden.Dann half Tom dem Vater eine große Proviantkiste bauen. Dahinein kamen das Geschirr und die Lebensmittel, die sie jeden Tag brauchten. Die großen Eisenkessel hängten sie hinten an den Wagen. Als die Mutter den Teig fertig hatte, formte sie Laibe, und Betsy machte kleine Brötchen, die in einem Topf über der Glut gebacken wurden.Am nächsten Morgen stand Tom schon ganz früh auf. Er war zu aufgeregt, um zu schlafen, und dachte nur daran, daß er den Wagen lenken würde. Endlich waren die Fuhrwerke fertig, und er kletterte neben seine Mutter auf den Bock und wartete auf das Abmarschzeichen für den kleinen Zug von zweiunddreißig Wagen.Endlich kam das Zeichen, und Toms Wagen setzte sich mit einem Schnalzen der Zügel und einem Peitschenknall in Bewegung. Es war das erste Mal, daß er einen Wagen lenkte, und er war so angespannt, daß er gar nicht merkte, wie hell die Sonne schien und wie warm es schon wurde. Er hatte nicht einmal gemerkt, daß die Mutter ihren warmen Wintermantel ausgezogen und sich ein Schultertuch umgelegt hatte. Er wußte nur, daß er öfter mit der Peitsche knallen mußte, damit die Ochsen anzogen. Doch plötzlich merkte er, warum es so langsam voranging: Der Boden taute auf, und die Räder sanken immer tiefer in die weiche Erde. Die Ochsen mußten sich immer mehr plagen, das Fuhrwerk zu ziehen.Tom hatte schon Angst, daß sie den Wagenzug, mit dem sie Sugar Creek verlassen hatten, bis zum Abend nicht mehr einholen würden. Doch am späten Nachmittag war er erleichtert und erstaunt, als er plötzlich Stimmen hörte und wußte, daß das Lager nicht mehr weit sein konnte. Mit leiser Stimme redete er den Ochsen gut zu: „Hüh”, sagte er. „Hüh weiter!” Und die Tiere zogen, als verständen sie jedes Wort. Sie legten sich so ins Zeug, daß die Räder wieder leichter rollten, und kurz darauf war Tom im Lager, umringt von bewundernden Freunden.„Bist du wirklich den ganzen Weg von Sugar Creek hierher gefahren?” fragte einer.„Du hast's gut!” rief ein anderer. „Wenn nur mein Vater mich auch fahren ließe!”Plötzlich fing es an zu regnen. Zuerst war es nur ein leichtes Nieseln, das Tom nichts ausmachte, als er die Kuh molk und seinem Vater mit den Ochsen half, aber später, als sie das Zelt aufstellten, goß es in Strömen, und der eisige Regen schnitt in die Haut wie tausend Klingen, während der Wind ihnen die Zeltplane aus den Händen riß.&amp;nbsp;„Wir müssen ohne Zelt auskommen”, entschied Toms Vater schließlich.„Aber du und Mama - wo werdet ihr schlafen?” fragte Tom. „Mein Wagen ist so beladen, daß darin kein Platz ist.”„Du kannst mit Betsy und Mama im anderen Wagen schlafen”, erwiderte der Vater. „Ich lege mich unter den Wagen.”„Unter dem Wagen schlafe ich”, sagte Tom leise.Der Vater antwortete nicht gleich, doch Tom spürte am Druck seiner Hand, daß er stolz auf ihn war.Schließlich sagte der Vater: „Ich helfe dir Reisig suchen, damit du eine Unterlage hast und nicht im Morast liegst.”Tom war froh, als sie endlich genug Reisig hatten, denn es war schwierig, die Äste im peitschenden Regen von den Bäumen zu schneiden. Auf das Reisig legten sie die Zeltplane, und zwar so, daß Tom die Enden noch über den Schlafsack schlagen konnte, damit er nicht naß wurde.Als das Nachtlager fertig war, schlüpfte Tom hinein. Im ersten Moment war es furchterregend, so allein im Sturm zu sein. Noch nie hatte er so lauten Donner gehört, und die Blitze schlugen so nah ein, daß er in den getroffenen Baumkronen kleine Flammen züngeln sah. Er wußte zwar, daß der heftige Regen das Feuer gleich löschte, aber er fürchtete sich trotzdem. „Was ist, wenn der Blitz den Wagen traf, in dem die anderen schliefen”, dachte er. Am liebsten hätte er den Vater gerufen, doch schämte er sich zu sehr, seine Angst zu zeigen.„Ich werde den himmlischen Vater bitten, daß er mir hilft”, sagte er sich. Und das tat er auch. Fast hoffte er, das Gewitter würde durch sein Beten sogleich aufhören, doch er wurde erhört, indem auf einmal seine Angst verflog.Und dann begann ihm das Gewitter sogar zu gefallen. Es war wie ein riesiges Feuerwerk. Statt zu schlafen wollte er wach bleiben, damit er nichts versäumte. Da der Sturm aber die ganze Nacht andauerte, fielen ihm schließlich doch die Augen zu, und er schlug sie erst wieder auf, als er merkte, daß seine Füße im Wasser lagen. Der kleine Bach, neben dem sie lagerten, hatte sich über Nacht in einen reißenden Fluß verwandelt.Aufgeregt rief er den Vater: „Der Bach geht über, und die Hinterräder stehen schon im Wasser!”Toms Vater sprang aus dem Wagen, sah, was los war und half Tom den Schlafsack mit der Zeltplane bergen. Dann spannten sie alle vier Ochsen an und zogen den Wagen aus dem Wasser. Der Boden war so glitschig, daß die Tiere kaum Halt fanden.„Wir müssen Baumstämme auf den Boden legen”, sagte der Vater. Sie fällten etliche Bäume, schnitten alle Aste ab und legten sie, einen neben den anderen, vor den Wagen. Dann banden sie sie mit Weidenruten aneinander fest, damit sie nicht wegrollten. Als das geschehen war, bedeckten sie die Stämme mit Piniennadeln und Präriegras, damit die Ochsen nicht mit den Hufen in die Spalten zwischen den Stämmen glitten.Endlich konnten sie die verängstigten Tiere auf den nunmehr befestigten Weg treiben und den Wagen erneut anhängen. Beruhigend redete der Vater auf das Gespann ein: „Hüh, hüh weiter!”Die Ochsen zogen, die schweren Wagenräder rollten aus dem Morast, über die Stämme und hinauf zum Weg, auf dem das Israelslager am Morgen weiterziehen wollte.Tom rief „Hurra!”, und er sah am Blick seiner Mutter, daß sie auf ihre beiden Männer stolz war. Mary Pratt Parrish, Juni1985
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<title>Ein Halfpenny und eine Perle</title>
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 Im Frühjahr 1840 unterwiesen Missionare der Kirche den 24jährigen John Borrowman im Landkreis Lanark in Ontario im Evangelium. Als er das Evangelium hörte, wußte er sofort, daß es wahr ist. Doch sein Zeugnis war gleich mit einem Opfer verbunden — dem ersten der vielen wichtigen Opfer, die er für das Evangelium bringen mußte.John Borrowman beriet sich mit seinem Vater darüber, ob er sich der Kirche anschließen sollte. William Borrowman war fest entschlossen, seinen Sohn von dem Entschluß abzubringen, sich taufen zu lassen. Nachdem die beiden mehr als zwei Tage diskutiert hatten, drohte William Borrowman seinem Sohn, er werde sein Erbteil den Hof der Familie — verlieren, wenn er sich den Heiligen der Letzten Tage anschließe. Als ältester lebender Sohn war John der rechtmäßige Erbe des Hofes, wo er sein ganzes Leben lang Seite an Seite mit seiner Familie gearbeitet hatte Noch schlimmer aber war, daß John auch auf den Kontakt zu seinem Vater verzichten mußte, und das war für ihn eine schreckliche Vorstellung, denn er liebte seine Familie sehr.Doch trotz dieser schwierigen Entscheidung blieb Johns Begeisterung für seinen neuen Glauben ungebrochen. Für ihn war das Licht des Evangeliums wie die Sonne über der Welt aufgegangen und zeigte deutlich, daß nun alle Menschen errettet werden konnten. Deshalb ließ er sich am 7. Juni 1840 taufen — trotz des Kummers, den er wegen des Widerstandes seines Vaters und des Verlustes seines wertvollen Erbes empfand. Wie der Kaufmann in Matth:äus 13:45,46, der alles verkaufte, was er besaß, um dafür eine besonders wertvolle Perle zu erwerben, mußte John Borrowman auf alles verzichten, was er besaß, um Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu werden. Er zog zu einer seiner älteren Schwestern und ihrer Familie, wo er bis 1843 blieb. Dann wanderte er nach Nauvoo in Illinois aus, wo er sich den dortigen Mitgliedern anschloß.Missionsarbeit und AuswanderungIn Nauvoo arbeitete John Borrownan als Zimmermann am Tempel. Dann wurde er nach Kanada auf Mission berufen, wo er und James Park, sein Mitarbeiter, in der kleinen Grenzstadt Brooke im Landkreis Keilt in Ontario das Evangelium verkündigten, das begeistert aufgenommen wurde. Schon bald hatten sich 250 Menschen taufen lassen.Die Missionare forderten die neuen Mitglieder auf, nach Nauvoo zu ziehen. Daher richteten sie im Frühjahr 1845 Wagen und Gespann für die Auswanderung her. Der Weg, der aus ihrer kleinen Stadt hinausführte, war kaum breiter als ein Trampelpfad, deshalb mußten sie Bäume füllen und so Platz für eine Straße schaffen. Die Begeisterung der neuen Mitglieder für den Zug nach Nauvoo war so groß, daß die Straße den Namen „Nauvoo Road” bekam, den sie übrigens heute noch trägt.Als der Zug in Nauvoo ankam, waren die Mitglieder gerade eifrig damit beschäftigt, den Tempel fertigzustellen. Aber es zeigte sich ziemlich bald, daß der Pöbel die Mormonen niemals in Frieden dort wohnen lassen würde. Als der Tempel fast fertig war, empfingen viele Mitglieder die Begabung, und im Februar 1846 zogen sie über den zugefrorenen Mississippi in das sichere Iowa.Beim Mormonenbataillon1846 bat die Regierung der Vereinigten Staaten Präsident Brigham Young in Council Bluffs, fünfhundert gesunde Männer zur Bildung eines Bataillons zur Verfügung zu stellen, das nach Kalifornien ziehen sollte, um dort während des Mexiko-Krieges für Schutz zu sorgen. John Borrowman nahm die Berufung an und trug sich als Soldat für die Kompanie B ein. Bei der Abschiedsversammlung prophezeite Präsident Young den Männern im Mormonenbataillon, sie würden sich dem Feind niemals in der Schlacht stellen müssen. Diese Prophezeiung bewahrheitete sich auch, obwohl alle Anzeichen dagegen gesprochen hatten. Trotzdem hatten die Männer viele Schwierigkeiten zu bewältigen. Am schlimmsten waren wohl die öden Berge, wo es wenig Wasser und Nahrung gab. Doch trotz der schwierigen äußeren lJmstände folgten die Männer ihren Führern tapfer und treu nach. Wie Brigham Young prophezeit hatte, mußten sie sich keinem einzigen Gegner in der Schlacht stellen. Allerdings gerieten sie an eine Herde wütender Büffel; diese Begegnung nannten sie die „Bullenschlacht”.Die Männer waren oft hungrig und durstig, weil sie nicht genug Vorräte hatten. Sie schlugen sich einen schmalen Weg frei (manchmal nur wenige Zentinreter breiter als die Wagen), während sie die gefährlichen Schluchten der unwirtlichen Berge im Südosten durchquerten. Wie sehr freuten sie sich, als sie endlich die sanften Hänge erreichten, von wo aus sie bald der ersten Blick auf den Pazifik werfen konnten.Dann widerfuhr John Borrowman ein Mißgeschick — er sollte Wache halten und schlief dabei vor Erschöpfung ein. Er nickte zwar nur für wenige Sekunden ein, wurde aber von einem aufmerksamen Feldwebel angezeigt. Zu Kriegszeiten war das ein Vergehen, das mit dem Tode bestraft werden konnte. Die Mormonensoldaten unterstanden ihren Militärvorgesetzten und dem Militärgesetz, und John Borrowman wurde auf der Stelle ins Gefängnis geworfen. Während der nächsten Wochen las er im Buch Mormon eines Freundes und fand darin großen Trost.Nach seiner Freilassung stellte sich heraus, daß es sich bei der Freilassung um einen Irrtum gehandelt hatte. John ging nur zögernd wieder ins Gefängnis zurück. Er schrieb in sein Tagebuch, daß er einsam sei und es ihm nicht gut gehe, denn „ich habe kein Bettzeug ... außer meiner Decke und muß auf dem kalten, feuchten Lehmboden schlafen”. (Tagebuch von John Borrowman, 1846-1860, Geschichtsabteilung der Kirche.) Als sein Fall vor Gericht verhandelt wurde, wurde er zu drei weiteren Tagen Arrest verurteilt, von denen er jeweils drei Stunden in einer Gefängniszelle verbringen mußte. Außerdem sollte er für diese drei Tage keinen Lohn bekommen. John war zwar froh, daß er am Leben blieb, empfand die Strafe jedoch als zu hart und bat den Herrn, ihn davon zu befreien. Sein Beten wurde auf ungewöhnliche Weise erhört. Als der zuständige Oberst nämlich von diesem Urteil erfuhr, fand er es viel zu milde.Aber es lag nicht in seiner Macht, Widerspruch dagegen einzulegen. Deshalb ignorierte er es einfach, indem er sagte, keine Strafe sei besser als eine so leichte Strafe. John verstand dies als Antwort auf sein ernsthaftes Beten.Auf Gold verzichtenNach seiner ehrenvollen Entlassung aus dem Mormonenbataillon verkaufte John sein Pferd und buchte eine Überfahrt nach San Francisco in Kalifornien. Dort fand er ein kleines Gemeinwesen mit Mitgliedern, die ihm eine Arbeit für zwei Dollar am Tag besorgten. Nach mehreren Monaten machte er sich in Richtung Osten auf, um sich den Mitgliedern im Salzseeaal anzuschließen. In der Nähe von Sacramento hörte er, daß weitere ehemalige Mitglieder des Mormonenbataillons an einem Ort namens Sutter's Mill arbeiteten und daß man dort Gold gefunden hatte. So wurde John Goldsucher. Er schrieb in sein Tagebuch, daß er jeden Tag Gold im Wert von 25 his 60 Dollar wusch. Verglichen mit seinem vorherigen Arbeitslohn war das ein richtiges Vermögen.Doch als Brigham Young die Mitglieder des Mormonenbataillons aufrief, umgehend nach Salt Lake City zu kommen, gaben John und seine Freunde die lukrative Goldsuche sofort auf und machten sich auf den anstrengenden Weg durch die Berge der Sierra Nevada hinunter ins Salzseeaal. Dort bekam John Borrowman ein Stück Land außerhalb der Stadt zugeteilt, wo er voller Energie begann, einen schönen Hof aufzubauen, der sogar ein Bewässerungssystem hatte.Kurz und knapp schrieb John am 22. Januar 1849 über seine Eheschließung in sein Tagebuch: „Ich habe seit dem 2. dieses Monats keine Zeit mehr zum Schreiben gehabt, .. . weil ich so sehr damit beschäftigt war, alles mögliche für den Haushalt zu besorgen. Am Abend des 9. habe ich geheiratet und bin in ein kleines Lehmziegelhaus gezogen, das Bruder Turbit gehört. Dort wohne ich jetzt mit meiner Frau.&quot; (Tagebuch von John Borrowman.)Ein weiteres Opfer für eine neue SiedlungJohn Borrowman und seine Frau, Agnes Park, bekamen fünf Kinder. 1853 verließen sie ihren gutgehenden Hof in Sah Lake City, weil sie auf eine Mission nach Nephi berufen worden waren (etwa 131 Kilometer südlich von Sah Lake City), wo sie Land besiedeln sollten. Laut einem Artikel, der in der dortigen Zeitung veröffentlicht wurde, entwickelte sich John zum geachteten Bürger des kleinen Gemeinwesens. Er fungierte zum Beispiel als Staatsanwalt und später als Kommunalrichter. 1869 wurde er auf eine zweite Mission nach Kanada berufen und ließ seine Familie zwei Jahre lang allein. Es läßt sich belegen, daß John Borrowman während seines Lebens an mehr als 1100 Bekehrtentaufen beteiligt gewesen ist.Johns ErbeWilliam Borrowman verzieh seinem Sohn nie, daß er sich der Kirche angeschlossen hatte. Er sorgte dafür, dass John in der Familie niemals als Bruder oder Onkel bezeichnet wurde. Johns Stiefmutter, Helen, jedoch blieb die ganzen Jahre über mit ihm in brieflicher Verbindung. 1857 schrieb sie ihm, daß sein Vater gestorben war und angewiesen hatte, John als ganzes Erbe einen Halfpenny zu geben (was dem Wert von etwa fünf Cents entsprach).Im Laufe seines Lebens gab John seinen Anspruch auf einen blühenden Hof in Kanada auf, den sicheren Gewinn in den Goldfeldern Kaliforniens und den Hof in Salt Lake City, den er selbst aufgebaut hatte und das alles ohne sichtbares Bedauern. Wann immer und wohin immer der Herr ihn berief — wie so viele andere Mitglieder folgte auch John Borrowman diesem Ruf ohne Zögern.Bei der Beschäftigung mit dem Leben meines Ur-Urgroßvaters habe ich mich gefragt, was er wohl empfunden haben mag, als er sein Erbe erhielt. Ich glaube, die folgende Schriftstelle macht am besten deutlich, wie sehr er bereit war, sich dem Volk des Herrn anzuschließen:„Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.” (Matthaus 13:45,46.) Jerry Borrowman, Mai 1997  
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<link>http://www.diarius.de/Mormonen/11274/</link>
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<title>Meerrettich zu Weihnachten</title>
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1846 in Nauvoo machte Papa den besten Meerrettich der ganzen Gegend. Darüber waren sich sogar unsere Nachbarn einig, die nicht leicht in irgendeiner Sache eins wurden. Wenn ich Meerrettich rieche, denke ich immer an Papa und meine Heimat in Illinois.Als die Schüsse fielen und unsere Scheune abbrannte, sammelte Papa uns alle um sich. Mit ruhigen und ermutigenden Worten sagte er, wir sollten immer daran denken, daß der himmlische Vater uns beschützen und führen würde. Der Flammenschein hinter uns erleuchtete uns den Weg durch die Nacht, als wir flüchteten. Unsere Familie schloß sich an diesem Abend mit vielen anderen Heiligen zusammen, und wir machten uns mit unseren Habseligkeiten auf dem Rücken auf den Weg. Als wir nach ein paar hundert Kilometern Council Bluffs in Idaho erreichten, waren wir zwar erschöpft, aber immer noch guten Mutes. Allerdings waren viele wegen spärlichen Rationen halb krank.Da wurde Papa ins Mormonenbataillon berufen. Nach einer gebeterfüllten Nacht und Tanz und Unterhaltung am nächsten Tag marschierten die Männer fort.Die darauffolgenden Wochen und Monate waren schwer. Mutter, die kleine Amy, Ruth und ich schafften es mit der Hilfe ein paar guter Freunde irgendwie, über den meilenbreiten Missouri nach Winter-Quarters zu kommen. Wir zogen in eine Hütte mit einem Fußboden aus Lehm und einem Dach aus Grasziegeln. Einem Vergleich mit unserem schönen weißen Farmhaus zu Hause konnte diese Hütte freilich nicht standhalten.Das schlechte Essen, die vielen Stunden schwerer Arbeit und besonders Papas Abwesenheit raubten einem leicht den Mut. Wenn aber Mamas müde Augen in die meinen blickten und sie dabei lächelte, fühlten wir uns beide aufgemuntert und sagten: „Im Frühling nach Westen!” Dann fing sie immer an, Papas liebste Schriftstellen zu zitieren, und bald sangen wir alle miteinander Kirchenlieder.Eines Tages war ich auf der Jagd und verfolgte eine Fährte um die Ecke eines alten, verlassenen Forts, als mein Blick auf ein Büschel Blätter fiel. Ich blieb stehen, bückte mich – und zog einen riesigen Meerrettich aus der Erde. Ich zerquetschte die Wurzel, und der scharfe Geruch drang mir in die Nase, so daß mir die Tränen kamen. Ich dachte an Papa, der so weit weg war, und mußte mit den Tränen kämpfen. „Verflixter Rettich”, murmelte ich.Dann kniete ich mich nieder und betete: „Bitte beschütze Papa und laß uns bald wieder zusammen sein. Bitte segne Mama. Sie wird jeden Tag schwächer. Und bitte hilf mir, damit ich unsere Familie sicher nach Westen führen kann.”Ich sammelte soviel Rettich, wie ich tragen konnte, und machte mich mit der ersten Ladung auf den Heimweg.Mama war bei einer Nachbarin, die Fleckfieber hatte, und half ihr. Inzwischen rieb ich den Meerrettich, wie Papa es mir gezeigt hatte.Als Mama hereinkam und den starken, vertrauten Geruch wahrnahm, leuchtete ihr Blick plötzlich auf. Sie blickte erwartungsvoll um sich und dachte einen Moment lang, Papa sei durch irgendein Wunder nach Hause gekommen. Dann aber breitete sich Enttäuschung auf ihrem Gesicht aus, und sie ließ sich auf die einfache Bettstatt fallen und weinte sich aus.An jenem Abend aßen wir keinen Rettich – er weckte zu sehr die Sehnsucht nach Papa. Beim Essen sagte keiner viel, und die Mädchen verstanden nicht, was los war, wenn Mama hin und wieder eine Träne beiseite wischte.Als ich am Morgen aufstand, hatte Mama den Rettich bereits in Einmachgläser gefüllt. Wir wollten ihn aufheben, bis wir wieder mit Papa beisammen waren.Der Herbst ging in den Winter über, und ein eisiger Wind wehte den Fluß herab. Den Schnee trieb es schneller durch die Ritzen zwischen den Wandblöcken, als wir sie zustopfen konnten. Krankheit und Fieber suchten Winter-Quarters heim. Als der Frühling kam, waren auf den Hügeln 600 frische Gräber. Meistens waren es Kinder, die starben. Wir lebten von Wild und getrockneten Beeren. Auch Weizen, Milch und Eier teilten wir, wenn wir sie von anderen Heiligen bekamen. Da wir so spät im Jahr nach Winter-Quarters gekommen waren, hatte es keine Gemüseernte gegeben. Damals wußte es niemand, doch der Mangel an Gemüse und die schweren Bedingungen waren schuld daran, daß so viele Malaria und Fleckfieber bekamen.Der Schnee häufte sich zu Bergen, die der Wind dann wieder weiterwehte. Die Temperaturen fielen weit unter Null. Während des Tages versuchten wir, einander zu trösten und aufzumuntern. Viele hatten durch Krankheit Kinder und andere Angehörige verloren. Wir beteten alle viel, und der Geist war so stark, daß wir sangen, „...alles wohl... und wußten, es würde alles gutgehen.Nachts war es schwieriger. Mama, die Mädchen und ich knieten uns zum Beten nieder und krochen dann in die Betten. Nacht für Nacht lag ich wach auf der Matratze, die nach dem süßen Prärieheu duftete und horchte auf Mamas schweren Atem. Ich betete, daß wir es im Frühjahr irgendwie in den Westen schaffen würden.Seit dem Herbst redeten schon alle von Weihnachten, als sei Weihnachten ein Symbol für das Ende unseres schweren Schicksals. „Wenn wir's bis Weihnachten schaffen”, hörte man sagen, „ist alles gewonnen.” Doch ein, zwei Tage vor Weihnachten wurde Mama schwer krank und war so schwach, daß sie kaum aufstehen konnte. Mama hatte versprochen, daß wir zu einem „richtigen” Weihnachtsessen beitragen würden, was wir konnten. Jetzt machte sie sich Sorgen, daß sie beim Kochen nicht würde mithelfen können.Trotz meiner Gebete verlor ich immer mehr den Mut. Wir hatten seit Monaten nichts von Papa gehört. Viele unserer Freunde waren krank, und die Zahl der Gräber auf den Hügeln wuchs täglich. Ich erstarrte bei dem Gedanken, Mama könnte sterben und Papa wüßte nicht einmal davon.Am Weihnachtsabend ging ich hinaus über die öde, gefrorene Erde und kniete mich nieder. Über mir klagte der Wind, und ich hörte die schwarzen Zweige der Bäume im Wind aufeinanderstoßen. Kalte Tränen rannen mir übers Gesicht.„Wie oft muß ich noch beten?” fragte ich voll Schmerz. Plötzlich schämte ich mich. Mir fielen die Worte meines Vaters ein, als vor so langer Zeit unsere Welt in Flammen aufgegangen war. Da begann ich Demut zu empfinden und betete um mehr Glauben.Der Christtag war hell und klar. Nach der Abendmahlsversammlung wurde das Weihnachtsmahl auf langen Tischen gedeckt. Alles wirkte sehr festlich, und es schmeckte herrlich. Mama und ich waren beide beschämt, weil wir als einzige nichts zum Festmahl beigetragen hatten. Plötzlich fielen mir die Einmachgläser mit dem Rettich ein, und ich flüsterte Mama etwas zu. Dann schlüpfte ich aus der Hintertür und lief nach Hause, um die Gläser zu holen.Als ich zurückkam, herrschte große Aufregung. Während meiner Abwesenheit war ein Mann namens Hyrum Randolph gekommen und hatte ein Paket Briefe von den Männern im Bataillon mitgebracht. Mama bekam drei Briefe, und aus allen sprachen Liebe, Hoffnung und Segensworte.Welch ein freudiges Festessen wir doch hatten! Vielleicht habt ihr noch nie Meerrettich zur Weihnachtspute gegessen, doch es schmeckt köstlich. Mama und ich fühlten uns Papa sehr nahe, als wir dieses Mahl genossen. „Sag mal, Kleiner”, sagte Bruder Randolph zu mir. „Was ist denn das in den Gläsern?” „Meerrettich. Selbst gemacht. So gut wie Papas Meerrettich schmeckt er natürlich nicht.”„Sieh mal einer an”, sagte er. „Das ist ja schön, daß ihr Meerrettich eßt. Manche Leute schwören darauf, es sei das beste Mittel gegen das Fleckfieber.”„Dann gleich eine Portion für mich”, rief jemand. Ich sagte ein stilles Dankgebet und lächelte Mama an.„Briefe von Papa und Meerrettich zu Weihnachten”, lachte sie. „Ja”, kicherte ich dazu. Und beide riefen wir: „Im Frühjahr nach Westen!” Ted Sheil, der Freund, Dezember 1981  
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<title>Cathrines Glaube </title>
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 Man schrieb das Jahr 1888. In Colonia Juarez in Mexico war Winter, und die Romneys waren dem Verhungern nahe. Miles, Catherines Mann, war seit Monaten fort; er versuchte, anderswo Arbeit zu finden. Trotz Catherines Umsicht und Sparsamkeit hatten sie fast nichts mehr zu essen. Mit viel Beten durchdachte sie die verschiedenen Möglichkeiten. Dann schickte sie ihren zwölfjährigen Sohn Thomas und ihren vierzehnjährigen Sohn George zum Jagen los. Keiner der Jungen hatte je mit einem Gewehr geschossen, und sie allein in die Berge und in die Wildnis zu schicken, bedeutete, sie einigen Gefahren auszusetzen; aber andernfalls drohte der Hungertod. Sie nahmen die Winchesterbüchse der Familie und gingen frohen Herzens den Spring Creek aufwärts.Ungefähr eineinhalb Kilometer flußaufwärts sahen sie plötzlich einen großen Rehbock. Er war etwa siebzig Meter entfernt und kehrte ihnen die Längsseite zu. George zielte aufgeregt und feuerte.Neugierig wandte der Bock den Kopf und schaute sie an. Anscheinend war er über den Lärm verdutzt. Der zweite Schuß traf ihn direkt zwischen die Augen, obwohl George mitten auf den Körper gezielt hatte.Als ihre Aufregung nachließ, bemerkten sie, daß sie kein Messer bei sich hatten und daß keine Möglichkeit bestand, den Bock nach Hause zu schleppen. George lief nach Hause, um ein Messer zu holen, während Thomas Wache stand. Letzteres war keine geringe Aufgabe, denn er war barfüßig und mußte ständig rennen und gehen, damit ihm die Füße nicht erfroren.Es schneite, als George mit den zwei jüngeren Brüdern zurückkam. Der eine war zehn, der andere elf Jahre alt, und alle waren barfüßig. Ihre Kräfte reichten nicht, das Tier aufzuschneiden, und so fingen sie an,. es nach Hause zu ziehen — eine Entfernung von sechs Kilometern! Alle paar Meter mußten sie sich ausruhen, und selbst als sich ihnen Catherine etwas später anschloß, kamen sie nur langsam voran. So waren sie sehr dankbar. als sie aufblickten und einen Nachbarn, Helaman Pratt, sahen, der ihnen auf einem Maultier entgegenkam. Er hatte den Schuß gehört und kam, um zu helfen.Beim Abendessen ließen sie sich das schmackhafteste Wildbret munden, das sie je gekostet haften.Diese Begebenheit bedeutete der Familie sehr viel, und sie wurde den Kindern und Enkeln immer wieder erzählt, darunter auch der Enkeltochter Camilla Eyring, die später Spencer W. Kimball heiratete.Aber wenn sie von Catherine sprachen, erzählten sie gewöhnlich mehr als diese Begebenheit. Catherine wurde am 7. Januar 1855 geboren, 16 Monate nachdem ihre Eltern als Pioniere in Salt Lake angekommen waren. Sie war sieben, als ihre Familie berufen wurde, bei der Besiedlung von Saint George in Utah zu helfen. Catherine erinnerte sich später an ihr erstes Weihnachten im Süden von Utah. In ihrem Strumpf fand sie ein paar Stücke Zuckerkandis, ein paar Rosinen und eine Scheibe von einem Apfel, den ihre Mutter die ganze Strecke von Salt Lake City mitgebracht hatte. Ihr Vater schnitzte dreizehn Puppen, und ein künstlerisch begabter Nachbar malte sie so an, daß sie Gesicht und Haare hatten. Zu diesem Weihnachtsfest bekamen Catherine und zwölf andere kleine Mädchen eine Puppe.Als Catherine 19 war, wurde sie im Endowment House in Salt Lake City mit Miles Park Romney getraut, einem Kolonisten aus dem Süden von Utah. Man erinnert sich, daß sie hübsch und still war, mit roten Wangen und braunen Augen. Ihr pechschwarzes Haar reichte ihr bis unter die Taille, wenn es nicht zurechtgemacht war. Sie war auch dafür bekannt, daß sie sehr beherrscht war. Catherine und Miles hatten neun Kinder. Catherines Glaube war stark, und es gab zahlreiche Anlässe, diesen Glauben auszuüben. Als Miles einmal fort war, litt der dreijährige Junius, ihr drittes Kind, so schrecklich an einer Ohrentzündung, daß sie um sein Leben fürchtete. Verzweifelt betete sie um Hilfe, und sie fühlte sich dazu inspiriert, ihn vom Pfahlpatriarchen segnen zu lassen. Sie wickelte ihren Sohn ein und trug ihn zum Patriarchen. Dieser verhieß Catherine in dem Segen, wenn ihr Glaube stark genug sei, werde Junius keine weiteren Beschwerden mit dem Ohr haben, und er werde noch ein bedeutender Führer in der Kirche werden. Noch während der Patriarch sprach, hörte Junius auf zu schreien und fiel, seit Wochen zum erstenmal, in einen tiefen Schlaf. Später zog er selbst sechs Kinder groß und wurde, noch bevor er dreißig war, Präsident des Juarez-Pfahls in Mexiko.Ein anderes Mal fiel einer ihrer Söhne vom Wagen. Der eiserne Rand eines Rades streifte seinen Kopf und trennte ihm das Ohr ab. Catherine setzte das Ohr wieder an und zog einen Strumpf über den Kopf, so daß das Ohr haften blieb. Es heilte wieder richtig an, und als er erwachsen war, konnte niemand mehr sehen, welches Ohr verletzt worden war. 1881 wurde die Familie nach Arizona gerufen, das damals ein rauhes Grenzland war, vor allem wegen der gegen die Heiligen der Letzten Tage gerichteten Verfolgungen. Kurz nach ihrer Ankunft wurde Nathan Cram Tenney, ein Mitglied der Kirche, erschossen, als er versuchte, eine Schießerei zwischen zwei Banden zu beenden.Die Romneys wurden besonders heftig verfolgt, weil Miles in seiner Zeitung beredtsam und furchtlos gegen das Unrecht zu Felde zog. Eines Nachmittags wurde er von zwei Schurken verprügelt, bis er das Bewußtsein verlor. Seine kleinen Kinder mußten mehrere Kilometer laufen, um Hilfe zu holen. Einmal bot eine Bande aus Saint Johns in Arizona mehrere tausend Dollar Belohnung für seine Gefangennahme, ob tot oder lebendig. Ein anderes Mal wurde das Haus vorn Pöbel beschossen, während Catherine ihre Kinder zwischen einer Couch und der Wand verbarg.Schließlich begab sich Miles nach Salt Lake City, um Brigham Young die Situation zu berichten. Daraufhin wurden noch einige Familien nach Saint Johns gesandt, so daß das Zahlenverhältnis zwischen den Mormonen und ihren Verfolgern ein wenig verändert wurde.Die Familie wurde indes weiter verfolgt, und schließlich bekam Miles von Elder John Taylor vom Kollegium der Zwölf die Empfehlung, nach Mexiko zu gehen. Während er dort für Catherine und die Kinder ein Zuhause vorbereitete, gingen diese nach Saint George in Utah zurück. Dort, bei Catherines Familie, verbrachten sie die nächsten zwei Jahre. In der Zeit kamen sie auch mit Präsident Wilford Woodruff zusammen, als dieser im Hause ihrer Eltern Zuflucht vor seinen Verfolgern suchte.Diese Reise nach Mexiko konnte mit dem Zug unternommen werden. Unterwegs erkrankten jedoch mehrere Kinder an Scharlach, und eines von ihnen, Claude, starb bald nach der Ankunft in Colonia Juarez in Mexiko an einer Lungenentzündung.Ihre erste Unterkunft in Mexiko war eine in das Flußufer gegrabene Höhlung, und Catherine stillte ihr Bedürfnis nach Schönem, indem sie am Fluß entlang spazierenging, wilde Blumen pflückte und Körbe flocht. Später erinnerten sich die Kinder an die Abende, an denen sie mit ihren Eltern sangen. Catherine hatte eine wohlklingende Sopranstimme. Auch erinnerten sie sich an Picknicks und Spiele, Partys und Tanzen sowie an die Bonbons, die sie selbst herstellten. Zum Leben der Familie gehörte auch, daß man einander Geschichten erzählte und mit den Nachbarn plauderte.1902 erlitt Miles einen Herzstillstand. Sein Leben blieb zwar erhalten, doch starb er zwei Jahre später an einem zweiten Anfall. Die eine Tochter, Lula, erinnert sich, daß sie zum darauffolgenden Weihnachtsfest keinen Baum hatten, obwohl sie in den Strümpfen Geschenke hatten: „Ich fürchte, ich habe gezeigt, daß ich enttäuscht war und mich selbst bemitleidete, denn Mutter sagte mir, sobald ich mit dem Frühstück fertig sei, solle ich fortgehen, um etwas für sie zu erledigen. Ich tat es sehr widerwillig, denn der Weg war weit, und ich mußte auf die andere Seite der Bahnlinie zu einem älteren Ehepaar, das mir fremd war. Ich sollte den roten Wagen ziehen, in dem sonst mein kleiner Bruder, der verkrüppelt war, zur Sonntagsschule gefahren wurde. Ich sah zu, wie meine Mutter eine Decke, ein Kissen und einen Teil unseres Weihnachtsessens in den Wagen legte – Truthahn mit allen Beilagen, Krapfen, Butter usw.‚Klopfe einfach an und sage: Fröhliche Weihnacht!'. sagte sie. ,Dann kannst du schnell nach Hause kommen und spielen.'Es war nicht schwer, die Stelle zu finden – eine kleine Lehmhütte, die einsam in der Prärie stand. Eine kleine alte Frau öffnete auf mein Klopfen ,Fröhliche Weihnacht!' sagte ich.,Du bist ja ein richtiger kleiner Weihnachtsengel'. sagte sie und gab mir einen Kuß. Da keine Treppe vorhanden war, zog sie den Wagen herein, um auszupacken. Ein alter Mann mit einem langen, weißen Bart saß da und starrte auf das kleine Feuer im Kamin.,Guck mal, John', sagte sie, ‚was uns der barmherzige Herr geschickt hat!'Diese Worte kamen mir seltsam vor, denn ich wußte, daß meine Mutter die Sachen geschickt hatte und nicht der Herr. Der alte Mann antwortete nicht; er schaute nicht einmal auf, und da merkte ich, daß er taub war. Die Reste des kümmerlichen Frühstücks standen noch auf dem Tisch. Indem die Frau darauf zeigte, sagte sie: ,Sieh mal, das ist alles, was wir zum Mittagessen gehabt hätten, wenn du nicht gekommen wärst.'Als ich, nach einem weiteren Kuß, die Hütte verließ, durchströmte mich ein frohes, friedliches Gefühl. Wie froh war ich, daß meine Mutter mich losgeschickt hatte, damit jemand zu Weihnachten nicht Hunger leiden müsse! Ich hüpfte fast den ganzen Weg nach Hause, und ich bin sicher, daß das Weihnachtsessen an dem Tag niemandem mehr geschmeckt hat als mir.&quot;Während der mexikanischen Revolution mußte Catherine innerhalb von fünfzehn Minuten das Haus verlassen. Sie versteckte das Silber und das Geschirr, ließ einen Kuchen im Ofen. den sie gerade buk; und die Hühnchen ließ sie weiter auf dem Herd braten. Sie nahm nur einen Ballen Bettzeug und einen Koffer mit dringend notwendigen Gegenständen. Dann schloß sie leise die Tür des vierten Hauses, aus dem sie wegen ihrer Religion vertrieben wurde. Als sie fortfuhren, standen zwei Töchter hinten im Wagen auf und begannen zu singen: „Wenn du in des Lebens Stürmen bist verzagt.&quot; Lula sah, wie ihrer Mutter Tränen über die Wangen liefen, wie sie einen letzten Blick auf das Grab ihres Mannes warf und dann den Kindern zulächelte.Catherine arbeitete im Tempel in Saint George (Utah), bis sie schwer krank wurde. Sie rief ihre Kinder, soweit sie erreichbar waren, zu sich., und bat sie, um ihr Bett niederzuknien und darum zu beten, daß sie entweder geheilt werde oder zu ihrem Mann und ihrem Sohn auf die andere Seite des Schleiers kommen könne. Bald darauf, am 6. Januar 1918. verschied sie still. Clifford J. und Marsha Romney Stratton, Juni1982   
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<title>Der rote Mantel</title>
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&amp;lt;font face=&quot;arial,helvetica,sans-serif&quot;&amp;gt;&amp;lt;/font&amp;gt;&amp;lt;font size=&quot;3&quot;&amp;gt;&amp;nbsp; Warum hab ich nur auf diese Mormonenmissionare gehört?&quot; dachte Johanna Anderson. Das Schiff unter ihren Füßen schlingerte und stampfte. Es war eine stürmische Überfahrt, und heute war es besonders schlimm. So gut wie jeder, den sie an Bord kannte, war seekrank, und ihr Glaube begann zu schwinden. „Warum muß diese Reise so lang und mühsam sein?” dachte sie.Sie hätte in diesem Moment ebensogut zu Hause bei ihren lieben Eltern in Schweden sein können. Sie waren Anfang des 19. Jahrhunderts von Missionaren bekehrt worden, und es war ihr großer Wunsch gewesen, ihre Kinder nach Salt Lake City zu schicken. Als ihr Sohn Neils für seine Frau und sich das Fahrgeld beisammen hatte, beschlossen die Eltern, die Gelegenheit zu nutzen und die vierzehnjährige Johanna mitfahren zu lassen.Johanna dachte daran, mit wieviel Sorgfalt ihre Mutter die Truhe gepackt hatte. Ganz unten lag ein Überraschungspaket für sie bereit. „Johanna”, hatte die Mutter gesagt, „wenn du weit fort von zu Hause bist, wenn dein Glaube schwach wird oder wenn du Hilfe brauchst, dann öffne das Päckchen ganz unten in deiner Truhe. Es wird dich aufheitern und deinen Glauben stärken, bis du nach Utah kommst.”Eigentlich hatte ihre Stimmung nun wirklich einen Tiefpunkt erreicht. Die Schiffspassagiere hatten unter den schweren Stürmen gelitten, und jetzt fing auch noch das Trinkwasser für die dreimonatige Überfahrt an zu faulen. Viele Passagiere waren schwer erkrankt, und einige waren sogar gestorben und auf See begraben worden. Es mochte also der passende Zeitpunkt sein, das Päckchen zu öffnen, das ihr die Mutter mitgegeben hatte.Sie ging in den Gepäckraum und suchte ihre Truhe heraus. Sie öffnete die Truhe und tastete nach dem Paket. Als sie sah, was drinnen war, traten ihr Tränen in die Augen. Es war der allerschönste rote Mantel, den sie je gesehen hatte. Ihre Mutter mußte viele Stunden daran gesessen haben. Sie schlüpfte hinein - er war warm und weich - und führte einen kleinen Freudentanz auf.So glücklich war sie schon lange nicht gewesen. Sie wollte ihren neuen Mantel gleich allen anderen Passagieren zeigen, doch dann besann sie sich. Es sollte ihr Geheimnis bleiben. Dieser rote Mantel war für später, für Utah. Sie wollte ihn erst in ihrer neuen Heimat tragen. Sorgfältig verstaute sie ihn wieder in der Truhe.Das Wissen um ihr schönes Geheimnis gab ihr Mut für den Rest der Reise. Wenn kein Mensch an Bord des Schiffes das Essen ansehen mochte, hatte Johanna dennoch Appetit. Sie hatte sich mit dem Schiffskoch angefreundet, und er machte ihr die schwedischen Omeletten, die ihr so gut schmeckten. Er stellte ihr die große Schüssel auf die Knie, während er die Zutaten verrührte.Endlich, nach drei Monaten, erreichte das Schiff Amerika. Die Andersons brauchten noch einmal sechs Monate bis St. Louis in Missouri. Sie kauften einen Planwagen, Ochsengespanne und Proviant für den langen Treck über die Prärie.Neils und seine Frau lenkten den Wagen, Johanna lief daneben her. Sie war jung und kräftig und liebte die Wildnis mit den Tieren. Jeden Tag entdeckte sie etwas Neues, was sie in Staunen und Aufregung versetzte. Manchmal sah sie in der Ferne friedliche Indianer. Und ständig dachte sie beim Gehen an ihr Geheimnis in der Truhe, an den weichen, roten Mantel, und wie sie ihn tragen wollte, wenn sie erst einmal in ihrer neuen Heimat Utah war.Dem Pionierzug folgten jedoch unbemerkt feindliche Indianer. Johanna spürte, daß irgend etwas nicht in Ordnung war, und fürchtete sich ein wenig. Als es dann endlich Abend wurde, ließ der Führer der Abteilung die Wagen in einem engen Kreis aufstellen. Das Vieh wurde in die Mitte der Wagenburg getrieben. Es gab weder ein Lagerfeuer noch Musik und Tanz wie an den anderen Abenden. Den Heiligen wurde befohlen, sich schlafen zu legen und sich ruhig zu verhalten.Erschöpft von dem langen Fußmarsch schlief Johanna fest ein. Im Morgengrauen wurde sie plötzlich von Stimmen und Pferdegetrappel aus dem Schlaf gerissen. Ihre Schwägerin bedeutete ihr, sie solle still liegenbleiben. Neils war nicht in seinem Bett.Die Stimmen wurden lauter und kamen näher, und Johanna hörte eine fremde Sprache. Ihre Leute redeten mit den Indianern.Sie hörte, wie sich Männer oben im Wagen, unter dem sie lag, zu schaffen machten. Ihre Truhe stand an einem Ende des Wagens. Sie hörte, wie die Truhe geöffnet wurde, und hörte, wie Neils mit den Indianern verhandelte.Plötzlich verstummten die Stimmen. Die Männer sprangen vom Wagen, und sie hörte sie fortreiten.Neils kam zurück und führte Johanna zur Vorderseite des Wagens. Er sagte zu seiner Schwester: „Johanna, bleib hier stehen. Sieh dich nicht um, und geh nicht hinter den Wagen. Du hast Glauben, und der Herr wird für uns alle sorgen.”Die Versuchung war zu groß für Johanna - sie wandte sich um und sah die Indianer davonreiten, hintereinander in einer Reihe, auf ungesattelten Pferden. An der Spitze galoppierte mit lautem Geschrei Häuptling Walker. Von seinen Schultern wehte ihr schöner roter Mantel.Neils schloß seine Schwester in die Arme. „Johanna, dein Mantel hat dir das Leben gerettet - und nicht nur dir, sondern uns allen. Das leuchtende Rot hatte es ihm angetan. Als er deinen Mantel sah, war er zufrieden und ließ uns in Ruhe.”Die Andersons erreichten bald Salt Lake City. Johanna heiratete James Hansen, einen jungen Mann, der sich in Dänemark zur Kirche bekehrt hatte. Sie hatten zehn Kinder, und ihre Nachkommen erzählen ihren Kindern heute noch die Geschichte von dem roten Mantel.&amp;lt;/font&amp;gt;&amp;lt;font face=&quot;arial,helvetica,sans-serif&quot;&amp;gt;&amp;lt;/font&amp;gt;&amp;lt;font size=&quot;2&quot;&amp;gt; &amp;lt;em&amp;gt;Viva May Gammell Willcox, Juni 1989Viva May Gammel! Wiillcox ist eine Urenkelin von Johanna Anderson.&amp;lt;/em&amp;gt;&amp;lt;code&amp;gt;&amp;lt;/code&amp;gt;&amp;lt;/font&amp;gt;  
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<title>Die Glaubensprüfung eines Mitglieds der Kirche</title>
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„Ich kann bestätigen, daß der Herr sein Volk zu Lande und zu Wasser durch seine Macht bewahrt hat&quot;, schrieb Elizabeth Francis Yates am 12. März 1905. „Ich habe mehrfach erlebt, daß es viel Gottvertrauen bedurfte, um nicht daran zu glauben, daß unsere Feinde den Sieg über uns davontragen würden..., und ich kann mich den Worten anschließen, die jemand in alter Zeit gesagt hat: Ach bin jung gewesen und alt geworden und habe noch nie den Gerechten verlassen gesehen.“Elizabeth Francis Yates war zu diesem Zeitpunkt 72 Jahre alt und hatte noch 5 Jahre zu leben, bis sie in Salt Lake City sterben würde. Ihre Geduld und ihr einfacher Glaube waren jedoch keine Begleiterscheinung ihres Alters, sondern hatten ein Zeugnis zur Grundlage, das in tiefem Seelenschmerz geprüft und in schwerem Leid geläutert worden war.Sie wuchs in einer gebildeten Familie in South Molton, Devonshire, auf. Ihre Familie gehörte der angelikanischen Kirche an. Als junges Mädchen beunruhigte sie der Widerspruch zwischen den Lehren der Bibel über die Taufe und dem, was in ihrer Kirche gesagt wurde. Von nun an hatte sie keine Freude mehr daran, zur Kirche zu gehen. Mit 15 Jahren heiratete sie William Williams, und nachdem ihre erste Tochter zur Welt gekommen war, hörte sie zum erstenmal etwas über die Mormonen.Anfangs zeigte sie kein Interesse. Obwohl sie mit ihrer Kirche nicht zufrieden war, war sie der Meinung, daß diese zumindest Achtung verdiente. Sie war jedoch zu höflich, um das ihr angebotene Traktat zurückzuweisen, und an einem regnerischen Nachmittag fing sie an, es zu lesen. Bald war sie tief in die Schilderung einer Debatte versunken, die John Tavlor mit einigen Geistlichen in Frankreich geführt hatte..,Nachdem ich alles gelesen hatte, sagte ich laut: „Gelobt sei der Herr. Endlich habe ich den richtigen Weg gefunden.&quot;' Sie besuchte eine Versammlung, wo die Sendung Joseph Smith' erklärt wurde. „Wenn ich sage, daß ich vor Freude erschauerte, so drücke ich meine damaligen Gefühle nur undeutlich aus. Ich sah keinen anderen Weg als den, für meine Sünden Buße zu tun und mich taufen zu lassen. Ich wußte, daß meine Familie dieser Entscheidung ablehnend gegenüberstehen würde und daß mich meine früheren Freunde frostig behandeln würden. Es kam jedoch viel schlimmer, als ich geahnt hatte.&quot;Dieser eine Satz: „Es kam schlimmer, als ich geahnt hatte” birgt tiefstes Herzeleid in sich, denn er besagte, daß ihre Mutter ihr den Zutritt zu dem Haus verweigerte, in dem sie aufgewachsen war. Ihr Mann stellte sie vor die Wahl, sich entweder für ihre Familie oder für ihren Glauben zu entscheiden. Weinend vor Seelenschmerz, lehnte sie es ab, ihr Zeugnis zu verleugnen, worauf ihr Mann sie und ihre vier kleinen Töchter verließ. Sie fand Arbeit in einer Wollspinnerei. Neben ihrem Wehstuhl lag das Baby in einem Korb. Es gelang ihr, die Kinder durchzubringen. Als ihr Mann sah, daß sie sich nicht geschlagen gab, kam er zurück, nahm ihr alle vier Kinder weg und zog nach London. Das Gesetz gab ihr keine Möglichkeit, ihn daran zu hindern oder die Kinder zurückzufordern. Dennoch ließ sie sich nicht wankend machen. Zuletzt hatte sie unmittelbar vor ihrer Taufe gezögert, als sie um Mitternacht in den dunklen Fluß hinabschaute – man schrieb den 4. Dezember 1851 —und das Gefühl hatte, als könnte sie einfach nicht ins Wasser hinabgehen. ..Eine Stimme schien mir jedoch zu sagen: „Es gibt keinen anderen Weg“ So vollzog sie gläubig diesen Schritt. „Danach schien es, als hätte sich alles geändert. Die Schuppen waren mir von den Augen gefallen, und ich sah den Evangeliumsplan in seiner Herrlichkeit vor mir. Ich gelobte dem Vater im Himmel, daß ich ihm mit seiner Hilfe dienen würde, auch wenn sich drohende Wolken auftürmten und Freunde sich in Feinde verwandelten. In meiner Schwachheit habe ich versucht, dieses Versprechen einzulösen. Oft sind mir Fehler unterlaufen, und ich habe Dinge gesagt und getan, die ich später bereut habe. Gleichwohl habe ich niemals daran gezweifelt, daß das Evangelium wahr ist, oder anderen einen Stein des Anstoßes bereitet.&quot;Die nächsten sechs Jahre verbrachte sie in Bath, wo sie bei der Familie eines Missionars, Thomas Yates, wohnte. Ihre geringen Einkünfte verwendete sie für die ergebnislose Suche nach ihren Kindern. „Nach kummervollen Jahren des Fastens und Betens bereitete mir der Herr einen Weg, nach Zion zu gelangen.” Sie sollte mit der Familie Yates und deren Sohn Thomas reisen, der gerade von einer sechseinhalbjährigen Missionszeit zurückgekehrt war.Wir wissen nicht, wie schwer es ihr fiel, England zu verlassen. Sie hat dazu lediglich bemerkt: „Ich betete aufrichtig zu Gott, er möge mir bei der langen, beschwerlichen Reise helfen, so daß ich unterwegs nicht murrte oder mich beklagte, falls mir ein Löwe den Weg versperren sollte. Er erhörte mein Beten, denn ich fand keinen Grund zur Klage. Während der ganzen Reise war mein Herz von Dankbarkeit erfüllt.“Von ihrem Sohn wissen wir, was sie uns in ihrer Glaubensgeduld nicht mitgeteilt hat. Sie starb nämlich fast an der Seekrankheit, die während der ganzen Reise andauerte. Am 22. Juli 1863 wurde sie in Florence, Nebraska, mit Thomas Yates getraut. Am Nachmittag desselben Tages traten sie den langen Marsch nach Westen an. Als sie merkte, daß im Wagen nicht genug Platz für sie und ihre Truhe war, dachte sie an ihr sorgfältig verpacktes Porzellan, das Kostbarste, was sie besaß, und ging die ganze Strecke zu Fuß, während, wie sie berichtet hat, ihr Herz von Dankbarkeit erfüllt war.„Viele vergossen Tränen der Freude, als sie zum erstenmal die Stadt erblickten, die Mitglieder der Kirche erbaut hatten”, erzählt sie weiter. Gewiß hat auch sie solche Freudentränen vergossen, obwohl sie es nicht ausdrücklich erwähnt. Diese Geduld und diese Dankbarkeit vertieften auch die Liebe in ihrer Ehe. Eine Tochter, Louise, die später die siebte Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung wurde, berichtet, sie habe ihre Mutter nur ein einziges Mal weinen sehen, nämlich als eine Katze das Regal in der Hütte herabriß, wobei das wertvolle Porzellan in Scherben ging. Sobald Porzellan in das Territorium eingeführt wurde, ersetzte ihr Mann den Verlust — fürwahr eine Tat der Liebe, denn sie bestritten in Scipio, Utah, wo er als Bischof und sie als FHV-Leiterin amtierte, nur mit großer Mühe ihren Lebensunterhalt. Eine Zeitlang arbeitete Thomas Yates an der Eisenbahnstrecke im Echo Canyon, um das Darlehen zu tilgen, das er vom Ständigen Auswandererfonds erhalten hatte. Während dieser Zeit schrieb er seiner Frau einen Brief, der auf eine tiefe Liebe zwischen den beiden Eheleuten schließen läßt. Wir wissen nicht, was für Sorgen sie in einem an ihn gerichteten Brief geäußert hatte: jedenfalls antwortete er ihr mit liebevollen, beruhigenden Worten.„Mich bekümmert noch etwas, Liebling: Mir scheint, Du denkst, daß ich hier draußen bleibe, weil Du Dich vielleicht darüber beklagt hättest, daß ich nicht so gut für Dich sorge, wie Du es Dir wünschen könntest. Glaube mir, Liebling, diese Sorge ist ganz unbegründet, Ich kann mich nicht erinnern, daß Du jemals etwas gesagt hättest, was man als solchen Vorwurf auffassen könnte ... Liebling, ich hänge sehr an unserem bescheidenen Heim, und ich liebe Dich, meine liebe Frau, und unsere lieben kleinen Kinder. Keinen Menschen auf Erden habe ich lieber in meiner Nähe als Dich, und ich kann mir nicht vorstellen, daß ich auf dieser Welt in der Gegenwart anderer Menschen so froh und glücklich sein könnte wie bei Dir.“Die Liebe, die diese beiden Menschen füreinander und für ihre fünf Kinder empfanden, vermochte jedoch nicht die Wunden zu heilen, die die früheren Erlebnisse im Herzen der Frau gerissen hatten, Ihr einziger Sohn, Thomas, hat später berichtet, daß er sie nachts schluchzen hörte. Wenn er sie fragte, warum, antwortete sie einfach :..Ich habe an ein paar kleine Mädchen gedacht, die ich vor vielen Jahren in England zurücklassen mußte...Aber auch die Kinder hatten ihre Mutter nicht vergessen. Susan, die hei der Trennung erst sieben Jahre alt gewesen war, lief mit elf Jahren fort und suchte bei einer Mormonenfanmilie Zuflucht in der Hoffnung, eine Spur zu ihrer Mutter zu finden, die Mormonin geworden war. Das Baby war bereits tot, und eine andere Tochter sollte wenige Jahre später sterben. Doch um 1870 begegnete Susie Williams einem Missionar, der die Familie Yates in Scipio auf sie aufmerksam machte. Dieser vage Hinweis genügte, Mutter und Tochter in Utah wieder miteinander zu vereinen.Susan hörte nicht auf, nach ihrer Schwester zu forschen. William Williams war freilich fest entschlossen, dafür zu sorgen, daß die letzte Tochter ihre Mutter niemals wiedersehen würde, und führte sie aus England fort &amp;#64979; ironischerweise gerade nach Amerika, wo Susan sie in Michigan durch eine Zeitungsanzeige fand. So konnte auch sie sich der Familie in Utah anschließen. Alle vier Töchter werden an Thomas und Elizaheth Yates gesiegelt. Es ist, als ob Elizaheth Yates die Worte wiederholte: „Ich habe noch nie den Gerechten verlassen gesehen...“Januar 1979&amp;nbsp;  
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<title>Die Abenteuer der Margaret Judd Clawson</title>
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Margaret Judd, ein siebzehnjähriges Mädchen, das mit seiner Familie 1849 —&amp;nbsp; im Jahr des Goldrausches — nach dem Westen zog, schrieb nieder, was sie unterwegs erlebt hatte, Ihr Bericht ist sehr lebhaft geschrieben und beweist Humor. Margaret wurde in Ontario in Kanada geboren. Dort schlossen sich ihre Eltern der Kirche an, als sie fünf Jahre alt war. Sechzig Jahre nach dem Treck schrieb Margaret, welche Interessen und Eindrücke sie gehabt hatte, als sie als halbwüchsiges Mädchen nach Utah zog, wo der Traum der Familie, sich mit den Heiligen zu sammeln, wahr wurde. Ihre Aufzeichnungen tragen den Titel „Rambling Reminiscenses of Margaret Gay Judd Clawson” („Gemischte Erinnerungen der Margaret Gay Judd Clawson&quot;). Drei Jahre nach ihrer Ankunft in Saft Lake City wurde Margaret kurz vor ihrem 21. Geburtstag die zweite Frau des jungen Hiram B. Clawson. Bruder Clawson wurde ein angesehener Geschäftsmann und Händler und leitete Präsident Brigham Youngs finanzielle Angelegenheiten. Einer von Hirams und Margarets Söhnen, Roger, wurde Präsident des Rats der Zwölf. Margaret starb 1912 im Alter von 81 Jahren in Salt Lake City.&amp;nbsp;„Nachdem die Heiligen Nauvoo verlassen hatten, verdoppelten meine Eltern ihre Anstrengungen, um einen Wagen und die Ausrüstung für die Reise in die Rocky Mountains zu bekommen. Vater war inzwischen jedoch zwei- oder dreimal ziemlich krank: das hielt uns gewaltig auf. Ich erinnere mich noch genau daran, wie schwer es für ihn war, die Tiere daran zu gewöhnen, einen Wagen zu ziehen. Wir hatten sechs Kühe und zwei Ochsen. Die Ochsen waren gut gezähmt und ziemlich ruhig, aber die Kühe wild und nicht zu lenken. Er holte sich Hilfe, um sie ins Joch zu spannen. Plötzlich rannte jede in eine andere Richtung, wo Vater sie nicht haben wollte, oder sie rannten zur Rückseite des Wagens und brachten dort alles durcheinander.&amp;nbsp;Tag für Tag geschah das gleiche, und während Vater das Vieh abrichtete, betete meine Mutter. Später erzählte sie mir, daß sie viele Nächte lang, während wir schliefen, in den Obstgarten hinter unser Haus ging und dort ernsthaft betete; sie hat den Herrn, er möge uns einen Weg öffnen, wie wir mit den Heiligen mitziehen könnten. Sie war bereit, Not und Entbehrung auf sich zu nehmen, wenn sie nur bei ihnen sein konnte.&amp;nbsp;Sie hatte auch meinetwegen Angst, denn ich war halbwüchsig und mit siebzehn in dem Alter, wo man für Romantisches sehr empfänglich ist. Mutter wußte das und hatte Angst, mich könnte ein junger Mann dazu bringen, mehr an ihn als an sie zu denken, und mich überreden, dort zu bleiben. Sie konnte ohne die Kirche nicht leben und wollte auch keines ihrer Kinder zurücklassen. Deswegen sagten meine Eltern, daß wir nicht länger dortbleiben dürften.&amp;nbsp;Nach Wochen schwerer Arbeit hatte Vater die Kühe soweit, daß er sie lenken konnte, und am 9. Mai 1849, am 16. Geburtstag meines Bruder Riley, sagten wir unseren Freunden und Verwandten Lebewohl, stiegen in unsere Wagen und begannen eine weite, ereignisreiche Reise. Das Gesicht meiner Mutter strahlte vor Freude! Was machte ihr schon Mühsal aus, wenn sie nur das Ziel erreichen konnte! In der ersten Nacht nach Beginn der Reise schliefen wir im Freien in der Prärie; Vater nahm dem Vieh das Joch ab und ließ es im Gras weiden. Er mußte auf die Tiere aufpassen, damit sie nicht davonliefen. Wir hatten genug Brennholz zusammengetragen, um ein gutes Feuer zu machen, und Mutter kochte gerade das Abendessen, als plötzlich ein heftiges Gewitter losging. Es goß in Strömen, und wir waren alle durchweicht. Obwohl wir, so schnell wir konnten, zum Wagen liefen, peitschte der Wind den Regen so sehr, daß uns der Wagen wenig Schutz bot.&amp;nbsp;Natürlich ging das Feuer aus, und wir konnten an diesem Abend auch kein Essen kochen. Doch am nächsten Tag schien die Sonne wieder, alles wurde trocken, und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Ich kann mich nicht erinnern, wie lange wir gebraucht haben, bis wir nach Council Bluffs in Iowa kamen, aber ich weiß, daß wir dort unser Lager einen ganzen Monat lang aufgeschlagen hatten, um zu warten, bis die anderen bereit waren. Sie mußten sich organisieren, um sich vor den Indianern zu schützen. ,O, so ein Lagerleben ist eintönig, wenn man nicht weiterfahren kann! Wir freuten uns alle sehr, als wir endlich unsere Reise nach Salt Lake City beginnen konnten. Alles war eitel Wonne. Ich war jung und gesund. Alles erschien mir wunderschön, Pflicht, Angst und Sorge oblag meinen Eltern.&amp;nbsp;So, wie wir reisten, glich ein Tag sehr dem anderen. Am Abend eines Reisetages schlugen wir unser Lager auf. Die Männer versorgten die Tiere, während die Frauen das Abendessen zubereiteten. Danach machten die Jugendlichen gewöhnlich ein Lagerfeuer, um das sie sich setzten, miteinander redeten, einander Geschichten erzählten, Lieder sangen und so weiter.&amp;nbsp;Jeder mußte den Lagerplatz des anderen respektieren; das war so viel Platz, wie man für die Joche der Ochsen, den Kochkessel und alles das brauchte, was für die Reise notwendig war. Wenn ich daher von einem Jugendlichen Besuch bekam, saß ich auf einem Ochsenjoch genauso gut wie zu Hause auf einem bequemen Stuhl im Wohnzimmer. So ist das Leben im Freien.&amp;nbsp;Mein Bruder führte einer Witwe und ihrem kleinen Mädchen das Ochsengespann. Das kleine Mädchen war sehr reizend und lieb, die Mutter eher merkwürdig. Mein Bruder sagte, daß sie an einem Tag mehr Fragen stellte, als zehn Männer in einer Woche beantworten könnten. Er war ein geborener Witzemacher, und Spaßmachen gehörte bei ihm ebenso wie das Atmen zum Leben. Er konnte ihr das Absurdeste und Lächerlichste erzählen, sie glaubte ihm immer. Er wurde ihrer Fragen ganz überdrüssig. Es waren immer die gleichen: ,Riley, wie weit sind wir heute wohl gefahren?' ,Wie weit werden wir morgen wohl fahren?' ,Ob wir Wasser finden werden?' ‚Ich frage mich, ob wir Indianer treffen werden?' ,Was werden die denn machen?' und ,Werden sie freundlich oder wild sein?' Ihre Fragen wurden so eintönig, daß er sie fast nicht aushalten konnte. Zuletzt rächte er sich, als wir den Chimney Rock erblickten. Jeder, der die große Ebene mit dem Wagen oder mit dem Zug überquert hat, hat ihn sicherlich gesehen. Er ist ganz typisch für die Landschaft, sieht irgendwie wie ein Schornstein aus und ist wahrscheinlich schon Jahrhunderte alt. Bei unserem Reisetempo konnten wir ihn mehrere Tage lang sehen, bevor wir ihn erreichten. Als sie begann, ihre Vermutungen über den Felsen anzustellen, sagte er ihr ganz vertraulich, daß er ihn umstoßen werde, sobald sie dort angelangt seien; denn ihm wäre es ohnehin zu dumm, so viel über den Chimney Rock zu hören: außerdem meinte er, der Felsen habe schon lange genug dort gestanden. Sobald er seine Hand daran legen würde, würde der Fels umkippen. Sie bat ihn und flehte ihn an, den Felsen doch stehen zu lassen, damit andere Auswanderer, die nach uns kämen, ihn auch noch sehen könnten, aber er blieb hart. Dann drohte sie ihm und sagte, sie würde es Brigham Young erzählen, sobald sie in das Salzseetal kämen. Das war immer ihre letzte Zuflucht. So ängstigte er sie weitere zwei Tage, bis wir nur noch ungefähr einen Kilometer vom Felsen entfernt waren. Dann gab er ihren Bitten nach und sagte, er würde ihn doch stehen lassen. Sie freute sich so sehr darüber, daß sie ihm an diesem Tag ein besonders gutes Essen bereitete. Er hatte nicht die Absicht, seinen letzten Witz mit ihr so ausgehen zu lassen, wie es dann letzten Endes geschah. Nur um sie zu necken, hatte er ihr gesagt — bevor wir zur letzten Schlucht kamen — , daß ihr Wagen umkippen würde, ja, daß er wisse, daß es so kommen würde. Sie sagte, daß sie das Brigham Young erzählen würde, falls es wirklich passieren sollte. Und dann kippte der Wagen tatsächlich um. Es war selbst für einen Mann schwer, einen Wagen durch die Schlucht zu lenken. Riley erlebte damit eine böse Überraschung. Er war noch ein Junge und hatte nun große Angst. Keiner arbeitete so angestrengt wie er, um die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Mit der Hilfe der Männer aus dem Lager gelang es ihm schließlich, den Wagen wieder auf die kurvige und steile Straße hinaufzubringen. Der Wagen sah ziemlich demoliert aus — die Stützen für die Plane waren zerbrochen, aber der Inhalt wurde wenigstens kaum beschädigt. Es war unser letzter Tag, bevor wir ins Tal kamen, und so überstand er ihn gut. Riley hat nie etwas davon gehört, ob die Witwe Brigham Young davon erzählt hat oder nicht.&amp;nbsp;Nachdem wir ein paar hundert Kilometer dahingezogen waren, wurde die Eintönigkeit dadurch unterbrochen, daß unsere Tiere durchgingen. Es sah so aus, als ob die Tiere umso leichter zu erschrecken waren, je länger wir unterwegs waren, und je mehr sie sich anstrengten. Eines Nachts erlebte ich einen furchtbaren Schreck. Wir hatten den Auftrag bekommen, die&amp;nbsp; Tiere jede Nacht in die Wagenburg zu treiben: ich denke, daß uns dies wegen der Indianer oder wegen der großen Büffelherden geboten wurde, die wir täglich sahen. Am Abend wurde das Vieh freigelassen, damit es weiden konnte, es wurde bewacht und behütet und danach in die Wagenburg gebracht. Dafür wurde mit den Wagen ein großer Kreis gebildet, die Wagen standen Rad an Rad: eine Öffnung wurde freigelassen, durch die die Tiere hereingetrieben wurden. Danach wurden Balken quer über die Öffnung gelegt, damit die Tiere ganz sicher waren.&amp;nbsp;Wir befanden uns in dem Gebiet, in dem es viele Büffel gab. Wir haben davon gehört, wie schrecklich es ist, wenn eine Büffelherde durchgeht. Wir hatten auch gehört, daß vor kurzem eine Büffelherde in Panik losgerast war und daß die Büffel, als sie zum Ufer des Platte River kamen, sich hineinstürzten. Die ersteren bildeten für die Nachfolgenden eine Brücke und wurden von diesen zu Tode getrampelt, und sie ertranken.&amp;nbsp;Eines Nachts -- es war zwei Uhr -- lag das ganze Lager in friedlichem Schlaf, als man plötzlich ein schreckliches Trampeln und Dröhnen hörte. Der Boden zitterte, und unsere Wagen schaukelten und bebten. Mir schoß es durch den Kopf, daß wohl eine Büffelherde auf panischer Flucht war und uns alle zu Tode trampeln würde. Deshalb zog ich mir die Decke über den Kopf und bereitete mich auf das Sterben vor. Die Mutter rief gleich Phebe und mich, weil sie aus unserem kleinen Schlafgemach nichts hörte (wir hatten die Vorderseite des Wagens), ich antwortete mit erstickter Stimme aus meiner Decke heraus, daß ich noch am Leben war.&amp;nbsp;Schließlich stellte sich heraus, was wirklich geschehen war. Unser eigenes Vieh war aus der Wagenburg ausgebrochen. Irgend etwas hatte die Tiere erschreckt, und sie waren vorerst wie wild im Innern der Wagenburg immer wieder ist Kreis herumgelaufen und hatten dann die Balken bei der Öffnung durchbrochen. Nichts konnte sie zurückhalten. Sie verstreuten sich viele Kilometer weit in der Umgebung. Unsere Männer brauchten viele Tage lang, um sie wieder zurückzubringen. Die Tiere, die uns erhalten geblieben waren — denn einige starben an Erschöpfung, und einige wurden getötet —&amp;nbsp; sahen schrecklich aus. Zwei der Rinder unseres Führers waren einen sehr steilen Hügel hinaufgelaufen, aber dann hinuntergestürzt und hatten sich das Genick gebrochen — das ergab ein Paar weniger, die seinen Wagen ziehen sollten: es bedeutete auch, daß er weniger Milch bekam (gute Milch — was für ein Luxus in dem Gebiet).&amp;nbsp; Bei diesem Vorfall wurden zwei oder drei Männer verletzt -- einer davon ziemlich arg. Es war ein Goldgräber auf dem Weg nach Kalifornien, der uns eingeholt hatte und eine Weile mit uns reiste. Die Auswanderer nach Kalifornien kamen viel schneller voran als wir Mormonen. Als er versucht hatte, ein Rind aufzuhalten, wurde er niedergetrampelt. Er stöhnte schrecklich. Ich sah ihn erst wieder, als er uns an einem Tag im darauffolgenden Winter besuchte. Die ganze Zeit über war er auf seinen Knien. Er konnte aufstehen, aber nicht sitzen. Ich habe nie wieder von ihm gehört, außer daß er auf dem Weg nach den Goldminen war. Viehhüter sagen, daß das Hausrind das wildeste Tier sei, wenn es in der Herde durchgehe. Es geschieht zwar selten, aber wenn, laufen diese Tiere alle auf einmal los, so, als ob ein Blitz sie alle im gleichen Augenblick getroffen hätte.&amp;nbsp;Bald danach ereignete sich das nächste erschreckende Abenteuer. Als wir an einem schönen Nachmittag in einem gemütlichen Tempo weiterzogen, rasten plötzlich alle Wagen unserer Gruppe blitzschnell in alle Richtungen davon, Ich glaube, die schnellsten Pferde hätten nicht so schnell sein können, wie es unser Vieh war. Vater saß auf dem Wagen und versuchte, über seine verläßlichen, alten Ochsen wieder die Kontrolle zu gewinnen: einmal redete er ihnen gütlich zu, dann mußte er wieder die Peitsche gebrauchen. Er befürchtete, daß die Tiere mit anderen Gespannen zusammenprallen und einen Unfall verursachen könnten. Es hätte auch sein können, daß die Tiere den Wagen, in dem wir alle saßen, umgeworfen hätten. Wir fuhren über Stock und Stein. Wir wurden so hin und her geworfen, daß wir unseren Kopf manchmal an den oberen Wagenbogen stießen und dann wieder irgendwo im Wageninneren landeten. Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Wieder hatte ich den Tod vor Augen und steckte deswegen meinen Kopf unter die Decke. Wenn ich sterben sollte, dann wollte ich dabei nicht zusehen müssen. Mutter zog mir die Decke schnell vom Kopf, und als unser Wagen wieder stillstand, belehrte sie mich ausführlich darüber, daß ich immer aufpassen und nach einer Möglichkeit zur Flucht Ausschau halten müsse.&amp;nbsp;Als die Tiere vom Laufen zu erschöpft waren, blieben sie stehen. Es war zu mehreren Unfällen gekommen, und eine Frau war sogar dabei getötet worden, als sie zu Boden gestoßen und überrannt wurde. Sie hinterließ mehrere Kinder. Wir alle fürchteten solche Ereignisse sehr — es ist auch zum Fürchten, wenn eine Rinderherde in Panik gerät. Selbst bei den Menschen ist es oft so, daß man sie nicht dafür verantwortlich machen kann, wenn die Furcht größer wird als der Verstand.&amp;nbsp;Eine Kuh in unserem Gespann war wirklich intelligent. Ja, sie war so klug, daß sie sich hinter Weiden versteckte, um nicht angespannt zu werden; aber wenn Vater sie fand und anspannte, dann arbeitete sie gut. Auch gab sie viel Milch. Einmal wurde sie lahm und konnte kaum weitergehen. Meine Eltern machten sich deswegen viele Sorgen, besonders weil wir ja auch schon eine Kuh verloren hatten. Sie fürchteten, daß wir nicht so schnell wie die anderen weiterziehen konnten, und deshalb sagte Mutter, sie würde der Kuh einen Breiumschlag auflegen, sobald sie sich für die Nacht niedergelegt hatte. Sie legte einen wirklich großen auf, der die ganze lahme Hüfte bedeckte. Am nächsten Tag, als Vater zu den Tieren hinausging, rief er aus: ,Mutter, du hast die falsche Hüfte behandelt.' Mutter sagte: ,Mach dir nur keine Sorgen deswegen. Das paßt schon. Es hat schon gewirkt: Und tatsächlich humpelte die Kuh an diesem Tag fast nicht, und es ging ihr so gut wie immer. Ich weiß, daß Mutter in diesen Breiumschlag viel Glauben gemischt hatte.&amp;nbsp;Im Frühherbst fanden wir gewöhnlich wilde Früchte wie Kirschen, Eisbeeren und kleine rote Beeren, die wir Büffel- oder Indianerfraubeeren nannten. Die Beeren schmeckten uns alle sehr gut. Eines Tages beschloß ich, am selben Abend einen Empfang zu geben. Nachdem wir das Lager aufgeschlagen hatten, lud ich einige Mädchen und Jungen ein, am Abend bei unserem Lagerfeuer zu sitzen. Der Empfang sollte stattfinden, nachdem wir alle unsere Arbeit getan hatten. Niemand schlug die mündliche Einladung oder eine kurze Mitteilung ab. Sie freuten sich alle, daß sie kommen konnten, und niemand sagte nein.&amp;nbsp;In der Zwischenzeit hatte ich Mutter um die Erlaubnis gebeten, einen Büffelbeerenkuchen zu bereiten. Natürlich erlaubte sie mir das. Ein Kuchen war schon etwas ganz Besonderes und auf unserer Reise selten. Ich wollte meine Gäste mit einem solchen Luxus an Erfrischungen überraschen. Und das gelang mir. Kaum hatte ich das Joch der Ochsen und anderes kunstvoll aufgestellt, als auch schon meine Gäste eintrafen. Sie kamen nicht so spät, wie es heutzutage üblich ist. Wir plauderten ein bißchen und sangen einige Lieder, und dann entschuldigte ich mich, ging in die Vorratskammer (eine Kiste unter dem Wagen) und brachte meinen Kuchen. Als ich den Kuchen verteilte, bemerkte ich entschuldigend, daß der Kuchen vielleicht nicht süß genug sein könnte. Ein höflicher junger Mann sagte schnell: .O, alles, was diese Hände machen, muß einfach süß sein.' Und ich glaubte ihm gerne.&amp;nbsp;Nachdem ich meiner Gesellschaft jedem ein Stück Kuchen gegeben hatte, nahm auch ich mir eines. Ich biß ab und aß, aber es schmeckte, als ob es mit Zitronensäure gesüßt worden wäre! Nie wieder habe ich auf der Reise einen Kuchen gebacken. Ich habe mich oft gefragt, wie alle das essen konnten, aber der Anstand verlangte es. Ich glaube nicht, daß es im ganzen Lager genug Zucker gegeben hätte, um diesen Kuchen süßen zu können. Das beste Essen, das ich auf unserer Reise aß, war für mich unser Mittagessen. Mutter machte morgens einen Kessel voll Weizenbrei und wickelte ihn dann ein, um ihn warm zu halten. Nach dem Melken wurde die Milch in ein kleines Faß gegeben, das verschlossen wurde, damit nichts überlief. Wenn wir dann zu Mittag das Lager aufschlugen, um die Tiere weiden zu lassen, holte Mutter den Brei und die Milch heraus. Es schmeckte einfach zu gut für so arme Leute wie uns! Meine Schwester Phebe mochte es überhaupt nicht. Sie sagte, sie würde immer hungrig davon. Bei unserer Reise über die Ebenen hörte ich nie jemanden über schlechten Appetit klagen. Alles schmeckte gut, ausgenommen mein Kuchen. Brot und Speck schmeckten besser als der Pflaumenpudding und der Mehlkuchen, den wir jetzt bekommen. Wie die Umstände unseren Geschmack verändern können!&amp;nbsp;Die größte Mühsal hatte ich zu erleiden, einen Tag bevor wir nach Laramie in Wyoming kamen. Die Rinder waren müde und hatten wunde Beine: sie zogen den Wagen wirklich schwer, und so sagte Vater uns in der Früh, daß wir alle gehen müßten. Wir durften an diesem Tag nicht fahren. Diesen erinnerungswürdigen Marsch werde ich nie vergessen: Männer und Frauen sanken knöcheltief im Sand ein, die Rinder und Wagen noch viel tiefer. Als wir an diesem Abend unser Lager aufschlugen, hatten wir 16 Kilometer zurückgelegt. Ich hatte den Eindruck, es wären tausend gewesen, und ich wünschte mir an diesem Tag oft, daß ich irgendwo sein könnte, wo die Menschen nicht müde würden.&amp;nbsp;Zuletzt gelangten wir an das Ende unserer langen, ermüdenden Reise, und am Abend des 15. Oktober schlugen wir unser Lager am Anfang des Emigration Canyon auf. Oh, wir hatten einen herrlichen Blick hinunter auf das Tal des Großen Salzsees! Am nächsten Morgen standen wir zeitig und fröhlich auf und fuhren bald hinunter.&quot; Gordon Irving, November 1978&amp;nbsp; 
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<link>http://www.diarius.de/Mormonen/11269/</link>
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<title>Im Winter mit Handkarren durch die Rocky Mountains</title>
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 John Chislett war Unterhauptmann in der Abteilung Willie, einer der Handkarren-Abteilungen der Pioniere. Er schrieb:„Wir erreichten Fort Laramie am ersten oder zweiten September, aber die Vorräte usw., die wir erwartet hatten, waren nicht da. Hauptmann Willie berief eine Versammlung ein, um über die Umstände, unsere gegenwärtige Lage und unsere Zukunft zu beraten und zu überlegen, was wir tun konnten.Es zeigte sich, daß uns das Mehl bei unserer gegenwärtigen Geschwindigkeit und dem täglichen Mehlverbrauch schon etwa dreihundertfünfzig Meilen vor dem Ziel ausgehen würde. Deshalb wurde beschlossen, unsere Ration von ein-dreiviertel (amerikanischen) Pfund pro Tag auf ein Pfund pro Tag zu reduzieren und gleichzeitig alles Menschenmögliche zu tun, um schneller vorwärts zu kommen. Wir behielten diese Ration von Laramie bis Independence Rock bei.Ungefähr zu diesem Zeitpunkt erhielt Hauptmann Willie einen Brief von Apostel Willard Richards, in dem ihm mitgeteilt wurde, daß wir, wenn wir den South Pass erreicht hätten, mit aus dem Salt Lake Valley geschickten Vorräten rechnen könnten. Die Überprüfung unseres Mehlvorrats zeigte jedoch, daß uns das Mehl schon vorher ausgehen wurde. Deshalb blieb uns nichts anderes übrig, als die Tagesration noch weiter zu reduzieren. So bekam jeder im Durchschnitt nur noch zehn Unzen pro Tag... .Wir waren noch nicht weit entlang des Sweetwater vorangekommen, als es nachts bitterkalt wurde. Schon seit Fort Laramie waren die Nächte allmählich immer kälter geworden. Die vor uns liegenden Berge, denen wir uns immer weiter näherten, waren schon fast zur Gänze mit Schnee bedeckt, und die Wolken, die sich jeden Tag dichter um uns zusammenzuziehen schienen, waren ein sicheres Zeichen dafür, daß es bald schneien würde....Die siehzehn Pfund Kleidung und Bettzeug, die wir hatten mitnehmen dürfen, erwiesen sich nun als völlig unzureichend. Fast alle litten nachts mehr oder weniger unter der Kälte. Anstatt morgens erholt und mit neuer Kraft und voller Tatendrang aufzustehen, bereit für die Schwierigkeiten, die der kommende Tag bringen mochte, krochen die armen Heiligen morgens abgehärmt und steif vor Kälte aus ihren Zelten und ließen alle Lebenskraft vermissen, die doch so notwendig war, um unsere Reise erfolgreich zu Ende zu führen.Die Folgen von Kälte, Nahrungsmittelknappheit, körperlicher Schwäche und Erschöpfung durch Überanstrengung ließen nicht lange auf sich warten. Die Alten und Entkräfteten ließen den Kopf hängen, doch kaum hatten sie den Mut verloren, da zeigte sich schon das Abbild des herannahenden Todes in ihrem Gesicht. Das Leben wich so leise von ihnen, wie eine Lampe erlischt, die kein Öl mehr hat. Zuerst starben die Menschen langsam und in unregelmäßigen Abständen, doch nach wenigen Tagen waren die Abstände geringer geworden, und es dauerte gar nicht lange, bis es uns schon ungewöhnlich vorkam, wenn wir an einem Lagerplatz nicht einen oder mehrere Menschen begraben mußten.Nun starben nicht mehr nur die Alten und Entkräfteten, sondern der Tod holte auch junge, kräftige Menschen....Es kam oft vor, daß ein Vater seinen Handkarren, auf dem die kleinen Kinder saßen, bis zum Tag vor seinem Tod zog. Ich habe miterlebt, wie einige noch am Morgen ihren Handkarren zogen, dann während des Tages zusammenbrachen und noch vor dem nächsten Morgen starben... .Tag um Tag zogen wir weiter – in Elend und Kummer. Manchmal legten wir eine ziemlich weite Strecke zurück, dann wiederum schafften wir nur wenige Meilen. Schließlich gerieten wir in einen Schneesturm, und der scharfe Wind heulte uns wütend um die Ohren... .Am Morgen war der Schnee mehr als dreißig Zentimeter tief. Der Schneesturm hatte unser Vieh weit auseinandergetrieben, und einige Tiere waren verendet. Aber noch viel schlimmer war, daß fünf Menschen – Männer und Frauen – dem kalten Hauch des Todes erlegen waren.Am Morgen vor dem Sturm, oder richtiger gesagt, am Morgen des Tages, an dem der Sturm aufkam, hatten wir die letzte Mehlration verteilt. Deshalb hatten wir an diesem besagten Morgen nichts zum Verteilen. Wir hatten aber noch ein, zwei Fässer mit getrocknetem Brot, das Hauptmann Willie in weiser Voraussicht in Fort Laramie gekauft hatte. Es wurde gerecht aufgeteilt und an alle in der Abteilung ausgegeben....Der Schnee war dreißig Zentimeter tief, wir hatten nichts mehr zu essen, viele waren krank, und unser Vieh verendete. Deshalb wurde beschlossen, daß wir im Lager bleiben sollten, bis der versprochene Nachschub ankam...Die karge Ration von hartem Brot und schlechtem Fleisch, die wie beschrieben verteilt worden war, war zum größten Teil schon am ersten Tag aufgegessen, denn die Leute waren ja kurz vor dem Verhungern.Wir schlachteten mehr Vieh und verteilten das Fleisch; doch weil wir es ohne Brot essen mußten, stillte es den Hunger nicht, und außerdem schadete es den an Durchfall Erkrankten mehr, als es ihnen nutzte. Während dieser drei Tage griff die schreckliche Krankheit immer mehr um sich, und mehrere Menschen starben an Erschöpfung.... Die Erinnerung daran erschüttert mich noch immer – was waren das doch für drei schreckliche Tage! Während dieser Zeit kümmerte ich mich um die Kranken und um die Witwen, deren Mann für sie gestorben war, und um die Alten, die sich selbst nicht mehr helfen konnten; ich wollte feststellen, an wen ich die wenigen Mittel verteilen sollte, die man meiner Obhut übergeben hatte. Nie zuvor habe ich solch furchtbaren Hunger miterlebt, und ich bitte Gott, daß er mir diesen Anblick in seiner Gnade auch in Zukunft ersparen mag.&quot; Zur Kompanie gehörte auch eine Frau namens Jackson. Sie schrieb:„Ich ging so gegen neun Uhr schlafen. Weil wir kaum noch Bettzeug hatten, zog ich mich nicht aus. Ich schlief – wie es mir vorkam – bis Mitternacht. Ich fror schrecklich. Draußen war es bitterkalt. Ich horchte, ob ich meinen Mann atmen hören konnte, denn er lag so still da. Ich konnte nichts hören. Ich bekam große Angst und legte eine Hand auf seinen Körper. Zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß meine schlimmste Befürchtung sich erfüllt hatte. Mein Mann war tot. Ich bat die anderen, die noch im selben Zelt schliefen, um Hilfe. Aber sie konnten mir nicht helfen; und so blieb mir nichts weiter übrig, als bis zum Morgen allein neben der Leiche liegenzubleiben. Oh, wie langsam diese schrecklichen Stunden vergingen: Als es hell wurde, kamen Männer aus dem Lager und machten meinen Mann für die Beerdigung fertig. Ach, und die sogenannte Beerdigung und die Trauerfeier! Sie zogen ihm seine Kleidung nicht aus er hatte auch kaum welche. Sie wickelten ihn in eine Decke, legten ihn zusammen mit dreizehn weiteren Toten auf einen Haufen und bedeckten diesen mit Schnee. Die Erde war so tief gefroren, daß man kein Grab ausheben konnte. Dort blieb er, um in Frieden zu schlafen, bis die Posaune Gottes erklingt und die Toten in Christus auferweckt und am Morgen der ersten Auferstehung hervorkommen werden... .Ein paar Tage nach dem Tod meines Mannes ... war die Anzahl der männlichen Mitglieder der Abteilung durch Todesfälle stark zurückgegangen, und diejenigen, die noch am Leben waren, waren so schwach, abgemagert und krank, daß es am Abend, wenn wir unseren Lagerplatz erreichten, nicht mehr genug kräftige Männer gab, um die Zeltpflöcke einzuschlagen und die Zelte aufzubauen. So mußten wir unter freiem Himmel nächtigen, und die Sterne waren unsere Gefährten. Der Schnee lag mehrere Zentimeter hoch, und nachts war es bitterkalt. Ich setzte mich mit einem Kind auf dem Schoß und einem anderen Kind an meiner Seite auf einen Stein und blieb dort bis zum Morgen sitzen.”An diesem Punkt ließ Hauptmann Grant, der zur Vorhut der Hilfsmannschaft gehörte, eine Nachricht mit folgendem Wortlaut an Präsident Brigham Young senden:„Es hat keinen Sinn, die Lage der Menschen hier beschreiben zu wollen, denn darüber werdet Ihr in Kürze mehr von Eurem Sohn Joseph A. und [Bruder] Garr hören, die Euch diese Eilbotschaft überbringen. Aber vielleicht könnt Ihr Euch vorstellen, wie fünf-, sechshundert Menschen — Männer, Frauen und Kinder –, erschöpft von der Anstrengung, ihren Handkarren durch Matsch und Schnee zu ziehen, am Wegesrand ohnmächtig werden und völlig durchfroren niedersinken; wie die Kinder weinen, deren Glieder steif vor Kälte sind, wie ihre Füße bluten, wie manche sogar bei Schnee und Frost barfuß gehen müssen. Dieser Anblick ist auch für die Stärksten von uns kaum zu ertragen&quot;Auf der Generalkonferenz in Salt Lake City, die am 5. Oktober 1856 stattfand, sagte Präsident Brigham Young:„Viele unserer Brüder und Schwestern befinden sich mit ihren Handkarren auf der Prärie, und wahrscheinlich sind viele derzeit noch mehr als tausend Kilometer von hier entfernt. Wir müssen sie holen, wir müssen ihnen Hilfe senden....Ich rufe heute noch die Bischöfe auf. Ich warte nicht bis morgen oder übermorgen. Ich brauche sechzig gute Maultiergespanne und zwölf bis fünfzehn Wagen. Ich möchte keine Ochsen schicken, sondern gute Pferde und Maultiere.Es gibt sie hier in unserem Territorium, und wir müssen sie haben. Außerdem elf Tonnen Weizen und vierzig gute Lenker zusätzlich zu denen, die die Gespanne lenken.... Zuerst aber vierzig gute junge Männer, die wissen, wie man ein Gespann lenkt, und die sich um die Gespanne kümmern können, für die jetzt Männer, Frauen und Kinder zuständig sind, die nichts davon verstehen. Zweitens sechzig bis fünfundsechzig gute Maultier- oder Pferdegespanne mit Geschirr, Wagenschwengel, Joch, Fußlatte, Zugketten usw. Und drittens elftausend Kilogramm Mehl, das wir ja vorrätig haben... .Ich sage euch: All euer Glaube, eure Religion, euer Bekenntnis zur Religion werden auch nicht einen einzigen von euch ins celestiale Reich unseres Gottes bringen, wenn ihr nicht die Prinzipien, die ich euch gerade jetzt lehre, in die Tat umsetzt. Geht und holt die Leute her, die jetzt auf der Prärie sind. Und haltet euch strikt an das, was wir als zeitlich, als zeitliche Pflicht bezeichnen. Denn sonst ist euer Glaube vergebens. Die Predigten, die ihr gehört habt, werden euch nichts nützen, und ihr werdet in die Hölle sinken, wenn ihr nicht das tut, was wir euch sagen.&quot;Inzwischen hatte die Abteilung Willie gehört, daß eine Hilfsmannschaft mit Vorräten auf dem Weg war, und Hauptmann Willie sowie ein weiterer Mann wurden ausgesandt, um die Wagen zu suchen und die Rettung der festsitzenden Mitglieder zu beschleunigen. John Chislett schrieb:„Am Abend des dritten Tages nach Hauptmann Willies Aufbruch (es war der 21. Oktober), als die Abendsonne gerade in ihrer ganzen Schönheit hinter den fernen Bergen versank, sahen wir auf einer genau westlich des Lagers gelegenen Anhöhe mehrere Planwagen, die von je vier Pferden gezogen wurden, auf uns zukommen. Die Neuigkeit verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Lager, und wer aufstehen konnte, verließ seine Bettstatt, um die Ankömmlinge zu sehen. Nach einigen Minuten waren sie so nahe herangekommen, daß wir unseren treuen Hauptmann vor den Wagen herziehen sahen. Freudenrufe erfüllten die Luft; selbst starke Männer weinten, und die Tränen liefen ihnen über die zerfurchten und von der Sonne verbrannten Wangen. Auch die kleinen Kinder wurden von der Freude angesteckt, obwohl sie sie wohl kaum verstehen konnten. Sie tanzten fröhlich umher. Im allgemeinen Freudentaumel waren alle Anstrengungen vergessen, und als die Brüder unser Lager erreicht hatten, stürzten sich die Frauen auf sie und überschütteten sie mit Küssen..&quot;Als sich die Mitglieder, die so schwer hatten leiden müssen, dann kurz vor dem Salt Lake Valley befanden, rief Präsident Brigham Young die Mitglieder erneut ins Tabernakel und sagte:„Wenn diese Leute eintreffen, dann möchte ich, daß sie nicht sich selbst überlassen in Häusern untergebracht werden. Ich möchte vielmehr, daß sie in der Stadt auf Familien verteilt werden, die ein schönes, bequemes Haus besitzen; und ich möchte, daß alle Schwestern, die heute hier sind, und auch alle, die sich damit auskennen und dazu in der Lage sind, sich um die Neuankömmlinge kümmern und sie bedarfsgerecht mit Medikamenten und Nahrung versorgen.Darüber zu sprechen gehört zu meiner Religion, denn sie hat auch etwas mit Fürsorge für die Heiligen zu tun... .Die Nachmittagsversammlung fällt aus, denn ich möchte, daß die Schwestern nach Hause gehen und Vorbereitungen treffen, um den Ankommenden etwas zu essen zu geben, sie zu waschen und sie gesundzupflegen. Wäre ich an Stelle derer, die gerade ankommen, dann wäre mir eine Schüssel Pudding und Milch oder eine gebackene Kartoffel mit Salz natürlich lieber als all euer Beten, selbst wenn ihr den ganzen Nachmittag hierbleiben und beten würdet. Beten ist gut, aber wenn gebackene Kartoffeln und Pudding und Milch gebraucht werden, dann ist Beten kein Ersatz dafür. Alles zur richtigen Zeit und am richtigen Ort... .Ihr werdet feststellen, daß manchen die Füße bis zu den Gelenken erfroren sind; anderen sind die Beine bis zum Knie erfroren, und wieder anderen die Hände. ... Wir möchten, daß ihr sie so aufnehmt, als ob sie eure eigenen Kinder wären, und daß ihr ihnen die gleiche Zuneigung entgegenbringt. Wir sind ihre zeitliche Erretter, denn wir haben sie vor dein Tod bewahrt..&quot;  James E. Faust,&amp;nbsp;November 1997 Unter allen Schilderungen von Glauben ist kaum eine so machtvoll wie das, was von einem alten Pionier erzählt wird; Jahre nach den Ereignissen verteidigte er die Entscheidung der Handkarrengruppe Martin, sich 1856 noch spät im Jahr auf den Weg ins Salzseetal zu machen. Er war einer der fast 3000 Heiligen gewesen, die zwischen 1856 und 1862 in einer von zehn Gruppen von Iowa&amp;nbsp; oder Nebraska nach Utah liefen und dabei ihre Habe auf Handkarren zogen oder schoben.In einer Sonntagsschulklasse wurden die unglücklichen Handkarrengruppen Martin und Willie heftig kritisiert. Beide Gruppen waren spät zum Zug ins Salzseetal aufgebrochen und erlitten dadurch ein tragisches Schicksal.Ein älterer Mann stand auf und sagte: „Bitte hören Sie mit dieser Kritik auf. Sie wissen nicht, worüber Sie da reden. Kalte historische Fakten ... geben nicht richtig wider, um was es hier ging. War es falsch, die Handkarrengruppen so spät im Jahr aufbrechen zu lassen? Ja. Aber ich war dabei, und meine Frau ... auch. Wir haben mehr gelitten, als Sie sich vorsteilen können, und viele von uns starben an Unterkühlung und Hunger;&amp;nbsp; und doch ... in diesen extremen Umständen lernten wir [Gott] kennen.Ich habe meinen Karren gezogen und war durch Krankheit und Nahrungsmangel so schwach und müde, daß ich kaum einen Fuß vor den anderen stellen konnte. Ich habe nach vorn geschaut und ein Erdloch oder eine Steigung gesehen, und mir gesagt: So weit kann ich gehen, dann muß ich aufgeben, denn diese Ladung kann ich da nicht durchziehen. . . . Ich ging bis an den Sand, und als ich dort war, begann der Karren, mich zu schieben.&amp;nbsp; Oft habe ich mich umgeschaut, um zu sehen, wer meinen Karren schob, doch ich konnte niemanden sehen. Da wußte ich, daß die Engel Gottes da waren.Hat es mir leid getan, daß ich mich für die Reise mit dem Handkarren entschieden hatte? Nein. Weder damals noch eine einzige Minute seither. Es war eine Ehre, den Preis dafür zahlen zu dürfen, daß wir Gott kennenlernten. Ich bin dankbar dafür, daß ich die Ehre hatte, mit der Handkarrengruppe&amp;nbsp; Martin kommen zu dürfen.” (Zitiert in .Pioneer Women&quot; von David 0. McKay, The Relief Society Magazine, Januar 1948, Seite 8 ) (Auszug aus &quot;Jeder Schritt im Glauben&quot; aus dem Stern von Februar 1997 von Elder Rkobert L. Backman)  
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<title>Alma Elisabeth kommt nach Amerika</title>
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Die sechsjährige Alma Elisabeth Mineer sah sich im dunklen Innern des riesigen Segelschiffes um, wo eine flackernde Öllampe etwas Licht spendete. In dem düsteren Licht konnte sie von den Passagieren, die in ihren Schlafkojen lagen, kaum jemanden sehen.Sie lauschte den Geräuschen der Nacht gerne. Das Schiff schaukelte sanft von einer Seite zur anderen, und die großen Holzbalken knarrten und ächzten. Einige Mütter sangen ihre Kinder leise in den Schlaf. Alma konnte zwar nicht alle Worte verstehen, aber sie bemerkte, daß englische, deutsche, schwedische, norwegische und dänische Kleinkinder beim Weinen die gleiche laute Sprache haben! Manchmal war Alma vor dem Einschlafen .traurig, wenn sie an ihr Zuhause, die Freunde und den Ort in Schweden dachte, den sie verlassen hatte.Während des Tages stieg Alma Elisabeth gerne die Stufen hinauf und ging an Deck. Wenn sie vorne auf dem Schiff stand, versuchte sie. Amerika zu finden, und sie schaute und schaute. Aber Tag für Tag konnte sie in jeder Richtung nur den Atlantischen Ozean sehen.Alma Elisabeth beobachtete auch gerne, wenn die großen Segel von Wind aufgeblasen wurden. Sie hätte sich auch gefreut, wenn sie wie die Matrosen an den Seilen hätte hinaufklettern können. Ihre neuen Freunde und Freundinnen luden sie oft ein, bei einem Spiel mitzumachen. Gelegentlich probierte sie neue englische Wörter aus. Sie wußte, daß sie in Utah Englisch und nicht mehr Schwedisch sprechen würde.Manchmal schlich sie in den Teil des Schiffes, wo die Matrosen wohnten. Mit dem Koch freundete sie sich besonders an. Er gab ihr oft besondere Leckerbissen, und sie freute sich darüber, denn die Mahlzeiten ihrer Familie waren nicht allzu schmackhaft. Sie konnten in der Woche nur fünf Mahlzeiten kochen. Und der Schiffszwieback war so hart, daß sie mit den Schuhen darauftreten mußte, um ein Stück davon abzubrechen.Fünf Wochen lang — im Mai und Juni 1861 -- segelte das Schiff, Monarch of the Sea genannt. über den Atlantischen Ozean. Als es endlich im Hafen von New York anlegte, wurden die einwandernden Heiligen in kleinen Booten an Land gebracht. Sie verbrachten die Nacht in einem riesigen Gebäude, dem Castle Gardens.Als die Kinder sich an dem Abend auf dem Boden des Gebäudes schlafen legten, entdeckte Alma Elisabeths Bruder August gleich neben sich ein paar Säcke mit braunem Zucker. In einem war ein kleines Loch, und der Zucker rieselte heraus. Alma Elisabeth und August hatten auf ihrer Fahrt über den Ozean keinen Zucker und keine Süßigkeiten gegessen. August fand auch einen Löffel. Bald hielten sie einen großen Festschmaus. Aber am nächsten Morgen war ihnen schlecht!Alma Elisabeth machte dann mit ihrer Familie und den anderen Heiligen die weite Reise nach Iowa mit dem Zug. Dort schlossen sie sich dem Wagenzug nach Utah an. Sie ging den ganzen Weg zu Fuß und stieg nur dann in den Wagen, als sie einen tiefen Fluß überquerten.Alma Elisabeths Vater fiel das Gehen schwer. Er war in Schweden Konzertgeiger und der Dirigent eines Orchesters gewesen. Dann wurde er durch Rheumatismus zum Krüppel. Erst langsam lernte er, Hände und Füße wieder zu gebrauchen, aber dies war ein schwieriger und schmerzhafter Vorgang.Elisabeths Vater konnte mit dem Wagenzug nicht Schritt halten, bestand aber darauf, daß seine Familie beim Wagenzug blieb. Er versprach, daß er sie später einholen werde.Er mühte sich vorwärts, bis er ein Licht sah. Es war das Lager von Soldaten, die in den Bürgerkrieg zogen. Ein Soldat sprach Schwedisch. Als sie herausfanden, daß Alma Elisabeths Vater Musiker war, trieben sie eine Geige auf, und er spielte für sie. In der Frühe setzten sie ihn aufs Pferd, und sie holten den Wagenzug ein.Als Alma Elisabeth mit ihrer Familie in Utah ankam, ließen sie sich in Mount Pleasant nieder. Da sie ein Pionierkind war, arbeitete sie schwer. Sie lernte, wie man Wolle kämmt und spinnt, Teppiche webt, Kühe melkt, strickt und häkelt, aus Wildleder Handschuhe macht, aus geflochtenem Stroh Hüte anfertigt, Heu aufschobert und Weizen in Bündel zusammenbindet.Einmal sammelte sie Weizen, der nach der Ernte auf den Feldern liegengeblieben war, und sie verkaufte ihn für 10 Dollar. Mit einem Teil des Geldes kaufte sie neun Meter Stoff für ihr erstes Partykleid.An ihrem achten Geburtstag sah sie, wie einige Älteste in einem nahegelegenen Flüßchen etliche Leute tauften. Ihre Eltern wußten nichts von diesem Taufgottesdienst, deshalb lief sie nach Hause und sagte es ihnen. Sie gaben ihr die Erlaubnis, und so wurde sie ebenfalls in&amp;nbsp; dem Flüßchen getauft. Danach ging sie zur Konfirmation in das Gemeindehaus. Danach aber war sie so müde, daß sie in der Kirche auf einer Bank einschlief, die selten benutzt wurde und wo die Leute sie nicht sehen konnten. Nach der Versammlung gingen alle nach Hause. Alma Elisabeths Familie machte sich nun schon Sorgen, weil sie so lange fort war, und sie schickten ihre größere Schwester Helen, um sie zu suchen. Sie fand Alma Elisabeth, die in dem nun leeren Gemeindehaus noch immer schlief.An einem sehr warmen Tag im Juli, als Alma Elisabeth zehn Jahre alt war, ging sie zu einer Versammlung der Gemeinde. Die Leute waren sehr mutlos, da sie für ihre Saat Regen brauchten. Präsident Brigham Young kam zur Versammlung, und sie hörte aufmerksam zu, als er aufstand und sprach. Er versprach ihnen, wenn sie auf seine Worte hörten, daß der Herr die Himmel öffnen und Regen senden würde.Kaum waren die Worte von des Propheten Lippen gekommen, als Alma Elisabeth auch schon bemerkte, wie sich Wolken zusammenbrauten. Schnell bedeckten sie den Himmel, und es regnete in Strömen. An diesem Tag bekam sie ein großes Zeugnis vom Evangelium, und sie vergaß es ihr Leben lang nicht.William G. Hartley, der Freund, Juli 1981  
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